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Architektur | Research

Von „Aufbau-Haus“ bis „Essbare Stadt“: Preisträger im „Land der Ideen“

Was haben die neue Synagoge in Ulm und eine „Mängelmelder“-App, das „Aufbau-Haus“ in Berlin und eine elektronische Hochwasserkarte gemeinsam? Sie gehören zu insgesamt einhundert Projekten, die im Rahmen des Wettbewerbs Deutschland – Land der Ideen aus über 1.000 Einreichungen ausgezeichnet wurden. Viele technische Innovationen und digitale Anwendungen, soziale Projekte und ökologische Programme sind dabei, aber auch städtebauliche Konzepte und Gebäude. Zu den Projekten mit Architekturbezug gehören folgende - viele davon haben wir bereits auf detail.de vorgestellt:

Neue Synagoge in Ulm von ksg, Foto: Christian Richters

Foto: ksg

Neue Synagoge in Ulm

Gegenüber dem Ulmer Münster hat seit 2012 die neue Synagoge am Weinhof ihre Pforten geöffnet: ein 17 Meter hoher Kubus, dessen glatte Kalksteinfassade von Flächen aus Davidsternen perforiert ist. Mitten im Herzen der Stadt gelegen, setzt der Entwurf des Kölner Architektenteams Kister, Scheithauer und Gross ein Zeichen für die Integration der jüdischen Gemeinde in den Alltag der Ulmer Bürger. Während die 1938 von den Nationalsozialisten zerstörte Synagoge am Rand des Platzes lag, steht das neue jüdische Gotteshaus nun städtebaulich im Zentrum.

Foto: Woodcube

Woodcube in Hamburg

In Hamburg entstand ein schadstofffreies Mehrfamilienhaus, das sich komplett recyceln lässt. Der Anspruch des interdisziplinären Teams aus  Architekten (architekturagentur, Stuttgart) und Ingenieuren war hoch. Ziel war es, das klimaneutralste und gesündeste Haus der Welt zu bauen. Der Woodcube Hamburg, ein fünfgeschossiges Mehrfamilienhaus, besteht deshalb fast ganz aus Holz: unverleimt, naturbelassen und aus nachhaltiger Forstwirtschaft. Auf Chemie und Kunststoffe wurde verzichtet, damit ist das Haus schadstofffrei, recyclingfähig – und dennoch schimmelresistent. Der Energieaufwand für den Bau eines konventionellen Gebäudes entspricht dem von 70 Woodcubes.

Foto: blauraum architekten/M.Schlüter

Aufstockung von Altbauten mit Holzkonstruktion in Hamburg

Mit dem Holzbauprojekt von blauraum architekten (Hamburg) gelang die Sanierung und Aufstockung eines Wohnquartiers in Hamburg schnell, leise und günstig. Das Ergebnis: doppelt so viel Wohnfläche bei halb so viel CO2-Ausstoß pro Jahr. Die Siedlung aus den 50er-Jahren sollte zudem auch nach dem Umbau als solche zu erkennen sein. blauraum architekten stockten die Gebäude daher mit vorgefertigten Holzbauelementen auf, die in kurzer Zeit und mit geringem Baulärm angebracht wurden.

Foto: Aufbau Media

Aufbau-Haus am Moritzplatz in Berlin

Das kluge Geschäftsmodell des Aufbau-Hauses (oder auch Modulor-Haus) hat aus dem ehemals reinen Verkehrskreisel am Kreuzberger Moritzplatz einen lebendigen Ort gemacht, an dem Kreative und Kulturinteressierte viele Einkaufsmöglichkeiten und Treffpunkte finden. In dem umgebauten Bechsteinhaus sind heute Verlage in den Obergeschossen, ein Kindergarten, Theater und Club sowie das Modellbaukaufhaus „Planet Modulor“ und verschiedene Unternehmen aus Handel, Handwerk und Gastronomie untergebracht. Das Beispiel zeigt, wie privat finanzierte Kreativwirtschaft zum Erfolgsmodell werden kann.

Foto: Michael Dahms u. Arnim Koch

Umgebauter Wasserturm in Essen

Das Ruhrgebiet ist geprägt von seiner Industriearchitektur. Doch viele Wahrzeichen der Industriezeit haben ihren Nutzen verloren - so wie ein Wasserturm in Bredeney, einem beliebten Stadtteil im Süden von Essen. 2002 wandelte das Architekturbüro Madako aus Oberhausen den Wasserturm in einen Wohnturm um: Auf neun Ebenen sind individuelle Wohnungen und Büroräume entstanden. So konnte neuer innerstädtischer Wohnraum geschaffen und die industrielle Identität der Region gewahrt werden.

Foto: H. Landes/Schleiff Denkmalentwicklung

Umbau in Mönchengladbach: Drei Zimmer, Kirche, Bad

Als 2007 zwei Gemeinden in Mönchengladbach-Pesch zusammengelegt wurden, stand die Kirche Herz-Jesu zunächst leer. Die Schleiff Denkmalentwicklung baute im Inneren der Kirche 23 barrierefreie Wohnungen, die vom Land gefördert wurden. Niedrige Mietpreise trotz des innerstädtischen Standorts waren sowohl für Studenten als auch Rentner der Grund, in die Kirche zu ziehen. Nach außen blieb der denkmalgeschützte Bau erhalten.

Foto: C. Ewerth/Otto Wulff Bauunternehmung

Algenfassade in Hamburg

Auf der IBA in Hamburg-Wilhelmsburg können Besucher erfahren, wie das Wohnen von morgen aussieht. 2013 wurde dort das erste Haus mit einer Bioreaktorfassade in Betrieb genommen: An zwei Seiten des Gebäudes befinden sich Glaswände, die in ihrem Inneren Mikroalgen optimale Lebensbedingungen bieten. Sonnenlicht und Kohlendioxid verwandeln diese Algen in Biomasse und Wärme.  So wird die „lebende Fassade“ zur Heizquelle für das ganze Haus. Das Bio-Intelligenzquotient getaufte Algenhaus (BIQ) zeigt, wie nachhaltiger Wohnungsbau in der Stadt der Zukunft funktionieren kann.

Foto: Jan Zappner

Auditive Architektur in Berlin

Ein Forschungsprojekt der Architekturfakultät der Universität der Künste in Berlin will die Klangumwelt in Städten verbessern: Wie geräuschvoll darf eine Stadt sein? Welche Klänge wollen ihre Bewohner hören? Fragen wie diese untersuchen die Beteiligten des Projekts „Auditive Architektur“ mit dem Ziel, Städte künftig nicht nur visuell, sondern auch auditiv zu gestalten, um so die Lebensqualität zu verbessern. Ein Beispiel ist die Integration von Elektrofahrzeugen, durch die sich urbane Klangumwelten zukünftig erheblich verändern werden.

Foto: Daniel Schnier

ZwischenZeitZentrale in Bremen

Die ZwischenZeitZentrale ZZZ verwandelt leere Häuser und Brachen in Kulturräume auf Zeit: Seit 2010 werden leerstehende Gebäude und Brachen in Bremen von der ZZZ vorübergehend mit kulturellem Leben gefüllt. Die Projekte – 2013 sind es bereits 30 – reichen von Ausstellungen in früheren Läden bis hin zum Kurzzeithotel für Festivalbesucher in einer ehemaligen Polizeiwache. Die ZwischenZeitZentrale versteht sich dabei als Vermittlerin zwischen den Beteiligten: Sie spürt Objekte und Nutzer auf, berät Eigentümer, vernetzt Menschen, stößt Ideen an und belebt auf diese Weise Stadtviertel.

Foto: Torsten Seidel/Cityförster

Cityförster: Die Stadt als Ökosystem

Elf Partner, sechs Standorte, ein Netzwerk – das sind beziehungsweise ist Cityförster, ein Team aus Architekten, Stadtplanern und Gestaltern. Ihr Credo: Wie der Wald lebt auch die Stadt durch die Vielfalt ihrer Akteure und Orte. Stadtentwicklung muss deshalb das Ganze im Blick haben. Bei der Gestaltung öffentlicher Räume und urbaner Wohnformen suchen Cityförster den interdisziplinären Austausch. Die Entwürfe spiegeln dies wider: Gemäß des Prinzips „More-with-less“ – mehr mit weniger Aufwand erreichen – beachten sie soziale, kulturelle und ästhetischer Aspekte und setzen auf eine energie-und ressourcensparende Bauweise.

Alle Preisträger des Wettbewerbs "Deutschland - Land der Ideen":
www.land-der-ideen.de

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