Ein Gestaltungsforum für Leipzig
02.03.2009 2009-03-02 23:00:00
Das Gremium des neu gegründeten Gestaltungsforums Leipzig hat sich einen Vorsitzenden aus Weimar erwählt: Architekt Professor Karl-Heinz Schmitz. Seine Stellvertreterin die Professorin Hannelore Deubzer kommt aus Berlin. Vor allem Experten, die keine Verbindung zu Leipzig haben sollen einen "Tunnelblick" bei den kommenden städtebaulichen Fragen verhindern.
Bei städtebaulich bedeutsamen Vorhaben soll das Gestaltungsforum fortan die Stadt Leipzig beraten und der Verwaltung mit fachlich kompetenten Empfehlungen Entscheidungsvorgaben liefern. Im Fokus stehen dabei in erster Linie große Vorhaben, die das Stadtbild nachhaltig prägen und verändern. Die Projekte sollen auf ihre städtebauliche, architektonische und gestalterische Qualität überprüft und ihre Auswirkung auf das Stadt- und Landschaftsbild eingeschätzt werden. In anderen Städten, zum Beispiel in Regensburg, Lübeck, Passau, Dortmund, Köln und Halle gibt es ein solches Forum schon länger.
Um einen einseitige Betrachtung oder die Verwirklichung eigener Vorstellungen und Projekte jedes einzelnen zu verhindern, setzt sich das Gremium aus Experten zusammen die nicht selbst in der Leipzig tätig sind. Keiner kann sich durch Projekte selbst bereichern. Im Juli 2008 wurde das Gestaltungsforum Leipzig gegründet und besteht aus fünf stimmberechtigten Mitgliedern. Sie sind anerkannte Fachleute aus dem Städtebau, der Landschaftsplanung und der Architektur unabhängig von der Stadt Leipzig.
Unter den insgesamt 15 Mitgliedern sind neben den Professoren Hannelore Deubzer und Karl-Heinz Schmitz, auch der Hamburger Stadtplaner Prof. Dr. Michael Koch (HafenCity Universität Hamburg), der Dresdener Landschaftsarchitekt Till Rehwaldt und der Kölner Architekt Professor Gernot Schulz zu finden. Zudem sitzen zwei sachkundige Bürger Leipzigs und Vertreter des Fachausschusses für Stadtentwicklung und Bau und ebenfalls Vertreter der Stadtratsfraktionen, des Stadtforums Leipzig, der Kulturstiftung Leipzig und der Stadtverwaltung sind als beratende Mitglieder vertreten.
Die Gründung des Gremiums ist für die Stadt Leipzig ein wichtiger Schritt. Wie einige andere Großstädte muss sich auch die bevölkerungsreiche Stadt im Freistaat Sachsen neuen Herausforderungen stellen. Die innerstädtische Architektur soll sich durch die Arbeit des Gestaltungsforums positiv verändern. Das Gremium hat die Möglichkeit beim Neubau und der Sanierung von Immobilien nicht nur nach der aktuellen Kassenlage zu entscheiden, sondern auch eine langfristige Orientierung anzustreben. Funktionalität, Ästhetik und Wirtschaftlichkeit sollen so besser unter einen Hut gebracht werden. Und es steht einiges an.
Derzeit hat Leipzig etwas mehr als eine halbe Million Einwohner mit steigender Tendenz steigend. In naher Zukunft müssen neue Wohn- und Lebensräume entstehen. Dabei wird weiterhin das Credo „Stadterneuerung im Bestand“ verfolgt. Sanierungen sind nach wie von größerer Bedeutung als Neubauten. Noch immer gibt es zu viele Leerstände in unsanierten Gründerzeitbauten der Stadt.
Auch die Verkehrswege zu Land, zu Wasser und in der Luft werden ausgebaut. Die ICE-Neubaustrecke Erfurt-Leipzig-Halle hat dem Leipziger Flughafen einen neuen Fernbahnhof eingebracht. Der Flughafen selbst entwickelt sich mehr und mehr zu einem internationalen Drehkreuz. Noch kann er aber mit dem International Airport in Frankfurt am Main nicht mithalten.
Der Lindenauer Hafen ist nicht an den Elster-Saale- und Karl-Heine-Kanal angeschlossen und die Leipziger Flüsse Weiße Elster, Luppe, Pleiße, und Parthe haben im Stadtraum größtenteils künstliche Flussbetten. Diese Wasserwege eignen sich derzeit nur für den Sportbootverkehr. Durch anlegen und sanieren vorhandener Gräben und Flüsse im Süden der Stadt und den Anschluss bereits gefluteter Tagebaurgruben, kann jedoch ein Gewässerverbund entstehen, der es möglich macht von Leipzig auf dem Wasserweg bis zur Elbe zu schippern.
All diese und weitere anstehende Großprojekte werden nun zunächst durch das unabhängige Gremium geprüft.
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