Seite drucken
-

Themen

Architektur | Themen

In Orbit: Installation von Tomás Saraceno in Düsseldorf

Schwindelfrei sollte man schon sein, wenn man die neue Installation von Tomás Saraceno „in orbit“ betritt: Der aus Argentinien stammende Architekt und Künstler (mit Wohnsitz in Berlin) hat für das Atrium des K21 Ständehauses in Düsseldorf eine spektakuläre Installation aus Seilnetzen, Blasen und Ballons geschaffen, die am 21. Juni 2013 eröffnet wurde. Begleitet wurde das Projekt von Stadler Prenn Architekten aus Berlin.

Laufzeit: 22. Juni 2013 - Herbst 2014, Eröffnung am 21. Juni 2013, 19 Uhr
Ort: K21 Ständehaus, Ständehausstraße 1, 40217 Düsseldorf

Foto: Studio Saraceno

Spinnennetz, Planetenbahn oder Wolkenkuckucksheim: Unter der Glaskuppel des K21, das die zeitgenössische Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen beherbergt, spannt sich seit dieser Woche in 20 Metern Höhe die ultraleichte Seilkonstruktion nach dem Entwurf von Tomás Saraceno auf. Sie besteht aus unterschiedlichen Schichten und umfasst insgesamt rund zweieinhalb tausend Quadratmeter Fläche: Die begehbaren Netze werden von mit Luft gefüllten PVC-Kugeln, so genannten Sphären, auf Abstand gehalten. Sie sind im Durchmesser bis zu achteinhalb Meter groß, teilweise verspiegelt und teilweise durchsichtig. Die Konstruktion besteht aus hochmodernen Sicherheitsseilen, die zu Netzen verknüpft wurden. Dabei orientiert sich Saraceno an den Knüpftechniken und Geometrien von Spinnennetzen, die er buchstäblich „weiterspinnt“.

Foto: Wilfried Meyer

Für die Besucher des Kunstwerks, das von maximal zehn Personen gleichzeitig betreten und erforscht werden darf, heißt das: Sie müssen ihre Bewegungen aufeinander abstimmen, denn die Netze sind nicht statisch, sondern reagieren sensibel auf die mobilen Lasten der Besucher: „Jeder einzelne Strang wird die Besucher nicht nur halten, sondern sie zusammenweben, gemeinsam agieren lassen. Es ist wie ein gestrecktes Netz auf offener Wiese. Eine offene kosmisch gewebte Struktur, die sich verdichtet, verzweigt und an ihren Rändern wieder in Linien mündet. Das Netz ist einzigartig in seiner Beziehung mit der vorhandenen Architektur.“, so Tomás Saraceno.

Foto: Wilfried Meyer

Wichtig ist Saraceno bei „in orbit“ aber auch der Bezug zum Weltraum: “Wenn ich diese vielschichtigen Ebenen von durchscheinenden Linien und Sphären betrachte, werde ich an Modelle des Universums erinnert, die Schwerkraft und planetarische Körper darstellen. Die Arbeit visualisiert für mich das Raum-Zeit-Kontinuum, ein dreidimensionales Netz einer Spinne, die Verzweigungen von Materie im Gehirn, die Dunkle Materie oder die Strukturen des Universums. „in orbit“ setzt Proportionen in neue Beziehungen; menschliche Körper werden Planeten, Moleküle oder soziale schwarze Löcher.“

Parallel zu der künstlichen Netzlandschaft gibt es im K21 auch einen „Künstlerraum“, in dem sich lebende Spinnen beim Weben ihrer Netze beobachten lassen. So können naturwissenschaftliche Phänomene anschaulich mit dem persönlichen Erlebnis des Kunstwerks verknüpft werden.

Foto: Studio Saraceno

Saraceno versteht seine Installationen als Weiterentwicklung der geometrischen Visionen und Konstruktionen Richard „Bucky“ Buckminster Fullers in einem zeitgenössischen Kontext. Für seine – im Gegensatz zu Buckminster Fullers geodätischen Kuppeln – weichen und elastischen Konstruktionen nutzt er technische Innovationen im Materialbereich. Zudem bezieht sich der Künstler auf die Phantasieromane von Jules Verne. Saracenos Utopie ist eine „Air-Port-City“, eine schwebende Wolkenstadt, sie steht als ideelles Ziel hinter allen seinen realisierten Projekten, mit denen er sich diesem Ideal schrittweise annähert. Zuletzt waren von ihm zwei Versionen der Installation Cloud Cities zu sehen – und zu begehen:  im Hamburger Bahnhof Museum für Gegenwart in Berlin sowie auf dem Dach des Metropolitan Museums in New York.


(Cordula Vielhauer)

Weitere Informationen:
www.kunstsammlung.de
www.tomassaraceno.com
www.stadlerprenn.com

Foto: Wilfried Meyer

Foto: Wilfried Meyer

Foto: Studio Saraceno

Foto: Studio Saraceno

Foto: Wilfried Meyer

Von Cordula Vielhauer
20.06.2013
K21 , Kunst , Netzstruktur , Netzwerk , Seiltragwerk , Stahl-Seil-Konstruktion , Tomás Saraceno

Anzeige

Verwandte Artikel
Architektur

Verschleierte Transparenz: Wohnhaus von Fumihiko Sano

S. 998

»Moya« bedeutet im japanischen Nebel. Fumihiko Sano & Studio Phenomenon umschließen mit einer zweiten Hülle aus Stahlnetz das Haus wie ...

mehr
Architektur

Natürlicher Säulenwald: Chipperfields “Sticks and Stones” in Berlin

S. 1317

Letzte Installation vor der Sanierung von Mies van der Rohes Neuen Nationalgalerie, die am 1. Januar 2015 beginnt.

mehr
Architektur

Kulturhybrid statt Milchfabrik: Toni-Areal ist eröffnet

EM2N Architekten haben Europas ehemals größten Milchverarbeitungsbetrieb in einen Hotspot der Kreativbranche verwandelt.

mehr