L’Opéra Restaurant in Paris
Autor: Claudia Fuchs
Kultur-Genuss: Odile Decq hat in der Pariser »Opéra Garnier« ein Restaurant eingefügt, dessen dynamische Formensprache im spannungsvollen Dialog mit dem historischen Opernhaus steht.
Architekten: Odile Decq, Benoit Cornette Architectes Urbanistes, Paris
Standort: 8 rue Scribe, F–75009 Paris
Die »Opéra Garnier« ist eines der bekanntesten Pariser Bauwerke. Charles Garniers monumentales Meisterwerk verbindet großzügige Raumfolgen, moderne Eisenkonstruktion und neobarocke Dekoration. Seit der Einweihung 1875 ist das Opernhaus im gesellschaftlichen Leben der Stadt eine wichtige Konstante – nur ein Restaurant gab es nie. Nun macht das neue »L’Opéra Restaurant« Furore.
Das Opernhaus von Norden, dominiert vom Bühnenhaus. Das neue L´Opéra Restaurant befindet sich im Erdgeschoss der Ostkuppel links des Bühnenhauses. Foto: Claudia Fuchs
In der Ostrotunde, dort wo einst die Opernbesucher in Pferdekutschen vorfuhren, zieht das rot-weiße Interieur hinter der schwerelos wirkenden Glashülle die Blicke auf sich. Mit dynamisch geschwungenen Formen steht es in spannungsvollem Dialog mit dem historischen Gebäude. Ausgehend von den Denkmalschutzauflagen, an keiner Stelle in den Bestand einzugreifen, entwickelte die Pariser Architektin Odile Decq die gebogene Glasfassade. Die bis zu acht Meter hohe Glaswand fasziniert durch ihre Transparenz und minimalistischen Details und umspielt die Arkadenpfeiler wie ein Vorhang aus Glas.
Hinter den Arkadenbögen sind die geschwungene Glasfassade und die weiße Galerieebene erkennbar. Foto: Claudia Fuchs
Lichte Atmosphäre im vorderen Restaurantbereich mit direktem Bezug zum städtischen Leben. Foto: Claudia Fuchs

In der Lounge unter der Galerie trifft man sich auf einen Drink. Foto: Roland Halbe
Auch die neue Galerieebene hält respektvoll Abstand zum Bestand: Ihre organische Form umfließt die natursteinverkleideten Bestandspfeiler, ohne sie zu berühren. Auf 15 schlanken Stützen wie auf Zehenspitzen stehend, kragt sie weit aus und scheint unter der Kuppel zu schweben. Die fließenden Formen der Galerie gliedern das Restaurant in unterschiedliche Bereiche: lichtdurchflutet und mit Blick auf das städtische Leben an der Fassade, introvertiert in der Lounge unter der Galerie und blickgeschützt auf der Galerie. Beide Ebenen des öffentlich zugänglichen Restaurants bieten bis zu 160 Gästen Platz, zur Oper gibt es einen direkten Zugang. Architektur- und Gastronomiekonzept sprechen eine gemeinsame Sprache: Die klassisch-moderne Küche ist ebenso stringent, raffiniert und frisch wie die Architektur.
Die Galerie unter der Kuppel schwingt um die Bestandspfeiler. Das leuchtende Rot prägt die Atmosphäre. Foto: Roland Halbe
Blickverbindung zwischen Erdgeschoss und Galerie durch die große Deckenaussparung. Foto: Roland Halbe
Ein ausführlicher Beitrag in DETAIL 3/2012 erläutert die konstruktiven Besonderheiten der Galerie – deren tragende Stahlstützen sind hinter einer Gipsschale verborgen – sowie die geschwungene Glasfassade. In derselben Ausgabe spricht Odile Decq im Interview über das architektonische Konzept, über Materialwahl und Lichtgestaltung, sowie über die Symbolik von Kulinarik und Architektur.
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