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Architektur | Themen

Städtebauliches Relief: Hochschule und Geschäftshaus in Zürich

Mitten in Zürich entsteht ein neuer Stadtteil: die Europaallee. Das Gebiet, direkt hinter dem Zürcher Hauptbahnhof, verläuft entlang der Gleise und soll bei der Fertigstellung im Jahr 2020 über 6.000 Arbeitsplätze, 2000 Studienplätze, 300 Wohnungen, Hotel, Geschäfte, Gastronomie sowie weitere Freizeitangebote umfassen. Bereits vor der kürzlich eröffneten Hauptzentrale der UBS Bank wurde direkt nebenan auf Baufeld A als erster Neubau des Großprojekts ein vierteiliges Gebäudeensemble von Max Dudler fertiggestellt.

Architekten: Max Dudler Architekten, Zürich
Standort: Lagerstrasse / Europaallee, CH-8004 Zürich
Fotograf: Stefan Müller, Berlin

Hochschule und Geschäftshaus in Zürich von Max Dudler, Foto: Stefan Müller

Die Europaallee, ein rund 78.000 Quadratmeter großes Areal, soll innerhalb nur weniger Jahre von einem Industriegebiet mit Reparaturwerkstätten, Remisen und Lagerbauten zu einem Stadtteil mit einer modernen, urbanen Architektur und einem großzügig gestalteten öffentlichen Raum werden. Bis zur Entscheidung zur Umnutzung der Flächen im Jahr 2006 wurde das Areal durch die Schweizerischen Bundesbahnen sowie die Schweizerische Post genutzt und war für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. Nun soll sich das Gebiet, nach dem Masterplan von Kees Christiaanse (KCAP Architekt and Planers), durch verschiedene Architekturen auszeichnen.

Hochschule und Geschäftshaus in Zürich von Max Dudler, Foto: Stefan Müller

Luftbild Europaallee, Baustelle im Sommer 2012

Das Hauptentwurfsziel war die Einbindung des neu entstehenden Viertels in die bestehende Stadt. Die Höhe der durchlaufenden Vollgeschosse reagiert auf die Traufhöhen der angrenzenden Quartiere. Der elegante Gebäuderiegel der Sihlpost aus dem Jahr 1929 befindet sich am Eingang des Baufeldes A und gibt den Rhythmus der plastischen Vor- und Rücksprünge der Gebäudefigur vor.

Die langen, riegelartigen Gebäude A10 (Sihlpost), A21, A22 und A30 umgreifen windmühlenartig ein Zentrum, das aus dem kubischen Hauptgebäude der Hochschule A23 und einem Campus-Platz gebildet wird. Gassenartige Durchwegungen, die aufgrund des erhöhten Niveaus dieses Campus' mit breiten Freitreppen ausgeführt sind, verbinden das Gebäudeensemble mit der angrenzenden Stadt. 

Hochschule und Geschäftshaus in Zürich von Max Dudler

Lageplan, Grafik: Max Dudler

Hochschule und Geschäftshaus in Zürich von Max Dudler, Foto: Stefan Müller

Blick in eine der Gassen

Hochschule und Geschäftshaus in Zürich von Max Dudler, Foto: Stefan Müller

Freitreppe

Hochschule und Geschäftshaus in Zürich von Max Dudler, Foto: Stefan Müller

Blick in eine der Gassen

Hochschule und Geschäftshaus in Zürich von Max Dudler, Foto: Stefan Müller

Der Glaskubus ist das Hauptgebäude der Hochschule

Die Pädagogische Hochschule, die bis zum Neubau auf 19 Standorte und fast 30 Gebäude über die ganze Stadt verteilt war, wird nun in den Gebäuden an einem Ort untergebracht. Der mittig angeordnete Glaskubus ist das Hauptgebäude der Hochschule. Hier befindet sich die zentrale Information für Studierende. Als Anlaufstelle der Studenten sind im Kubus auch eine Internetstation sowie Informationstableaus vorgehalten. Von hier aus werden auch die Mensa und die jeweils seitlich liegenden Cafeterien erschlossen. Die an der Fassade angebrachte große Freitreppe führt die Studenten vom Foyer bis in die oberen Geschosse, wo Informationszentrum und Hörsäle untergebracht sind.

Der Gebäudekomplex der Hochschule steht auf Bestandsbauteilen der »Neuen Sihlpost«, die 1990 als Stahlbetonkonstruktion erstellt wurde. Die Bodenplatte und Teile der Untergeschosse wurden erhalten und für die Lastableitung des neuen Tragwerks genutzt. Die neue Tragkonstruktion ist in Stahlbeton ausgeführt, bei einer Spannweite der Regeldeckenfelder von 10,5 Metern. 

Querschnitt Pädagogische Hochschule, Grafik: Max Dudler Architekten

Auf den höher gelegenen zentralen Campus der Hochschule gelangt man über großzügige Treppen. Der Platzraum verbindet das gläserne Hauptgebäude mit dem südlichen Bau für Seminarräume und Kinderkrippe und dem westlichen Gebäude, in dem Werk-, Musikräume sowie in den obersten Stockwerken zwei Sporthallen untergebracht sind. Die nördliche Seite der Piazza nimmt ein Geschäftshaus ein. Unter Hörsälen, Hochschulmensa und -bibliothek ist eine Shoppingmall untergebracht, die ebenerdig einen Durchgang zum Bahnhof bietet.

Grundriss Shoppingmall-Ebene

Grundriss Platzebene

Grundriss Ebene 5
Grafik: Max Dudler

Grundriss Ebene 8

Lernmedienshop

Cafeteria

Großer Hörsaal

Informationszentrum/Bibliothek

Die Dreifach-Sporthalle befindet sich im 6. Geschoss des Gebäudes A21. Sie kann in drei Einzelfelder unterteilt werden.

Hochschule und Geschäftshaus in Zürich von Max Dudler, Foto: Stefan Müller

Terrasse Seminargebäude

Hauptfassade Pädagogische Hochschule

Die Fassaden des Gebäudeensembles orientieren sich an der Schlichtheit eines Mauerwerksverbandes und zeichnen sich durch ein starkes Relief aus, das in Analogie zur Wirkung eines Bossenwerks der Renaissancearchitektur entwickelt wurde. Die Fensterkonstruktion ist bündig in eine hinterlüftete Natursteinfassade aus Muschelkalk (Trosselfels) eingebaut. Tiefe Schattenfugen trennen die großformatigen Fassadenelemente aus Glas und Kalkstein. Durch partielle Vor- und Rücksprünge wirkt die Fassade plastisch gestaltet und gleichzeitig ruhig und einheitlich.

Fassadendetail Seminargebäude

Fassadendetail Geschäftshaus

Kommunikationsraum, Treffpunkt und Aufenthaltsort: Eine wichtige Rolle spielt der mittig angeordnete Platz, der als zentraler Verteiler für den Campus dient. Der dunkelgraue Basalt des Platzbelags zieht sich bis in die Foyers und die Mensa und vermittelt zwischen Innen und Außen. Wie die Fassaden ist auch der Platzbelag als Relief ausgebildet, aus dem die Platzmöblierungen herauswachsen.

Campus

Campus

Begleitpublikation
Max Dudler - Die neue Dichte - Der neue Stadtteil Europaallee und die Pädagogische Hochschule Zürich; Gebundene Ausgabe, im Jovis Verlag erschienen; Herausgeber: Alexander Bonte, J. Christoph Bürzel; 29,80 Euro

Hochschule und Geschäftshaus in Zürich von Max Dudler, Foto: Stefan Müller

Bauherr: SBB Schweizerische Bundesbahnen und Baudirektion Kanton Zürich

Planungs- und Bauzeit: 2009–2012

Fassadenplaner: GKP Fassadentechnik AG, Aadorf
Tragwerksplaner: Leonhardt, Andrä und Partner, Beratende Ingenieure, Berlin

Bauvolumen Hochschule:
BGF: 54.300 m², BRI: 216.400 m³

Bauvolumen Neubau Geschäftshaus: BGF: 15.300 m², BRI: 68.000 m³

Weitere Informationen
www.maxdudler.com
www.europaallee.ch

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