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Themen

Architektur | Themen | Heft 7+8/2008

Leidenschaft und Feuer – "Love burns" für Conmoto

1994 begann alles mit einer ersten Idee: Kaminbesteck, dass nicht den morbiden Charme vergangener Epochen versprüht, sondern reduziert, schlicht und zeitlos elegant ist. Johannes Wagner hat seine Idee umgesetzt, mit Conmoto als Einrichtungsmarke rund um das Thema Feuer. Weit mehr als nur Kaminbestecke werden heute auf Schloss Möhler, dem Firmensitz in Ostwestfalen, präsentiert. Designer wie Dieter und Michael Sieger und Peter Maly entwerfen für den Autodidakten Wagner. DETAIL traf ihn im Juni zum Interview in Münster.


DETAIL: Wofür steht conmoto, was ist Ihre Philosophie?
Johannes Wagner: Um diese Frage beantworten zu können, muss man ein wenig zurückschauen, den Status Quo betrachten und in die Zukunft blicken. Denn im Moment ist sehr viel in Bewegung. In den vergangenen Jahren konnten wir uns als Designmarke etablieren, für die Themenbereiche Feuer und Garten. Wir haben einen hohen Anspruch an Qualität, Verarbeitung und Service. Zum Status Quo: wir beginnen, uns sehr stark zu differenzieren. Design als alleiniges Unterscheidungsmerkmal ist inflationär. Wir suchen neue Wege für Conmoto, sind gerade auch in den Kunstmarkt eingestiegen. Die erste Galerie ist bereits eröffnet, Versandkataloge bereits verfügbar.
In der Zukunft werden wir versuchen das Thema Feuer für Architekten greifbarer, spannender zu machen. Bisher sind wir hier in Deutschland die einzigen, die das Thema anpacken. Es gibt gute Kamineinsätze, jeder Architekt kennt sie. Aber zum übergreifenden Thema feuer hat kein Architekt einen Bezug. Erste ganzheitliche Konzepte erarbeiten wir bereits mit Hadi Teherani. Darüber hinaus werden wir noch weitere Architekten ansprechen mit uns zu arbeiten. Das Ergebnis sollen Produkte sein, die der Architekt im Objektbereich wie im privaten Bereich einsetzen kann und die durch ihre Modularität eine große Individualität erreichen. Nur so können wir einer Vergleichbarkeit entgehen.
Conmoto ist eine Marke die sehr stark auf Emotionen aufbaut. Das liegt schon in der Geschichte der Firma begründet, setzt sich in unserem Firmensitz auf Schloss Möhler fort. Darüber hinaus wird es die Ganzheitlichkeit der Marke sein, die wir in der Zukunft stärker herausstellen – keine einzelnen Fragmente mehr. Diese Ausrichtung setzt sich auch in unseren Katalogen und im internetauftritt fort.


DETAIL: Ganzheitlichkeit – verfolgen Sie dieses Ziel nicht schon seit Jahren?
J
ohannes Wagner: Es wäre vermessen, das pauschal so zu sagen. Es sind Randbedingungen, Entwicklungen in der Branche, die einen zum Umdenken veranlassen. Aber seit ungefähr drei Jahren ist klar, dass dies unser Weg ist. In den Jahren davor haben wir unsere Produkte, unser Sortiment eher aus ästhetischen Gesichtspunkten formuliert. Doch es hat sich einiges geändert, seit 2005 – sowohl im Vertrieb als auch in der Produktentwicklung.

DETAIL: Seit wann gibt es Conmoto?
Johannes Wagner: 1994 bin ich zusammen mit einem Freund in den Kaminzubehör-Bereich eingestiegen, damals aber noch nicht unter dem Namen Conmoto. Das war noch zu meiner Schulzeit. 1996 habe ich Abitur gemacht, wechselte 1997 zum Studium nach Münster. Seit 1998 existiert die Marke Conmoto.


DETAIL: Mit wieviel Mitarbeitern haben Sie begonnen?
Johannes Wagner: Anfangs noch allein. Natürlich hatte ich darüber stets freie Mitarbeiter. Bis 1999 war es dann eine Angestellte, die den kaufmännischen Bereich betreute. Im Moment habe ich 13 Mitarbeiter, die sich um Ein- und Verkauf kümmern. Buchhaltung und die gesamte Logistik sind „outgesourct.“ Wir haben unser gesamtes Lager bei einem großen Logistikkonzern untergebracht. Wir wollen den internen Verwaltungsaufwand möglichst niedrig halten.


DETAIL: Wie zu lesen war, mit einem Startkapital von nur 5.000 Euro?
Johannes Wagner: Ja, das stimmt. So etwas war damals noch möglich. Ich hatte aber auch großes Glück. 1997/98 bin ich zu einer Boomphase eingestiegen, Kredite wurden schnell genehmigt. Ab 2000 wurde es dann deutich schwerer. Wirtschaftlich waren die folgenden Jahre nicht einfach. Wir waren kein klassisches Startup-Unternehmen – weder aus der Medienbranche noch eine Internetfirma. Viele kleine Schritte waren notwendig. Meiner Meinung nach, kann sich eine Marke nur entwickeln, im Laufe vieler Jahre. Und die Markenentwicklung lässt sich durch Kapital allein nur sehr schwer steuern.


DETAIL: Sind es oft nicht auch Zufälle, die letztlich zum Erfolg führen?
Johannes Wagner: Vor allem Durchhaltevermögen muss man haben, an die Sache glauben, Leidenschaft beweisen – zumindest wenn man sich mit Themen wie Design oder Architektur auseinandersetzt. Und dann sind es einige Schlüsselerlebnisse und sicher auch Zufälle, die einen voran treiben.


DETAIL: Wie wichtig sind Architekten und Planer für Sie?
Johannes Wagner: Diese Zielgruppe – sowohl Planer wie auch Architekten, wird für uns immer wichtiger. Wir werden stets versuchen, im Design stark zu sein. Aber das ist zukünftig nicht mehr das Alleinstellungsmerkmal. Marken-Shops sind in der Planung; Conmoto-Shops. Der erste wurde bereits im Schloss Möhler eröffnet.


DETAIL: Welche Standorte werden folgen?
Johannes Wagner: Erste Planungen gibt es für Hamburg, Köln und Münster – bedingt durch die Nähe zum Geschäftssitz. Auch in Berlin wollen wir uns nieder lassen.


DETAIL: Wie wichtig ist denn der Markenaufbau selbst?
Johannes Wagner: Die Marke ist unser absolut größtes Kapital! In der Gesamtheit betrachtet, die wichtigste Aufgabe im ganzen Unternehmen. Und es ist auch meine persönliche Kernkompetenz.


DETAIL: Kernkompetenz, beruhend worauf?
Johannes Wagner: Dadurch, dass diese Marke im wesentlichen Inhaber geführt ist, dass dies vorgelebt werden muss – das hat mit Entscheidungen zu tun, mit Prinzipien. Und es ist bei mir ganz klar mit Leidenschaft verbunden. Ich habe meinen Weg als Unternehmer bereits mit ganz jungen Jahren eingeschlagen. Ich will Conmoto weiter entwickeln, aber nicht nur strategisch sondern auch viel aus dem Bauch heraus.


DETAIL: Also fällen Sie alle wichtigen Entscheidungen selbst, weil Sie selbst für Conmoto stehen?
Johannes Wagner: In jedem Fall ist das so. Und da sind es selbst die kleinsten Entscheidungen. Wobei ich hier eine sehr gute Assistentin habe, die gut vorsortiert und genau weiß wie wir „ticken.“


DETAIL: Wann fiel die Entscheidung, den Weg in die Selbstständigkeit zu wählen?
Johannes Wagner: Sehr früh, was eindeutig mit dem Elternhaus zu tun hat. Mein Vater war ebenfalls Unternehmer. Durch die Familie haben wir gute Verbindungen in die Einrichtungsbranche. Viele Kontakte bekam ich auch darüber, so zum Beispiel zu Peter Maly. Schon als 5, 6-Jähriger bin ich mit auf die Möbelmessen gefahren, als 14-Jähriger dann beim Vater gearbeitet, in den Sommerferien. So konnte ich früh notwendige Erfahrungen im Vertrieb sammeln.


DETAIL: Aber es gibt immer verschiedene Richtungen, in die man sich entwickeln kann. Wie haben Sie ihre „Nische“ erkannt?
Johannes Wagner: Das war reiner Zufall. Ich habe registriert, dass es im Bereich der Kamine sicher den einen oder anderen Anbieter gab. Aber Kaminzubehör war nie ein Thema. Was da neben den Kaminen stand, war schrecklich, schmiedeeisern und hässlich. Dann kam irgendwann der „Geistesblitz.“ Ein Schulfreund und ich haben im ersten Jahr 1994 bereits über 2000 Kaminbestecke verkauft – da waren wir noch in der 11. Klasse. Wir haben alles selbst gebaut, nachts produziert, selbst verpackt...


DETAIL: Warum haben Sie ihr BWL-Studium abgebrochen, nach 6 Semestern?
Johannes Wagner: Abbrechen musste ich aus gesundheitlichen Gründen. Ich habe fast ein Jahr nach einer Bandscheiben-OP im Krankenhaus gelegen. Ich musste mich entscheiden: Studium oder Firma. Die Entscheidung zu Gunsten der Firma hatte ich dann sehr schnell gefällt. Ich war immer Autodidakt. Schule und Studum, das waren notwendiges Übel, wenn ich ehrlich bin. Spaß hatte ich daran nie, auch nicht an Betriebswirtschaftslehre. Dieses Studium war sicher eine Fehlentscheidung.


DETAIL: Was hätten Sie sonst studiert?
Johannes Wagner: Architektur hätte mir Spaß gemacht, aber mir fehlt das notwendige Talent für diesen Beruf. Auch meine Ambitionen als Designer sind nicht so groß. Aber ich pflege ein sehr enges Verhältnis zu guten Designern wie Peter Maly oder Dieter Sieger. Er meinte einmal zu mir, ich wäre ein „Design-Unternehmer.“ Diese Umschreibung gefällt mir am besten. Ich denke, es ist eine Kombination beider Dinge, Design vielleicht 40 %, Unternehmertum 60 %.


DETAIL: Und die anderen sind „Unternehmer-Designer“?
Johannes Wagner: Vielleicht kann man es so sagen, ja. Der gesamte Prozess der Designfindung hat sich stark verändert. Vor 10 Jahren, als wir begannen mit renommierten Designern zu arbeiten, war dies noch nicht üblich in der Branche. Heute ist esStandard. Doch dadurch ist es für junge Designer viel schwerer geworden, sich zu etablieren. Die Designstudios wiederum, die auch kommerziellen Erfolg haben, lassen sich an zwei Händen abzählen.


DETAIL: Diese Designer haben also das notwendige unternehmerische Gespür?
Johannes Wagner: Ja, definitiv. Sie haben ein ausgeprägtes kaufmännisches Grundverständnis. Sie können marktorientiert entwerfen, vermarkten Lizenzen und sind bereit den einen oder anderen Kompromiss einzugehen.


DETAIL: Weil sie gerade die Lizenzen ansprechen, auf welchen Märkten sind Sie unterwegs?
Johannes Wagner: In Europa, wo wir noch immer die stärksten Absatzmärkte haben, aber auch den USA, Australien oder Kanada sind wir vertreten.


DETAIL: Welcher Markt ist der wichtigste?
Johannes Wagner: Ganz klar: noch immer Deutschland, an zweiter Stelle die Schweiz, gefolgt von Skandinavien. Auch in Österreich sind wir gut vertreten. Und in den USA. In New York konnten wir die entscheidenden Häuser beliefern. Das war Saks in der 5th Avenue oder Bloomingdales. Dann kam der 11. September 2001, Einbrüche von 80% über Nacht. Es wurde nicht mehr konsumiert, in diesem Segment. Das war eine harte Zeit für uns.


DETAIL: Ist es schwierig in einem eigentlich gesättigten Markt zu agieren?
Johannes Wagner: Nein, das nicht. Wir haben immer Nischen besetzt, auch heute noch. Wir werden uns nie zu einer Einrichtungsmarke entwickeln, die Schrankwände oder Schlafzimmer verkauft. Wir definieren uns als die Einrichtungsmarke um das Thema „Feuer und Garten.“ Und bis jetzt gibt es außer uns niemanden, der das Thema ganzheitlich anpackt!


DETAIL: Wie ist denn der Weg, vom Entwurf bis zum fertigen Produkt?
Johannes Wagner: Ich habe eine Idee für ein neues Produkt. Dann überlege ich, welcher Designer dafür in Frage kommen könnte. Wir vereinbaren erste Termine mit dem ausgewählten Designer, in denen gemeinsam das Konzept erarbeitet wird. Grobe Vorentwürfe folgen, bis hin zum entscheidenen Entwurf, der von mir frei gegeben wird. Ab diesem Stadium übernehmen wir die Enwurfsunterlagen und gehen auf die Suche nach einem geeigneten Hersteller. Mit ihm wird die Produktentwicklung abgestimmt und anschließend das Produkt in die Fertigung übernommen. Als nächste Schritte folgen die optimierte Serienfertigung und die Klärung der logistischen Abläufe. Darüber hinaus gibt es klare Vorgaben an das Marketing, zum Beispiel was die Fotografien betrifft. Wenn die Fotos fertig gestellt sind, folgen als erstes die Presseaussendungen und dann die Markteinführung mit Katalogen, Vorstellung im Internet, Messeauftritten und Vertriebsschulungen. Dann muss sich der Erfolg oder Misserfolg des Produktes herausstellen.


DETAIL: In welchem Segment sehen Sie sich selbst, heute?
Johannes Wagner: Im Topsegement.


DETAIL: Nicht im Luxussegement?
Johannes Wagner: Nein, das würde ich nie sagen. Es gibt so verschiedene Definitionen, Highend- oder Topsegment – da würde ich uns ansiedeln. Wir haben ein gutes Preis-Leistungsverhältnis, bei einem angemessen hohen Preis. Das liegt sicher auch daran, dass wir wieder verstärkt in Deutschland produzieren und einen hohen Anteil an Sonderanfertigungen haben. Diese würden sich im Ausland gar nicht realisieren lassen. Probleme in der Kommunikation und zu lange Lieferzeiten wären nicht zu händeln.


DETAIL: Was sind die „Topseller“ ?
Johannes Wagner: Zum einen der Kamin „Balance“ von Peter Maly – das Sideboard. Dann das Riva-Gartenmöbelprogramm und das Travelmate, das erst ein halbes Jahr auf dem Markt ist und sich hervorragend verkauft. Seit Juni 2008 haben wir ein neues Produkt auf dem Markt, von dem wir uns ebenfalls sehr viel versprechen. Es heißt „Muro“ und ist ein Alkoholkamin, der aus Beton gegossen wurde. Wir sind gespannt auf die Resonanzen.


DETAIL: Abschließend ein kurzer Ausblick auf die Zukunft?
Johannes Wagner: Wir möchten gern so etwas wie ein „Ästhetikkompass“ mit Conmoto werden. Was wir anpacken, soll unter ästhetischen Gesichtspunkten mit Substanz erfüllt werden. Und die Kombination von Design, Kunst und Architektur reizt uns sehr. In diesen Bereichen möchten wir Akzente setzen und uns weiter entwickeln.


DETAIL: Und weitere, neue Ideen umsetzen?
Johannes Wagner: Nur wenn eine Sache erfolgreich war, ist es die nächste nicht automatisch ebenfalls. Ich habe viel Lehrgeld bezahlt. Auch dann, wenn Konzeptionen von erfolgreichen Produkten übernommen werden – also gleicher Designer, der selbe Hersteller, identische Vertriebswege – es gehört immer ganz, ganz viel Glück dazu. Und man muss zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein.


DETAIL: Herr Wagner, vielen Dank für das Interview.

Das Interview mit Johannes Wagner führte Tim Westphal am 6. Juni 2008 in Münster.

 

Bioethanolkamin

"Travelmate" – das "reisende Feuer" von Studio Vertijet designt, ein Bioethanolkamin und akuter Topseller im Vordergrund. Die neue Gartenliege aus dem "Riva" Programm von Schweiger & Vierebl im Hintergrund.

13.07.2008

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