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Gezielte Formlosigkeit: Pavillon in Wien

"The Art of ReCreation" - eine außergewöhnliche Skulptur aus mehr als 2000 gedrehten Aluminiumrohren - soll ein Beispiel für innovative und experimentelle Bauweisen darstellen. Der Pavillon, als StudentInnenprojekt der TU Wien mit soma architecture entwickelt und umgesetzt, kann noch bis zum 28. September vor dem 21er Haus in Wien besichtigt werden.

Projektleitung: Stefan Rutzinger, Kristina Schinegger (soma), Christoph Müller
Standort: 21er Haus, Arsenalstraße 1, A-1030 Wien
Dauer: 21. Juni bis 28. September 2014

Ein Pavillon für Freizeit und Architektur, Stefan Rutzinger, Kristina Schinegger, Christoph Müller
Foto: Pez Hejduk, Belvedere, Wien

Wie kann das Formlose realisiert werden? Welche analogen und digitalen Methoden ermöglichen eine präzise Darstellung des Unbestimmten? Diese und weitere Fragestellungen wurden im Zuge des einjährigen Pavillonprojektes an der TU Wien unter der Leitung von Kristina Schinegger und Stefan Rutzinger (soma) mit Christoph Müller diskutiert, die lineare Abfolge von Entwurf und Materialisierung dabei in Frage gestellt.

Während mehrerer physischer Experimente wurde das Verhalten von Materialsystemen studiert und deren Eigenschaften in räumliche Formationen übersetzt. Das zur Realisierung ausgewählte Konzept von den Studenten Zsofia Varga und Lukas Stampfer basiert auf einer Analyse der selbstverzahnenden Eigenschaften von Filz. Dieses Material ist im Gegensatz zum Gewebe irregulär, offen erweiterbar und trotzdem stabil. Der ausgewählte Entwurf interpretiert diese Prinzipien und übersetzt sie in einen architektonischen Maßstab.

Ein Pavillon für Freizeit und Architektur, Stefan Rutzinger, Kristina Schinegger, Christoph Müller
Durch die flexible Verkettung der Elemente erhält der Pavillon seine Stabilität und ist in jede Richtung endlos erweiterbar. Foto: Pez Hejduk, Belvedere, Wien

Das Ergebnis ist eine tragfähige Formation aus 2.200 ineinander geschraubten Spiralfedern aus Aluminiumrohren mit 15 mm Außendurchmesser. Als Grundelement dienten sechs Meter lange Profile, die zu knapp drei Meter langen Spiralen gebogen wurden. Die Ganghöhe der Elemente erhöht sich vom Ende zur Mitte der einzelnen Spirale hin, wodurch beim Hineindrehen der Elemente eine Vorspannung innerhalb des Verbundes entsteht. Der Baustoff Aluminium erweist sich nicht nur aufgrund seiner einfachen Verarbeitbarkeit und seiner Leichtigkeit bei Transport und Aufbau von Vorteil. Da die Profile unbehandelt sind, können sie später einfach recycelt werden.

Ein Pavillon für Freizeit und Architektur, Stefan Rutzinger, Kristina Schinegger, Christoph Müller
Spannungsverlauf und Bewegungsfreiheit;<br>Grafik: Moritz Heimrath
Ein Pavillon für Freizeit und Architektur, Stefan Rutzinger, Kristina Schinegger, Christoph Müller
Kraftübertragung zwischen den Elementen

Ein Pavillon für Freizeit und Architektur, Stefan Rutzinger, Kristina Schinegger, Christoph Müller
Spannungsverlauf: Rot=Druck, Blau=Zug;<br>Die Aluminiumelemente wirken chaotisch, ohne jegliche Struktur - gleich wie Filz, der ebenfalls ganz ohne Knoten und fixe Elemente auskommt und trotzdem stabil ist. <br> Grafik: Moritz Heimrath
Ein Pavillon für Freizeit und Architektur, Stefan Rutzinger, Kristina Schinegger, Christoph Müller
Die Spiralen werden im Liegen miteinander zu Flächenverbünden verschraubt und in ihre vertikale Position gebracht. Grafik: TU Wien

Ein Pavillon für Freizeit und Architektur, Stefan Rutzinger, Kristina Schinegger, Christoph Müller
Aufbau mittels Rollgerüst im Tiefhof des 21er Hauses. Foto: Belvedere, Wien
Ein Pavillon für Freizeit und Architektur, Stefan Rutzinger, Kristina Schinegger, Christoph Müller
kompakte Lagerung der gefertigten Aluminiumspiralen. Foto: Elisabeth Hofstetter

Den Pavillon begleitet ein Display von 20 innovativen Freizeitarchitekturprojekten aus Österreich und Schweden, präsentiert in einer integrierten pneumatischen Sitzlandschaft. In Kombination mit dem Pavillon entsteht so ein Ort des Aufenthaltes im Außenraum des Museums, der die Besucher zu Erkundungen einlädt.

Ein Pavillon für Freizeit und Architektur, Stefan Rutzinger, Kristina Schinegger, Christoph Müller
Foto: Pez Hejduk, Belvedere, Wien

Die architektonische Intervention knüpft an eine Tradition an, die dem 21er Haus durch seine Geschichte eingeschrieben ist. Das Gebäude wurde ursprünglich ebenfalls als temporärer Ausstellungsraum für die Weltausstellung in Brüssel 1958 konzipiert. Für den avantgardistischen und technisch innovativen Entwurf erhielt der Architekt Karl Schwanzer damals den Grand Prix d’Architecture. Nach der Überführung des Pavillons nach Österreich wird er seit 1962 als zeitgenössisches Museum genutzt.

Ein Pavillon für Freizeit und Architektur, Stefan Rutzinger, Kristina Schinegger, Christoph Müller
Je nach Lichteinfall glänzen oder ermatten die ineinander verschränkten Aluminiumelemente. <br>© Belvedere, Wien

Studierende des Entwerfenkurses „Operation of the Formless“ an der TU Wien, Fachbereich Architekturtheorie:
ZsófiaVarga, Lukas Stampfer, Mahsa Asaei, Lukas Aschauer, Lidia Atanasova, Patricia Bagienski, Uwe Brunner, Goce Chavkoski, Veronica Colun, Sabrina Ehrenhöfer, Fanni Aliz Florian, Rebecca Franke, Bianca Gaspar, Sebastian Haller, Christina Heiser, Elisabeth Hofstetter, Natalie Jasinski, Ilina Kokaleska, Kremzow Falk Lennart, Samy Omar, Ewelina Pawlik, Nikoleta Sidiropoulou, Tadeáš Vávra


Kooperationspartner:
soma ZT Gmbh
Bollinger Grohmann Schneider ZT GmbH
karamba3d
experimonde: P. Michael Schultes, Carolin Lotz
21er Haus: Harald Krejci, Mario Kojetinsky, Claudia Bauer

Stichworte:

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