Seite drucken
-

Themen

Architektur | Themen

Fertighaus als Stadthaus: Smart Price House in Hamburg

Das IBA-Projekt „Smart Price House Case Study #1“ ist eine Neuinterpretation des Fertighauses als Stadthaus. Das Konzept basiert auf der Weiterentwicklung von Lösungen für individuelle Einfamilien-Fertighäuser. Die vorfabrizierten und aufeinander abgestimmten Bauteile werden in einem völlig neuen Kontext – im Geschosswohnungsbau – eingesetzt. Als Vorteile nennen Planer und ausführendes Unternehmen: Ressourcen schonende Bauweise, kurze Bauzeit, hohe Qualität, Energieeffizienz und Kostensicherheit.

Architekten: Fusi & Ammann Architekten
Standort: Am Inselpark 15, D-21109 Hamburg

Smart Price House Case Study #1, Hamburg

Foto: Martin Kunze / Schwörer KG

Smart Price House Case Study #1, Hamburg

Foto: IBA Hamburg GmbH / bloomimages

Smart Price House Case Study #1, Hamburg

Foto: IBA Hamburg GmbH / Bernadette Grimmenstein

Smart Price House Case Study #1, Hamburg

Baukastensystem, Grafik: Schwörer KG

Case Study #1 eignet sich wegen seines flexiblen Baukastensystems für den Einsatz in unterschiedlichen innerstädtischen Kontexten. Es füllt Baulücken, kann Teil einer Reihenhaus- oder Blockrandbebauung sein oder es steht frei als Mehrfamilienhaus.

Das Musterhaus für die IBA in Hamburg- Wilhelmsburg hat Pilotcharakter. Die Aussteller versuchen, ein möglichst breites Spektrum an gestalterischen, räumlichen, technischen und kompositiven Lösungen zu zeigen, die auch in völlig unterschiedlichen Kontexten und unter völlig unterschiedlichen Bedingungen realisiert werden könnten.

Smart Price House Case Study #1, Hamburg

Wohntypen, Grafik: Schwörer KG

Konstruktion
Das Grundprinzip der Case Study #1 basiert auf 45 m² großen quadratischen Wohnmodulen, die aus industriell vorgefertigten und vorinstallierten Elementen wie Spannbetondecken und Fertigteilwänden bestehen. Sie konzentrieren sich jeweils um einen Installations-Schacht, der als Anker für die Nassräume wirkt. Die Module sind klar strukturiert, minimal gestaltet und extrem flexibel.

Durch horizontale und vertikale Kombination entstehen unterschiedliche Grundrisse, die eine individuelle Aufteilung ermöglichen. Sie können geschossübergreifend sein und durch nachträglich setzbare Trennwände an veränderte Bedürfnisse angepasst werden.

Smart Price House Case Study #1, Hamburg

Smart Price House Case Study #1, Hamburg

Grundrisse: Schwörer KG

Die Loft-Größen können je nach Bedarf variieren, denn das Haus ist so flexibel konzipiert, dass – unter dem Vorbehalt der Verfügbarkeit – Lofts in jeder beliebigen Modulvariante zusammengelegt oder geteilt werden können.

Indem die Module rund um ein vorfabriziertes Betonfertigteil-Treppenhaus angelegt werden, generieren sie ein Stadthaus in unzähligen Varianten. Es besteht die Möglichkeit, das Treppenhaus mit einem Aufzug auszustatten, sodass eine größere Anzahl von Wohnungen alten- und behindertengerecht gebaut werden können.

Smart Price House Case Study #1, Hamburg

Treppenhaus, Foto: Martin Kunze / Schwörer KG

Smart Price House Case Study #1, Hamburg

Treppenhaus, Foto: Martin Kunze / Schwörer KG

Konstruktive Vorteile
Durch die vorgespannten Betondecken sind große Spannweiten überbrückbar. Eine flexible Innenraumgestaltung ist dadurch auch später jederzeit möglich. Man ist nicht mehr an Innentragwände gebunden, die Konstruktion bleibt dennoch schlank. Dank der werkseitigen Bewehrungsführung ist eine problemlose und zügige Montage möglich, da eine Montageunterstützung nicht erforderlich ist. Durch die konsequente Trennung von Tragstruktur und wärmedämmender Hülle sind unterschiedlichste Fassadensysteme in variabler Dämmstärke möglich.

Flexibles Wohnraum-Konzept
Sechs Loft-Wohnungen bieten vielfältige Nutzungsmöglichkeiten und Wohnflächen von 45 m² bis 140 m². Dank seiner offenen Struktur kann sich dieser Wohnraumtyp an unterschiedlichste Lebensentwürfe anpassen und ständig anders gestaltet werden. Zudem ist er für eine Durchmischung von Wohnen und Arbeiten geeignet: Möbel und Schiebeelemente ermöglichen verschiedenartige räumliche Trennungen und eine wechselnde Raumgestaltung. Aufgrund des modularen Aufbaus ist eine industrielle Serienproduktion mit hohem Vorfertigungsgrad möglich. Wohnraum soll dadurch bezahlbar sein und die Kosten sicher zu kalkulieren.

Smart Price House Case Study #1, Hamburg

Foto: Martin Kunze / Schwörer KG

Energie-Konzept
Case Study #1 hat einen Anschluss an die Fernwärme des Energieverbundes Wilhelmsburg Mitte, einem Zusammenschluss verschiedener Gebäude zu einem „virtuellen“ Kraftwerk. Das Fernwärmesystem ist gekoppelt mit einer Deckenstrahlheizung in Form einer bereits werkseitig in die Deckenelemente eingebauten Betonkernaktivierung. Hierdurch wird die Bauwerksmasse als Aktivspeicher genutzt.

Im Umkehrfall – zum kühlen – wird das System mit Kaltwasser durchströmt. Ungewollte Raumtemperaturanstiege durch Nutzung oder solare Wärmeeinträge können so abgeschwächt werden. Dieser geglättete Temperaturverlauf sorgt für eine konstante angenehme Raumtemperatur.

Zusätzlich kommt in jeder Wohnung eine kontrollierte Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung zum Einsatz, die für einen kontinuierlichen Luftaustausch und somit für ein angenehmes Raumklima sorgt. Die Ausführung entspricht höchsten energetischen Anforderungen und erfüllt den Standard eines KfW-Effizienzhaus 55 (nach EnEV 2009).

Smart Price House Case Study #1, Hamburg

Foto: IBA Hamburg GmbH / Johannes Arlt

Bauzeitverkürzung und Qualität durch Vorfertigung
Aufgrund der industriellen Serienproduktion kann die örtliche Realisierungsphase deutlich verkürzt werden. Durch die witterungsunabhängige Vorfertigung im Werk entfallen z. B. Ausführungsfristen, Trocknungs- und Gerüststandzeiten. Dank neuester Technologien und computergesteuerter Kontrollsysteme wird ein hoher Qualitätsstandard gewährleistet. Unerwartete Mehrkosten durch Materialpreissteigerungen und örtliche Unwägbarkeiten können hierdurch weitestgehend ausgeschlossen werden.

Smart Price House Case Study #1, Hamburg

Foto: Martin Kunze / Schwörer KG

Smart Price House Case Study #1, Hamburg

Foto: Martin Kunze / Schwörer KG

Smart Price House Case Study #1, Hamburg

Foto: Martin Kunze / Schwörer KG

Smart Price House Case Study #1, Hamburg

Foto: Martin Kunze / Schwörer KG

Ökologische Vorteile
Aufgrund der hohen Vorfertigung im Werk reduziert sich der umweltschädigende Baustellenverkehr deutlich. Holzabschalungen, Schalöle und Baustahl werden auf der Baustelle nur noch in geringem Maße benötigt, somit reduziert sich der kontaminierte Abfall auf ein Minimum. Durch die zweischalige Bauweise ist eine starke Dämmschicht gegeben, die mit ökologischen Materialien ausgeführt werden kann.


Beispiele für die Gestaltung des Innenraums in der Fotogalerie

IBA Hamburg
Die Internationale Bauausstellung IBA sucht Antworten auf die dringendsten Fragen der modernen Stadt. Wie wohnen, arbeiten und lernen wir morgen? Wie versorgen wir uns mit Energie? Wie gehen wir mit den Herausforderungen des Klimawandels und der inhomogenen Stadtgesellschaft um? Wie und wo können Städte nachhaltig wachsen? Im Jahr 2013 präsentiert die IBA über 60 Projekte zur Zukunft der Stadt in Hamburg.

Stefanie Ammann-Fusi, Paolo Fusi

Stefanie Ammann-Fusi, Paolo Fusi, Foto: Martin Kunze / Schwörer KG

Anzeige

Verwandte Artikel
Architektur

Eine Straße erfindet sich neu: Wohnhaus in Amsterdam

Das Amsterdamer Architekturbüro M3H trägt mit einem skulpturalen Wohnhaus zur Vielfältigkeit des Bellamy Viertels bei.

mehr
Architektur

Pragmatisches Design: Abenteuerturm von Ateliereen Architecten

S. 286

Qualitätvolles Material und eine präzise Ausführung standen im Fokus bei der Errichtung des zwanzig Meter hohen Abenteuerturms am Ufer eines ...

mehr
Architektur

Ökologische Imprägnierung für heimische Hölzer

Als ökologische Alternative zu Tropenholz bietet die Firma Kebony aus Norwegen die »Kebonierung« heimischer Hölzer an.

mehr