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Architektur | Termine

Zeichen, Gefangen im Wunder

Mit der Ausstellung »Zeichen, gefangen im Wunder. Auf der Suche nach Istanbul heute« präsentiert das MAK eine gegenwärtige Momentaufnahme zeitgenössischer Kunstproduktion im Kontext Istanbuls. Werke von KünstlerInnen aus drei Generationen, geboren in den 1930er bis 1980er Jahren, skizzieren eine erfinderische Erzählung zur Kultur und die Geschichte einer facettenreichen, von europäischen, orientalischen und asiatischen Einflüssen geprägten Metropole.

Ort:
MAK-Ausstellungshalle, Weiskirchnerstraße 3, Wien
Eröffnung: 22. Januar 2013, 19 Uhr
Dauer: 23. Januar – 21. April 2013

Zeichen, gefangen im Wunder. Auf der Suche nach Istanbul heute Ausstellung MAK Wien

Hüseyin Bahri Alptekin, „Heimat-Toprak“, 2001 Ausstellungsansicht, MAK Wien, 2013 © MAK/Katrin Wißkirchen

Die MAK-Ausstellung ist von einem Aufsatz von Homi K. Bhabha inspiriert, der den Moment des Wunders und des Erstaunens in der Auseinandersetzung mit einer neuen, fremden Sprache und Kultur beschreibt. Unter ähnlichen Vorzeichen analysiert Franco Moretti in seinem Buch Signs Taken for Wonders (London, 1983) die Relation von Weltliteratur und Kultur. Die KuratorInnen Simon Rees und Bärbel Vischer untersuchen die Entwicklung von Narration und Sprache als Thema der zeitgenössischen Kunst. Das Erstaunen ist jenes der Ausstellungsmacher, konfrontiert mit der Metropole und im Begriff, ihre Wunder, Kultur und Kunst zu entdecken. Gleichzeitig spiegelt die Bezugnahme auf Theoretiker und Schriftsteller der Weltliteratur die Herausforderung wider, ein Zentrum zu beleuchten, das europäische, orientalische und asiatische Geografien und Kulturen verinnerlicht.

Zeichen, gefangen im Wunder. Auf der Suche nach Istanbul heute Ausstellung MAK Wien

Murat Gök: „Border (Hammok)“, 2010 Courtesy PILOT Gallery, Istanbul © Murat Gök

Zeichen, gefangen im Wunder. Auf der Suche nach Istanbul heute Ausstellung MAK Wien

Yesim Akdeniz: „you & me (villa malaparte)“ © Ridvan Bayrakoglu

Die Ausstellung skizziert Prozesse, die Narrationen des Kleinen in einer Zeit der Größe und Globalisierung verdeutlichen, und präsentiert eine Sammlung kleiner Welten und kleiner Wunder. Der Fokus auf den Einzelnen, das Individuelle, das die Konstruktion von „Weltbildern“ und „Weltbildung“ in Bewegung setzt und ihre Reflexion im Werk bedeutender SchriftstellerInnen wie Mario Levi oder Orhan Pamuk haben großen Einfluss auf kollektive Vorstellungen zu Istanbul. Jene populären Bilder sind für einige KünstlerInnen der Ausstellung faszinierend, die sich in den Fundus von Antagonismus und Ambivalenz einfühlen oder sich diesem Dialog entziehen, indem sie Paradigmen der Moderne untersuchen.

Zeichen, gefangen im Wunder. Auf der Suche nach Istanbul heute Ausstellung MAK Wien

Irem Tok, „Untitled (Munich)“, 2011 © PILOT Gallery, Istanbul

Im Mittelpunkt der Ausstellung steht eine Intervention des mit dem Nam June Paik Award 2012 ausgezeichneten Künstlers Cevdet Erek. In der zentralen, durch eine spezielle Oberlichtkonstruktion illuminierten Ausstellungshalle entwickelt er eine minimalistische, raumgreifende Installation. In Anspielung auf die Geschichte und bauliche Struktur des Museums erklärt Erek das Tageslicht zum gestalterischen Medium und schafft durch eine ephemere Architektur ein metaphorisches Statement, das sein immanentes Interesse an Raum und Rhythmus verdeutlicht.

Zeichen, gefangen im Wunder. Auf der Suche nach Istanbul heute Ausstellung MAK Wien

Cevdet Erek, „re-Illumination“, 2013 Ausstellungsansicht, MAK Wien, 2013 © MAK/ Katrin Wißkirchen

Eine großzügige Installation zeigt etwa Emre Hüner mit der Arbeit A Little Larger Than the Entire Universe (2012), die die Welt aus Relikten diverser Kulturen nachbildet und zuvor im Rahmen der Manifesta 9 zu sehen war. Seine Referenzen an das NASA-Space-Shuttle-Programm, an Skulpturen aus Keramik nach dem Vorbild der Natur oder an einfaches Werkzeug fungieren als Schnittstelle zwischen Wissenschaft, Fortschritt und Utopie.
Der deutsche Künstler Marcel Odenbach dokumentiert dagegen in einer filmischen Arbeit ein traditionelles männliches Ritual. In Männergeschichten 1 (2003) zeigt er, untermalt mit Szenen der Stadt Istanbul und historischen Verweisen, das Rasieren beim Barbier.

Zeichen, gefangen im Wunder. Auf der Suche nach Istanbul heute Ausstellung MAK Wien

Emre Hüner: „a Little Larger than the Entire universe“, 2012, Ausstellungsansicht, MAK Wien, 2013 © MAK/ Katrin Wißkirchen

Zeichen, gefangen im Wunder. Auf der Suche nach Istanbul heute Ausstellung MAK Wien

Emre Hüner: „a Little Larger than the Entire universe“, 2012, Ausstellungsansicht, MAK Wien, 2013
© MAK/ Katrin Wißkirchen

Spannende neue Kontexte eröffnen unter anderem die Künstlerinnen Füsun Onur und CANAN, die in ihren Arbeiten traditionelle Kunstfertigkeiten und gegenwärtige Produktionstechniken miteinander verbinden. Speziell für die MAK-Ausstellung plant Füsun Onur eine Skulptur bestehend aus handgefertigter Perlenstickerei. Onur, die in ihrer Kunst spielerisch mit der Bewahrung der eigenen Weltsicht und der Betrachtung von Kunst ohne ideologische Vorzeichen umgeht, nimmt als Vertreterin der feministischen Avantgarde eine wichtige Rolle in der türkischen Gegenwartskunst ein. Im Stil traditioneller Mogul-Miniaturmalerei erzählt die Künstlerin CANAN in der Videoanimation Ibretnüma/Exemplary (2009) die Geschichte einer jungen Frau vor dem Hintergrund moralischer Vorstellungen des Islam im 20. Jahrhundert und thematisiert dabei auch Brüche in ihrem eigenen bewegten Leben.

Zeichen, gefangen im Wunder. Auf der Suche nach Istanbul heute Ausstellung MAK Wien

Füsun Onur: „miracle (symphonic poem)“, 2013 Ausstellungsansicht, MAK Wien, 2013
© MAK/ Katrin Wißkirchen

Zeichen, gefangen im Wunder. Auf der Suche nach Istanbul heute Ausstellung MAK Wien

CANAN: „ibretnüma / exemplary“, 2009 © CANAN

Teilnehmende KünstlerInnen
Hamra Abbas / Murat Akagündüz / Yesim Akdeniz / Eylem Aladogan / Meriç Algün Ringborg / Hüseyin Bahri Alptekin / Halil Altindere / CANAN / Asli Çavusoglu / Cengiz Çekil / Banu Çennetoglu / Mutlu Çerkez / Antonio Cosentino / Canan Dagdelen / Lukas Duwenhögger / Erdem Ergaz / Cevdet Erek / Murat Gök / Nilbar Güres / Sibel Horada / Emre Hüner / Aki Nagasaka / Olaf Nicolai / Marcel Odenbach / Füsun Onur / Ahmet Ögüt / Mario Rizzi / Nasra Simmes / Erdem Tasdelen / Cengiz Tekin / Günes Terkol /  Irem Tok / Uygur Yilmaz

Begleitpublikation
ZEICHEN, GEFANGEN IM WUNDER. Auf der Suche nach Istanbul heute in der zeitgenössischen Kunst, herausgegeben von Christoph Thun-Hohenstein, Simon Rees und Bärbel Vischer, Texte von Vasif Kortun, Mario Levi, Markus Neuwirth, Bige Örer, Nikos Papastergiadis, Simon Rees, Gerhard Roiss, Christoph Thun-Hohenstein und Bärbel Vischer, deutsch/englisch, ca. 192 Seiten, MAK Wien / Hatje Cantz, Ostfildern 2013

Zeichen, gefangen im Wunder. Auf der Suche nach Istanbul heute Ausstellung MAK Wien

Sibel Horada, „Fire Chronicles“, 2012/13 Ausstellungsansicht, MAK Wien, 2013 © MAK/ Katrin Wißkirchen

Zeichen, gefangen im Wunder. Auf der Suche nach Istanbul heute Ausstellung MAK Wien

Lukas Duwenhögger, „Perusal of IlI-Begotten Treasures“, 2003 Courtesy Collection of Dean Valentine and Amy Adelson, Los Angeles © Galerie Buchholz, Köln Cologne/Berlin

Weitere Informationen
www.mak.at

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