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Gartenstadt modern interpretiert

Unsere Städte boomen. Wohnraum und Freiraum werden in Ballungsgebieten nach und nach kleiner und enger. Platz ist eines der höchsten Güter. Während manche die Lösung in der stetigen Nachverdichtung suchen, streben andere den Gegenentwurf an. Öffentliches städtisches Grün und private Grünflächen als Ausgleich zur steigenden urbanen Dichte. Doch was können diese modernen Gartenstädte leisten? Wie stark orientieren sie sich noch an der ursprünglichen Gartenstadtidee? Oder kann letztendlich alles als schlaue Vermarktungsstrategie neuer Immobilienprojekte entlarvt werden? Was können Stadtplaner heute aus der mehr als 100 Jahre alten Idee der Gartenstadt lernen?

Die vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) veröffentlichte Forschungsarbeit »Gartenstadt 21 – Vision oder Utopie?« reflektiert die Entwicklung von Gartenstädten, stellt Fallbeispiele seit dem frühen 20. Jahrhundert vor und zeigt, wie sich die Gartenstadtidee neu interpretieren lässt. »Die Gartenstadtbewegung entwickelte damals einen Gegenentwurf zu der aus ihrer Sicht verdichteten und überlasteten Stadt«, erläutert BBSR-Direktor Harald Herrmann. »Gleichzeitig versuchte sie, die Vorzüge des Ländlichen mit den Vorzügen des Städtischen zu verbinden. Das scheint angesichts des Wachstums unserer Großstädte auch heutzutage für viele wieder erstrebenswert.«

Historische Vorbilder
Der Wegbereiter der Gartenstadtbewegung, Ebenezer Howard, beschrieb die Gartenstadt als Siedlungsraum, der sich durch gemäßigte Dichten, viele Freiräume und geordnete Verkehrsverhältnisse auszeichnete. Gleichzeitig standen bezahlbarer Wohnraum und genossenschaftliche Prinzipien wie ein Gemeineigentum an Grund und Boden im Zentrum des Gartenstadtmodells. »Bereits kurz nach seiner Entstehung wurde der Begriff der Gartenstadt vielerorts pragmatisch für neue durchgrünte Siedlungen am Stadtrand genutzt, da insbesondere die städtebaulichen Aspekte der neu gegründeten Gartenstädte auf Interesse stießen. Während des Nationasozialismus wurde die Gartenstadt sogar im Sinne einer reaktionären Ideologie missbraucht. Bis heute werden neue Siedlungen und Stadtentwicklungspojekte, die sich durch eine kleinteilige Siedlungsstruktur und viel Grün auszeichnen, gerne als »Gartenstadt« bezeichnet. (...) Doch was ist eine Gartenstadt überhaupt, welche Aspekte sind heute – rund 120 Jahre nach der ersten Veröffentlichung der Gartenstadtidee – noch aktuell und übertragbar?« wird in der Publikation gefragt.

Moderne Gartenstädte des 20. und 21. Jahrhundert
Die von den Forschern ausgewerteten Fallbeispiele zeigen: Das Leitbild der Gartenstadt wurde in seinem sozialreformistischen Ansatz nur selten konsequent umgesetzt. Ein kooperatives Planungsverständnis und die Beteiligung privater Bauherren und Genossenschaften an der Entwicklung der Quartiere sorgen aber dafür, dass gartenstädtische Ideen wieder in städtebauliche Planungen einfließen. Beispiele dafür sind viele in den 1990er-Jahren entstandene Quartiere. Ansätzen der Flächenentwicklung durch Bauträgermodelle stehen dort zunehmend alternative Ansätze gegenüber, die Genossenschaften, Baugemeinschaften und kommunale Wohnungsgesellschaften stärker in den Fokus rücken. Anders als die Gartenstädte der Nachkriegszeit sind diese Quartiere dicht bebaut. Sie zeichnen sich durch attraktive und miteinander vernetzte Grünflächen sowie viele gemischte Funktionen und Nutzungen aus. Auch nachhaltige Mobilitätskonzepte spielen eine große Rolle.

Gartenstadt-Prototyp der Zukunft
In einem dreitägigen Zukunftslabor wurden 10 Thesen für die Entwicklung der Gartenstadt der Zukunft erarbeitet. Diese Ideen für den Prototypen einer »Gartenstadt21 grün-urban-vernetzt« entstanden durch eine branchenübergreifende Diskussion von Fachleuten unterschiedlicher Disziplinen. Eine Stadt, die diese 10 Thesen berücksichtigt (siehe Fotostrecke unten) soll Antworten darauf geben, wie unsere Ballungsräume in Zukunft wachsen können und welche Modelle einer Gartenstadt dabei zu einer nachhaltigen Stadtentwicklung beitragen können.

Die Ergebnisse der Forschungsarbeit sind in zwei Bänden erschienen: Band 1 »Die Entwicklung der Gartenstadt und ihre heutige Relevanz« sowie Band 2 »Ein Modell der nachhaltigen und integrierten Stadtentwicklung« sind kostenfrei beim BBSR erhältlich. 

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