Mies 125 - Jürgen Partenheimer »Lemke«
07.09.2011 2011-09-07 23:00:00

Ort: Mies van der Rohe Haus, Berlin
Dauer: bis 27.11.2011
Der inhaltlich lyrische Ansatz der Abstraktion im Werk von Jürgen Partenheimer, seine Bildsprache, bildet ein System der offenen Grenzen. Sie berührt jene Bereiche des Bewusstseins, in denen Erinnerung und Gegenwart als Grundbedingung utopischer Entwürfe in den Mittelpunkt der Wahrnehmung ru?cken. Ju?rgen Partenheimer, dessen Werk durch große poetische Intensität und fundierten theoretischen Diskurs besticht, zählt zu den herausragenden Ku?nstlern seiner Generation, die in den 1980er Jahren durch ihre Teilnahmen an den Biennalen von Paris, Sao Paulo und Venedig international bekannt wurden. In den vergangenen Jahren hat Jürgen Partenheimer beeindruckende raumbezogene Ausstellungen seines Werkes u.a. für die Museen für zeitgenössische Kunst S.M.A.K. in Gent, die Pinakothek in São Paulo, die IKON Gallery in Birmingham sowie das Kunstmuseum Bonn eingerichtet und in der Schweiz für das Nietzsche-Haus in Sils-Maria sowie für das Museum Chasa Jaura in Valchava situative Werkgruppen geschaffen. Die Einladung zur Ausstellung in das Mies van der Rohe Haus (Haus Lemke) steht im Zusammenhang mit dem diesjährigen Themenschwerpunkt „MIES 125“.
Für das Haus richtet der Künstler aus diesem Anlass eine raumbezogene Ausstellung mit dem Titel „Lemke“ ein. Das Konzept Partenheimers, im letzen von Mies van der Rohe gebauten Wohnhaus in Deutschland, assoziiert die Vorstellung des privaten Bauherren im Dialog mit dem Architekten als zeitloses Programm künstlerischer Interpretation und Markierung von Raum. Der Wohnraum, im Gegensatz zum Ausstellungsraum, bewirkt die entscheidende Inspiration für die „Einrichtung“ einer Ausstellung, in der Partenheimer die gegenwärtige Thematik künstlerischer Intermedialität aufgreift. Sein Konzept folgt Vorgaben und Möglichkeiten einer Gestaltung, in der die soziale Wirklichkeit der Architektur und die ästhetisch inhaltliche Bedeutung der Kunst gemeinsam wirken. Arbeiten auf Papier, Malerei und Skulptur markieren die Räume. Erstmals realisiert der Künstler eine Wandarbeit in Form einer für das Haus entworfenen und produzierten Tapete, im Sinne einer „Zeichnung“, die in Zusammenarbeit mit dem internationalen Unternehmen AS Création entwickelt wurde.
Mittwoch, 21.09.2011 um 19.00 Uhr, Vortrag und Gespräch: Freund oder Feind - Das Bauhaus und die Tapete. (Dr. Werner Möller, Stiftung Bauhaus Dessau)
Gerade das Medium Tapete war seitens der Avantgarde eines der meist stigmatisierten Produkte des Wohnbedarfs, das Synonym für nutzloses Wohnraum-Dekor und Stil-Maskeraden schlechthin. Auch mit Blick auf die Leitung des Bauhauses unter Ludwig Mies van der Rohe bleibt diese Frage spannend. Seine Direktive für das Bauhaus wendete sich entschieden von der Maxime seines Vorgängers „Volksbedarf statt Luxusbedarf“ ab hin zu den ästhetischen Fragen einer Neuen Baukunst der Moderne. Perfekte Oberflächen und edle Materialien gehörten untrennbar zu seinen Vorstellungen einer Neuen Baukultur, aber eben keine Tapete. Und nichtsdestotrotz, die Bauhaustapete wurde das erfolgreichste Produkt des Bauhauses überhaupt. Der Vortrag „Freund oder Feind - Das Bauhaus und die Tapete“ durchdringt dieses Geflecht aus Erfolg und Ablehnung des Produkts Tapete am Bauhaus.
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