Seite drucken
-

Termine

Architektur | Termine

Stadtvisionen 1910 | 2010

1910 präsentierte Berlin die »Allgemeine Städtebau-Ausstellung» - bis dahin bedeutendste internationale Ausstellung zu diesem Thema und ein Meilenstein in der Geschichte des Städtebaus. Anlässlich dieses Jubiläums zeigt die Ausstellung »Stadtvisionen 1910/2010», initiiert vom Architekturmuseum und Schinkel-Zentrum der TU Berlin, die deutsche Hauptstadt im Kontext anderer Großstädte als Kompetenzzentrum für Städtebau damals und heute.

Ort: Bauhaus-Universität Weimar, Geschwister-Scholl-Straße 8, D-99423 Weimar
Dauer: 11. Januar - 1. Februar 2013

Stadtvisionen 1910 | 2010 Ausstellung

Abbildung links: Albert Gessner (1868-1953): Wettbewerb Groß-Berlin 1908-10. Von der Südbahnhofstraße zum Müggesee; Abbildung rechts: LIN Finn Geipel Giulia Andi: „Métropole douce“. Gutachterverfahren Groß-Paris 2008

Berlin, Paris, London und Chicago – vier Städte, die damals wie heute für Aufmerksamkeit sorg(t)en –  bilden die Eckpfeiler der Ausstellung, die den Versuch unternimmt, Besonderheiten und Vergleichbares herauszuarbeiten. Vor 100 Jahren wurden die grandiosen Planungen für Chicago weltweit gefeiert, während Paris und London in das Zentrum der Debatten um die urbanistische Zukunft der Weltstädte rückten und Berlin Planungen zeigte, bei denen die wichtigsten Fragen der Zeit in einer stadtregionalen Sicht zusammengeführt wurden.

Heute hingegen stellt sich die Frage, ob diese Kultorte des Städtebaus von gestern immer noch bzw. wieder eine Rolle spielen. Können die Metropolen der »alten«  Welt in einer Zeit der rasanten Entwicklungen von Mega- bzw. Turbostädten von Shanghai bis Dubai Antworten auf die drängenden Fragen der Gegenwart geben? 

Foto: Harald Kegler / Bauhaus-Universität Weimar

Mit Blick auf die vier gewählten Modellstädte wurden für die Ausstellung insgesamt vierzehn Themenfelder ausgewählt, die das gesamte Spektrum des Städtebaus widerspiegeln:
Für 1910 sind dies

•    Kult des großen Plans
•    Monumentalisierung des Stadtzentrums
•    Urbane Alternativen zur hoch verdichteten Innenstadt
•    Neue Gartenvorstädte
•    Grünzüge
•    Grüngürtel und Volksparks
•    Mobilität in der Stadtregion

Grünzüge, Grüngürtel und Volksparks: Chicago
"Die dichte Bebauung der Großtädte sollte durch „Zier-, Nutz-, Außen- und Innenparks“ geordnet, aufgelockert und mit Licht und Luft durchflutet werden. Öffentliche Volksparks mit Schwimmbädern, Planschbecken und großen Wiesenflächen für Spiel und Sport wurden vor allem für die weniger wohlhabenden Schichten geplant."

Neue Gartenvorstädte: Berlin

Mobilität in der Stadtregion: Chicago
Notwendig geworden waren neue Verkehrsprojekte durch das außergewöhnliche Wachstum der Großstädte zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit ihrer erhöhten Bevölkerungs- und Arbeitsplatzdichte. Um 1910 führte das fast gleichzeitig in Berlin, Paris, London und Chicago zum Neu- und Ausbau von Hoch- und Untergrundbahnen. Investoren waren zum Teil private Gesellschaften, zum Teil die öffentliche Hand.

Für 2010 sind dies folgende Themenfelder

•    Kult des strategischen Plans
•    Neue Stadtmitte: Schaufenster der Stadtregion
•    Alte Arbeiterquartiere: Brennpunkte des Wandels
•    Quartiere des modernen sozialen Wohnungsbaus: Abriss oder Umbau
•    Stadtbrachen: Potenziale mit Zukunft
•    Alternativen zur suburbanen Zersiedlung
•    Großstadtgrün: klein und groß sowie nachhaltige Mobilität in der Stadtregion

Alternativen zur suburbanen Zersiedlung: Paris
Die suburbane Zersiedelung, der sprawl, ist zu einem der gravierendsten globalen Probleme der Stadtentwicklung geworden. In Europa sind die Regionen Paris und London Labore neuer Praktiken zur Eindämmung des sprawl. Ziel ist es, Subventionen abzubauen, zersiedelte Landschaften partiell zu verdichten, vor allem mit Kleinzentren auszustatten, die Neunutzung von Brachflächen zu begünstigen, das Leben in den Innenstädten attraktiver zu machen.

Großstadtgrün: London
Grünflächen erleben in den Großstadtregionen Europas und der USA derzeit eine beeindruckende Renaissance. Ehemalige Flughäfen, Rangierbahnhöfe und Gewerbeflächen werden in neue Stadtquartiere inklusive großer Parkanlagen umgewandelt. Gärten und Parks werden zu Instrumenten des Städtebaus. Sie erhöhen die Attraktivität und den Wert der Entwicklungsflächen.

Großstadtgrün: Chicago

Die Themenfelder von damals ähneln denen von heute, wenngleich sich die Vorzeichen drastisch geändert haben: Damals stand alles unter dem Verdikt einer rationalen Gestaltung des uneingeschränkten Wachstums der Städte, von Prosperität und Progression, die es zu lenken galt. Heute stehen angesichts der Herausforderungen von Klimawandel und Demografie der soziale und ökologische Umbau der Stadtregionen, deren Reurbanisierung, Revitalisierung bzw. Schrumpfung auf der Tagesordnung.

Begleitpublikation »Stadtvisionen 1910/2010: Berlin, Paris, London, Chicago» 
bei DOM Publishers erschienen, Hrsg.: Bodenschatz, Gräwe, Kegler, Nägelke, Sonne; 485 Seiten, 48 Euro


Weitere Informationen

www.uni-weimar.de

http://www.uni-weimar.de www.stadtvisionen1910-2010.de

Anzeige

Verwandte Artikel
Architektur

Introspektive Raumskulptur: Henrique Oliveira’s Projekt »Transarquitetônica«

Installationen, die alle Sinne des Betrachters ansprechen, sind das Thema des brasilianischen Künstlers Henrique Oliveira, aktuell zu erleben in einer ...

mehr
Architektur

Rekonstruiert: Die Stockholm Ausstellung 1930

Masterstudenten der Technischen Universität Chalmers in Göteborg rekonstruieren die Pavillons der Stockholmer Ausstellung von 1930 in Form von eindrucksvollen Modellen.

mehr
Architektur

Im Reich der Schlapphüte: Fotodokumentation zum BND in Pullach

Die Aufnahmen von Martin Schlüter zeigen Historisches, Unerwartetes und Alltäglich-Banales – und sind noch bis 5. Oktober 2014 zu sehen.

mehr