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Heft 2/2013

Green 2/2013

DETAIL Green 2/2013

Die Kunst, von komplexen Aufgaben zu einfachen Lösungen zu gelangen, gilt spätestens seit Mies van der Rohes »less is more« als Königsweg beim Entwerfen. Jahrzehntelang hatte die Gleichung »Reduktion = Eleganz« unter Architekten weitgehend unhinterfragt Bestand.

Nun aber treten die Verfechter des nachhaltigen Bauens auf den Plan und behaupten, Architektur könne nur zukunftsfähig sein, wenn ihre Entwerfer sich von Zertifizierungssystemen leiten lassen, die mindestens sechzig Kriterien umfassen. Wen würden da nicht Zweifel beschleichen?

Auf der anderen Seite tönen die Lockrufe all jener, die schon immer wussten, dass es nur einer einzigen Lösung bedürfe: Baut Passivhäuser, dann könnt ihr die Heizung weglassen! Oder: Gebäudedämmung ist überflüssig, hocheffiziente Wärmepumpen werden es schon richten! Andere wieder behaupten: Lasst das Optimieren von Einzelgebäuden – die Lösung liegt allein in Energiekonzepten für ganze Stadtquartiere.

Fast alle dieser »Entweder-oder«-Strategien haben zwei Dinge gemeinsam: Sie klingen verlockend für all jene, die meinen, sich dadurch Zeit, Geld und Mühen sparen zu können. Und sie greifen in aller Regel zu kurz. Nachhaltigkeit braucht keine Rosinenpickerei und einseitige Optimierung, sondern eine Kultur des beherzten »Sowohl als auch«. Wir benötigen sowohl Gebäudedämmung als auch erneuerbare Energien, sowohl Altbausanierung als auch energieeffiziente Neubauten, Lösungen sowohl auf Gebäude- als auch auf Quartiersebene. Wir müssen dem Klimawandel begegnen und den Gebäudebewohnern den nötigen Komfort bieten, gelegentlich aber auch die Frage stellen: Wie viel Komfort, wie viel Wohnfläche pro Person und wie viel leer stehende Bürogebäude sind genug? Wann wäre Nichtbauen eventuell die nachhaltigste Lösung?

Kurzum: Nachhaltiges Bauen ist (notwendigerweise) eine komplexe Angelegenheit, und Detail Green ist ein Spiegel dieser Komplexität. In der aktuellen Ausgabe präsentieren wir Beiträge über Gebäudedämmung ebenso wie über Energiestrategien für ganze Stadtquartiere; wir dokumentieren sanierte Altbauten ebenso wie neue Gebäude und Kombinationen aus Alt und Neu. Auf diese Weise versuchen wir, der Vielfalt heutiger Bauaufgaben und Nachhaltigkeitsfragen gerecht zu werden. Diese sind mannigfaltiger, als manchem Puristen lieb sein wird: Rekonstruierte Fachwerkhäuser im Passivhausstandard? Heutzutage kein Problem, dank des Erfindungsreichtums von Architekten und Planern sowie der Forschungs- und Entwicklungsarbeit der Bauzulieferer.

Jakob Schoof

01.11.2013
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Übersetzungen aus Heft 2/2013
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