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Architektur | Themen

In neuem Licht: Rijksmuseum in Amsterdam

Nach zehn Jahren Erweiterung, Umbau und Sanierung feierte das Nationalmuseum der Niederlande am 13. April 2013 Wiedereröffnung. Das Museum präsentiert dann den Besuchern eine Zeitreise, die vom Mittelalter bis zu Mondrian führt, in einem runderneuerten Gebäude mit prachtvoll eingerichteten Sälen und einer spektakulären neuen Eingangshalle. Der Boden der beiden Innenhöfe wurde abgesenkt. Die dadurch entstandene Verbindung zwischen Ost- und Westflügel schafft Orientierung und Durchlässigkeit.

Architekten: Cruz y Ortiz arquitectos in Zusammenarbeit mit Jean-Michel Wilmotte und Van Hoogevest
Standort: Museumstraat 1, Nl-1071 CJ Amsterdam

Rijksmuseum in Amsterdam, Cruz y Ortiz arquitectos

Foto: Pedro Pegenaute

"Eine Renovierung soll wirken als wäre sie schon immer da gewesen. Um dies zu erreichen, verwenden wir Handwerkstechniken, die sich als zeitlos erwiesen haben"
(Cruz y Ortiz arquitectos)

Wenn das Nationalmuseum der Niederlande in wenigen Tagen seine Türen öffnet, wird es alle internationalen Bedingungen für die im Haus vorhandenen 8.000 Objekte der Kunst und Geschichte erfüllen und auch die erwarteten zwei Millionen Besucher pro Jahr bestens empfangen können. Um das zu erreichen hat eine beeindruckende Renovierung des Museums stattgefunden, die auf dem bereits 2001 ausgeschriebenen Wettbewerb basierte. Das spanische Architekturbüro Cruz y Ortiz arquitectos hat mit seinem Wettbewerbsvorschlag für das Museum "ursprüngliche Klarheit wiederherzustellen" den Bauherrn überzeugen können, bekam den Zuschlag und im Dezember 2003 konnten die Umbauarbeiten beginnen.

Nach knapp zehn Jahren kann man das Ergebnis der 375 Millionen Euro teuren Kernsanierung bestaunen. Zusammen mit dem Französischen Architekten Jean-Michel Wilmotte, für Innenausbau und Einrichtung verantwortlich, und dem Restaurator Van Hoogevest haben sie es geschafft den Bau aus dem 19. Jahrhundert in ein modernes Museum des 21. Jahrhunderts zu verwandeln. Die hohen Galerieräume aus dem späten 19. Jahrhundert wurden wieder hergestellt, das 2.250 m2 große Atrium bekam ein neues Glasdach. Hinzu kamen ein großzügiger Eingangsbereich und zwei neue Bauten auf der Südseite des Museums in den von Copijn Landschapsarchitecten gestalteten Gärten.

Rijksmuseum in Amsterdam, Cruz y Ortiz arquitectos

Foto: Iwan Baan

Lageplan, Grafik: Cruz y Ortiz arquitectos

Neben der Renovierung unter dem Motto "Verder met Cuypers" (weiter mit Cuypers) spielte die Belichtung eine bedeutende Rolle. Um in die Innenhöfe möglichst viel Tageslicht einzubringen, wurde ein neues Glasdach gebaut und charakteristische, rechteckige Strukturen aufgehängt - wie eine Art "Kronleuchter". Diese spenden Licht, sind aber auch für die Akustik in den Innenhöfen notwendig. Sie reduzieren den Hall und somit den Lärmpegel in den hohen öffentlichen Bereichen.
Um dem Besucher gleich beim Eingang einen Überblick über das Museum zu bieten, wurden die hier in den Nachkriegsjahren errichteten Bauten abgerissen. Der Boden der beiden Höfe wurde abgesenkt, so dass ein unterirdischer Gang entstehen konnte, der die beiden Innenhöfe, den Ost- und Westflügel, verbindet. Die dadurch entstandene neue Nutzfläche bietet Platz für ein Auditorium, einen großzügigen Museumshop und ein Café.

Rijksmuseum in Amsterdam, Cruz y Ortiz arquitectos

Fotos: Pedro Pegenaute

Rijksmuseum in Amsterdam, Cruz y Ortiz arquitectos

Foto: Pedro Pegenaute

Foto: Pedro Pegenaute

Ein neuer unterirdischer Gang, der die beiden Innenhöfe verbindet, Foto: Pedro Pegenaute

Schnitt, Grafik: Cruz y Ortiz arquitectos

Grundriss EG, Grafik: Cruz y Ortiz arquitectos

Grundriss 2.OG, Grafik: Cruz y Ortiz arquitectos

Bauarbeiten im Dezember 2006, Foto: Cruz y Ortiz arquitectos

Bauarbeiten im Dezember 2006, Foto: Cruz y Ortiz arquitectos

Bauarbeiten im Januar 2010, Foto: Ton Borsboom

Die Konzeption der Ausstellung der weltberühmten Sammlung ist ebenfalls neu. Zum ersten Mal können die Besucher eine chronologische Reise durch die Sammlung erleben. In einer Abfolge von 80 Galerien, erzählen 8.000 Objekte die Geschichte von 800 Jahren niederländischer Kunst und Geschichte.

Mehr als 30 Galerien sind dem Ruhm des Goldenen Zeitalters gewidmet. Im Herzen des Museums befindet sich die Ehrengalerie, die die weltberühmten Meisterwerke von Vermeer, Rembrandt, Frans Hals und Jan Steen präsentiert. Von hier werden die Besucher zu einem Raum geführt, den Cuypers speziell für Rembrandts weltberühmtes Gemälde "Die Nachtwache" entworfen hat. Es ist auch das einzige Meisterwerk, das an seine ursprüngliche Position zurückkehrt.

Rijksmuseum in Amsterdam, Cruz y Ortiz arquitectos

Die "Ehrengalerie", Foto: Iwan Baan

Rijksmuseum in Amsterdam, Cruz y Ortiz arquitectos

"Die Nachtwache" von Rembrandt van Rijn, das einzige Gemälde, das an seine ursprüngliche Position zurückkehrt, Foto: Iwan Baan

Galerie des 17. Jahrhunderts, Foto: Iwan Baan

Galerie des 17. Jahrhunderts, Foto: Iwan Baan

Bibliothek, Foto: Iwan Baan

Der Architekt Jean-Michel Wilmotte, der auch für den Louvre und das Musée d’Orsay tätig war, hat die luxuriösen Ausstellungsräume entworfen und eine spezielle Farbpalette, inspiriert von Pierre Cuypers Oryginalpalette, für die Wände zusammengestellt. Die ebenfalls von Wilmotte neu entworfenen Vitrinen aus entspiegeltem Glas sollen so wie die Sicherheitsbereiche möglichst unsichtbar sein.

Galerie des 18. Jahrhunderts, Foto: Iwan Baan

Komplett neu ist die Galerie des 20. Jahrhunderts mit Gemälden, Möbeln, Fotografien, Filmen und einem Flugzeug aus dem letzten Jahrhundert, Foto: Iwan Baan

Im Garten des Nationalmuseums haben Cruz y Ortiz einen kleinen, knapp 700 Quadratmeter großen Neubau errichtet: den Asiatischen Pavillon. Dieser beherbergt eine umfangreiche Sammlung asiatischer Kunst aus China, Japan, Indonesien, Indien, Vietnam und Thailand aus dem Jahr 2000 v. Chr. bis 2000 n. Chr.

Ab kommendem Sommer sind in den Gärten, die ebenfalls neu gestaltet wurden, wechselnde Skulpturenausstellungen vorgesehen, den Anfang macht am 21. Juni 2013 Henry Moore. Weitere internationalle Ausstellungen sollen hier im neuen Freiluftmuseum folgen.

Der neue Asia Pavillon

Innenraum des Asia Pavillons, Foto: Erik Smits

Weitere Projekte zum Thema »Sanierung« lesen Sie in unserer aktuellen Ausgabe 
DETAIL 2013/4

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