DETAIL-Ehrenpreisträger Sverre Fehn gestorben
24.02.2009 2009-02-24 23:00:00
Am gestrigen Dienstag, den 24. Februar 2009, starb der Pritzker-Preisträger Sverre Fehn im Alter von 84 Jahren. Erst im Januar vergab DETAIL den DETAIL-Ehrenpreis an den einflussreichsten norwegischen Architekten.
Der 84jährige Norweger Sverre Fehn war einer der profiliertesten skandinavischen Architekten der Gegenwart. Bis ins hohe Alter war er war beruflich aktiv. Erst im Frühjahr 2008 wurde Fehns letztes Werk fertig gestellt, das norwegische Architekturmuseum in Oslo. Beheimatet in einem historischen Gebäudekomplex, der sorgfältig restauriert wurde, ergänzten Fehn und seine Mitarbeiter die klassizistischen Altbauten mit einem charmanten gläsernen Pavillon.
Anfang des Jahres erhielt Sverre Fehn für sein Lebenswerk den Ehrenpreis von DETAIL. Der wurde 2009 zum ersten Mal vergeben – an einen Meister komplexer Einfachheit in der Konstruktion der Tragwerke, raffinierter Raumkonzepte und virtuos kombinierter Materialien. Man hat seine Architektur vielfach „poetisch“ genannt; und wie es nicht genügt, ein Gesicht stumm zu lesen, so muss man Fehns Bauten erleben, um das Gefühl spontaner Vertrautheit und großer Selbstverständlichkeit nachvollziehen zu können. Die meisten von ihnen stehen verstreut in Norwegen. Sverre Fehn hat viel geplant, aber die Zahl der realisierten Projekte ist überschaubar: berühmt wurden seine kompakten Villen und seine Ausstellungs- bzw. Museumsbauten.
Sverre Fehns Architektur überzeugt durch die Präzision, mit der alles zur gestalteten Form, zu einem Ganzen findet: Konstruktion wird Architektur, die spezielle Dramaturgie des „nordischen“ Lichts inszeniert den gebauten Raum, Natur und Architektur schließlich ergänzen sich wechselseitig zu einem beeindruckenden Bild. An Fehns Oeuvre lässt sich ablesen, dass und wie der Begriff des Details als relationale Größe zu verstehen ist: Vor dem Hintergrund einer grandiosen Bergkulisse, die gekrönt ist von den Eismassen des Jostedalgletschers, wirkt beispielsweise das hellgraue, lang hingestreckte Gletschermuseum Fjaerland (1989 – 91) wie ein Detail der Landschaft; aus geringerer Distanz wiederum erscheinen die Konturen und Mauern des Museums als Klippen oder schräg aufragende Eisschollen, die von mächtigen Kräften zusammengeschoben wurden.
Große Anerkennung, auch jenseits der Fachwelt, fand Sverre Fehns vielleicht spektakulärster Bau, der Ausstellungspavillon der Nordischen Länder in den Gärten der Biennale von Venedig. Entworfen wurde er Ende der 50er Jahre, vollendet 1962. Bei diesem Projekt plante Fehn eine Dachkonstruktion aus Betonelementen, die dem Holzbau entlehnt scheint. Zwei Lagen hochkant aufeinander gestellter Betonträger sind nur 6 Zentimeter stark; ihre jeweils parallele Schichtung ist gegeneinander um 90 Grad versetzt. Venedigs intensive Sonne wird in diesem Gitter mehrfach reflektiert und kommt im stützenfreien Ausstellungsraum als „nordisch“ diffuses Licht an. In die Architektur integriert wurde der vorhandene Baumbestand am Standort; die Stämme ragen durch das Dach, sind nun Teil des Ausstellungsraums und verleihen dem Pavillon im Ensemble der Nachbarbauten schon allein deshalb eine ganz einzigartige Note.
Fehns Haltung gegenüber dem Thema architektonischer Detaillierung war übrigens durchaus ambivalent. In einem Aufsatz kritisierte er die skandinavische Architektur nach Gunnar Asplund: sie verliere sich in Details, ohne dabei charakteristische Räume zu schaffen. Verblüffend auch sein Statement, er, der ja viele seiner Bauten in Holz ausführte, habe immer auch versucht, sich von diesem Baustoff frei zu machen. Aber von Fehns amerikanischen Kollegen Robert Venturi wissen wir ja, dass Widersprüche die letztlich erwünschte Komplexität von Architektur ausmachen!
Mehr zu Sverre Fehn lesen Sie in der DETAIL 3/2009.
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