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Termine

Architektur | Termine | Heft 3/2009

DETAIL-Ehrenpreis für Sverre Fehn

01.03.2009 2009-03-01 23:00:00

Den Ehrenpreis zum Detail Preis 2009 für sein Lebenswerk erhielt im Januar der norwegische Architekt Sverre Fehn. Wie in Detail ­1/2 2009 angekündigt, folgt hier ein Auszug aus der Laudatio von Christian Marquart.

Der 84-jährige Norweger Sverre Fehn war einer der profiliertesten skandinavischen Architekten der Gegenwart. Bis ins hohe Alter war er beruflich aktiv. Erst im Frühjahr 2008 wurde Fehns letztes Werk fertiggestellt, das norwegische Architekturmuseum in Oslo. Beheimatet in einem historischen Gebäudekomplex, der sorgfältig restauriert wurde, ergänzten Fehn und seine Mitarbeiter die klassizistischen Altbauten mit einem charmanten gläsernen Pavillon.

Man hat seine Architektur vielfach »poetisch« genannt; und wie es nicht genügt, ein Gesicht stumm zu lesen, so muss man Fehns Bauten erleben, um das Gefühl ­spontaner Vertrautheit und großer Selbst­verständlichkeit nachvollziehen zu können. Die meisten von ihnen stehen verstreut in Norwegen. Sverre Fehn hat viel geplant, aber die Zahl der realisierten Projekte ist überschaubar: Berühmt wurden seine kompakten Villen und seine Ausstellungs- bzw. Museumsbauten.

Sverre Fehns Architektur überzeugt durch die Präzision, mit der alles zur gestalteten Form, zu einem Ganzen findet: Konstruktion wird Architektur, die spezielle Dramaturgie des nordischen Lichts inszeniert den gebauten Raum, Natur und Architektur schließlich ergänzen sich wechselseitig zu einem beeindruckenden Bild. An Fehns ?uvre lässt sich ablesen, dass und wie der Begriff des Details als relationale Größe zu verstehen ist: Vor dem Hintergrund einer grandiosen Bergkulisse, die gekrönt ist von den Eismassen des Jostedalgletschers, wirkt beispielsweise das hellgraue, lang hingestreck­te Gletschermuseum Fjærland (1989-91) wie ein Detail der Landschaft; aus geringe­rer Distanz wiederum erscheinen die Konturen und Mauern des Museums als Klippen oder schräg aufragende Eisschollen, die von mächtigen Kräften zusammengeschoben wurden.

Große Anerkennung, auch jenseits der Fachwelt, fand Sverre Fehns vielleicht spektakulärster Bau, der Ausstellungspavillon der Nordischen Länder in den Gärten der Biennale von Venedig. Entworfen wurde er Ende der 50er-Jahre, vollendet 1962. Bei diesem Projekt plante Fehn eine Dachkonstruktion aus Betonelementen, die dem Holzbau entlehnt scheint. Zwei Lagen hochkant aufeinander gestellte Betonträger sind nur 6 cm stark; ihre jeweils parallele Schichtung ist gegeneinander um 90 Grad versetzt. Venedigs intensive Sonne wird in diesem Gitter mehrfach reflektiert und kommt im stützenfreien Ausstellungsraum als »nordisch« diffuses Licht an. In die Architektur integriert wurde der vorhandene Baumbestand am Standort; die Stämme ragen durch das Dach, sind nun Teil des Ausstellungsraums und verleihen dem Pavillon im Ensemble der Nachbarbauten schon allein deshalb eine einzigartige Note.

Erst in den 90er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts hat Sverre Fehn bedeutende internationale Auszeichnungen erhalten. Wie seinem Studienfreund und Kollegen, dem dänischen Architekten Jørn Utzon – seinerseits berühmt geworden mit dem Opernhaus im australischen Sydney –, gelang es auch Fehn nur selten, große Aufträge zu erhalten. Es liegt nahe, dass kommerzielle Bauherren sich nur ungern auf Fehns Praxis des Entwerfens bis in das letzte Detail einlassen wollten. Denn diese Methode – besser wohl: Haltung – kostet Zeit, und Zeit ist in der Bauwirtschaft längst knapper als alles andere.

Vier Jahre (1959-63) nahmen Entwurf, Planung und Ausführung der kleinen, aber in der Raumwirkung durchaus großzügig wirkenden Villa Schreiner am Stadtrand von Oslo in Anspruch. Sie war das erste Wohnhaus, das Sverre Fehn baute und wurde gleichzeitig zur Inkunabel jener Architekturhaltung, die Fehns Arbeit über fast sechs Jahrzehnte hinweg prägte: größte Sorgfalt im Umgang mit Material und Konstruktion, immer begleitet von einer skrupulösen Gestaltung in allen Einzelheiten. Dabei zielt der Diskurs der Gegenwart weniger auf die ­ästhetischen, vielmehr auf die funktionalen Aspekte des Designs von Architekturdetails; sie sollen vor allem »intelligent« sein, d.h. wesentliche Funktionen übernehmen und gleichzeitig das architektonische Gesamtbild bereichern.

Die Konstruktion des Hauses Schreiner ist eine Kombination aus Mauerwerk und laminiertem Holz. Die Wohnräume sind durch Schiebewände flexibel unterteilbar und »umhüllen« den Funktionskern aus Backstein mit Küche und Sanitärbereichen. Oberlichter streuen zusätzliches Tageslicht in fast alle Bereiche des Hauses, das in seiner gerasterten Präzision und seinen Details vergleichbar ist mit traditionellen japani-schen Wohnhäusern.
Das Hedmark-Museum in Hamar (1968–73 und 2001–05), gebaut mit und auf den Überresten einer mittelalterlichen Bischofsburg, ist sicherlich Sverre Fehns komplexester Museumsbau; hier, an den unverstellten Schnittstellen von alter und neuer Architektur, lässt sich auch besonders gut nachvollziehen, was den »poetischen« Ansatz von Fehns Entwurfspraxis ausmacht – die Verschränkung zeitlicher Horizonte und der kontrastierenden Sphären von Natur und (Bau-)Kultur. Sichtbeton, Holz, Glas und altes Mauerwerk sind gemeinsam mit den Exponaten und dem Tageslichteinfall sorgfältig orchestriert – der Rundgang durch die Ausstellung und über die Mauerreste der Burganlage ist gleichzeitig auch eine »promenade architecturale«.

Fehns Haltung gegenüber dem Thema architektonischer Detaillierung war übrigens durchaus ambivalent. In einem Aufsatz kritisierte er die skandinavische Architektur nach Gunnar Asplund: Sie verliere sich in Details, ohne dabei charakteristische Räume zu schaffen. Verblüffend auch sein Statement, er, der ja viele seiner Bauten in Holz ausführte, habe immer auch versucht, sich von diesem Baustoff frei zu machen. Aber von Fehns amerikanischem Kollegen Robert Venturi wissen wir ja, dass Widersprüche die letztlich erwünschte Komplexität von Architektur ausmachen!

Nordischer Pavillon, Biennale Venedig; Foto: Claudia Fuchs

Architekturmuseum Oslo; Foto: Claudia Fuchs

Architekturmuseum Oslo; Foto: Claudia Fuchs

Architekturmuseum Oslo; Foto: Claudia Fuchs

Architekturmuseum Oslo; Foto: Claudia Fuchs

Von Christian Marquart
01.03.2009
Ausstellungspavillon , DETAIL Preis , Museum , Planung

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