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Ästhetik der Nachhaltigkeit

Mehr als eine optimale Klimahülle
Fassaden prägen das Image eines Gebäudes, geben ihm sein unverwechselbares Gesicht und werden zugleich immer mehr zu einem hochtechnisierten Planungselement. Inzwischen werden bei den meisten Großprojekten eigene Planungsteams oder externe Spezialisten für das so elementare Bauteil beauftragt, um den unterschiedlichen Anforderungen an Behaglichkeit und Tageslichteinfall, Sonnen- und Sichtschutz oder auch Tragstruktur gerecht zu werden. Der Ruf nach Integraler Planung lässt die Ansprüche an die Fassadenausbildung weiter wachsen, doch wie können Architekturbüros dies in ihrer täglichen Arbeit leisten? Fassaden planen bedeutet nicht nur, eine optimale Klimahülle zu entwickeln. Vielmehr sind die Bedürfnisse des Menschen an Lichteinfall, -farbe und -menge ebenso zu beachten wie energetische und konstruktive Belange. »Zum Einstieg zeige ich ein Extrembeispiel, bei dem die Fassade gar nicht existent ist« erläutert Werner Frosch den Entwurf des Moesgaard Museum, einem Prähistorischen Museum im Norden von Dänemark, bei dem Tageslicht für die gezeigten Exponate unerwünscht war. »Der kleinen Hang wurde angehoben und das Gebäude darunter geschoben. Das Dach wird damit zur fünften Fassade. Neben energetischen Aspekten ist der Mehrwert der gewonnenen Außenfläche wichtig: Man kann das Dach begehen, man kann den Ausblick über das Meer genießen und – Dänemark ist nicht berühmt für seine Berge – man kann im Winter Schlittenfahren«, erläutert Werner Frosch die soziale Dimension der Fassade. Insbesondere der Energieverbrauch eines Gebäudes ist stark von seiner Fassade bestimmt. Je mehr Lichteinfall gewonnen werden kann, desto stärker reduziert sich die benötigte Energie für Beleuchtung. Zugleich heißt zu viel Lichtwärme aber auch, dass in eine entsprechende Kühlung investiert werden muss.

Bürointerne Forschung zur Wissensgenerierung
Um diese unterschiedlichen Anforderungen, aber auch die Funktion und Lage des Gebäudes vom ersten Entwurfsgedanken an zu berücksichtigen, haben Henning Larsen Architects eine eigene Abteilung, das sogenannte »Sustainability Engineering Department«, geschaffen. Ein 16-köpfiges Team aus Architekten und Ingenieuren ist beratend in die Arbeit der Entwurfs- und Planungsteams eingebunden und betreibt aktiv Forschungen zu den Themen Tageslicht, Material, Mikroklima, Energie- und Fassadendesign. Vom ersten Volumenmodell an wird die Nachhaltigkeit von Projekten betrachtet und als gemeinsames Ziel definiert, das integrativ über alle Planungsdisziplinen gestellt wird. Jedes Projekt durchläuft drei Phasen: reduzieren, optimieren und produzieren. Zunächst werden die Gebäudekubatur und -struktur sowie die möglichen Probleme und Potenziale analysiert. Im zweiten Schritt werden die Bauteile optimiert und in der letzten Phase, dem Produzieren, können dann zusätzliche Potenziale wie z.B. Solarthermie integriert werden. Energie einzusparen und somit ökologische, ökonomische sowie soziale Verantwortung zu übernehmen, begreifen Henning Larsen Architects als Ausdruck einer besonderen Ästhetik.

Beispielhaft ist dies an der neuen Siemens-Haupverwaltung in der Münchner Altstadt zu sehen. Der kompakte Gebäudekomplex soll eine neue Urbanität schaffen: Hohe Transparenz und Durchwegungsmöglichkeiten bei gleichzeitig möglichst großer Nachhaltigkeit. Im Detail veranschaulicht besonders die Fassadengestaltung der Innenhöfe das Entwurfscredo. Mit einer Neigung von fünf Grad lassen die Glasfassaden viel Tageslicht ins Gebäudeinnere und in den Hof fallen. Ästhetische Detaillösungen und optimale Ressourcennutzung verbinden sich zu einer gelungenen Architektur.

Forschung, Kunst und Kultur
Die Fassade bildet auch immer den Status eines Gebäudes und seines Nutzers ab. Als Gesicht präsentiert sie sich zu Stadt und Landschaft. Henning Larsen Architects binden deshalb auch gerne Künstler als weitere Planungspartner in ihre Arbeit ein. Das Harpa Konzert- und Kongresshaus in Reykjavik oder der Campus Kolding in Süddänemark zeugen mit ihren besonderen Fassaden von dem erfolgreichen Joint Venture. Olafur Elíassons schillerndes Glasmosaik repräsentiert Island als Land zwischen Wasser und Naturphänomenen mit einem Spiel aus wechselnden Farben durch Tageslicht und Wetter. Dagegen verbirgt sich hinter den Fassadenklappen am Campus SDU Kolding, die von dem deutschen Künstler Tobias Rehberger farblich gestaltet wurden, ein von Henning Larsen raffiniert entwickeltes Sonnen- und Sichtschutzsystem, das den unterschiedlichen Sonnenstand im Sommer und Winter in Dänemark berücksichtigt. Zugleich veranschaulichen die beiden Projekte nicht nur den integrativen Planungsansatz des skandinavischen Büros Henning Larsen Architects, sondern auch, was Architektur für es wirklich heißt. »Wir verstehen uns Architekten als Bindeglied. Unsere Forschung generiert Wissen, die wir mit der Analyse aus Kontext, Funktion und Nutzer sowie nicht zuletzt mit Gestaltung und Inspiration verbinden«, resümiert Werner Frosch.

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