Museum und Stadtteilzentrum für ein Township in Johannesburg
15.04.2011 2011-04-15 23:00:00
Peter Rich Architects, Johannesburg
Das einfach und robust konstruierte, klar aber dennoch vielschichtig gestaltete „Alexandra Heritage Centre“ zeigt, wie Architektur soziale Prozesse fördern kann, wie scheinbar unterprivilegierte Bewohner an Konzept, Entwurf und Bau eines Museums und neuen Zentrums für ihr Township teilhaben können.
Schon in den 1970er-Jahren hatte der südafrikanische Architekt Peter Rich traditionelle Siedlungen von Schwarzen untersucht und dokumentiert, als Reaktion auf die Zerstörung von Dörfern durch das Apartheidregime. In der Arbeit mit Stammesgemeinschaften fungierte er auch als Vermittler und Aktivist. Beteiligung und Förderung der Bewohner, aber auch der Respekt für den kulturellen Kontext rückten zunehmend in den Vordergrund.
Sehen Sie hier, zusätzlich zur ausführlichen Dokumentation in der Jubiläumsausgabe DETAIL 4/2011, Impressionen zum Projekt.
Die Architektur des Gebäudes thematisiert den Gegensatz zwischen der scheinbar zufälligen Ästhetik des dichten, bunten Townships und seiner zugrunde liegenden wohl überlegten räumlichen Ordnung. Dementsprechend ist die Gebäudestruktur als Stahlskelett konzipiert, das gefüllt ist mit einer Collage unterschiedlicher Materialien, inspiriert von den oft aus der Not geborenen, aber dennoch lebhaften Farben und Texturen der Umgebung. Das Zusammenspiel aus Lehmziegeln, Stahlprofilen und Polycarbonatplatten bezeichnen die Einheimischen liebevoll als „Jazz architecture“.

Foto: Thomas Madlener
Detail Fenster

Foto: Rob Rich
Beschichtete Aluminiumstreifen setzen den horizontal orientierten Polycarbonatbändern einen vertikalen Rhythmus entgegen.

Präzise in die Fassaden gesetzte Stahlwinkel definieren kleine Fenster.

Foto: Thomas Madlener
Den farbigen Glasscheiben liegen von Bewohnern gemalte, abstrahierte Bilder des Townships zugrunde.

Beim Blick durch die Fenster überlagern sich Abstraktion und Realität.

Foto: Thomas Madlener
Die öffenbaren Fenster lassen die Geräusche des Townships nach oben dringen.

Foto: Thomas Madlener
Den Ausstellungsraum prägt eine lichte Atmosphäre, mit sanftem, von der transluzenten Fassade gefiltertem Licht. Die für die Mauerwerksabschnitte verwendeten Lehmziegel wurden mit mobilen Hydraulikpressen selbst produziert, mit Erde aus einem Umkreis von 10 km.

Foto: Rob Rich
Die vielseitig verwendbaren Lehmziegel eignen sich auch als Kindermöbel (bei einer »Heritage Party« vor der Eröffnung).

Gekurvtes Mauerwerk schließt den Toilettenblock ab. Zur Belichtung sind senkrechte Acrylglasplättchen zwischen die Lehmziegel gesetzt.

Acrylglasplättchen zwischen den Lehmziegeln der Toilettenwand.

Unter Anleitung des Architekten gestalteten Anwohner Mosaikfelder aus Marmorverschnitt.

Foto: Thomas Madlener
Die von Bewohnern gestalteten Mosaike aus Marmorverschnitt verleihen den öffentlichen Platzflächen eine besondere Note.
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