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Innenhöfe: Mehrwert durch Lichtlenkung

Durch einen Mangel an Tageslicht ist die Nutzungsqualität der anliegenden Innenräume in den unteren Etagen stark reduziert. Neben eingeschränktem Komfort und gesundheitlichen Aspekten kann sich diese Tatsache auch nachteilig auf den Wert der Immobilie auswirken. Düstere Räume lassen sich zum einen schlechter vermieten oder verkaufen als lichtdurchflutete und einladende Räume mit hoher Aufenthaltsqualität, zum anderen wird durch die optimale Lenkung des natürlichen Lichts der Bedarf an Kunstlicht reduziert, der Stromverbrauch wird gesenkt.

Lichttechnisch optimierte Materialien
Laut den Studien des Lichtplanungsbüros Bartenbach spielen bei der Lichtplanung nicht nur Tageslicht und künstliche Lichtquellen eine wichtige Rolle, sondern besonders auch die Reflexionseigenschaften von Oberflächen. Je nachdem, wie ein Material das Licht reflektiert und im Raum verteilt, entstehen unterschiedliche Belichtungssituationen und -effekte. Demnach ist es essentiell die Materialeigenschaften der Architektur auch unter den Aspekten der Lichtplanung zu berücksichtigen. Durch speziell lichttechnisch optimierte Materialien wird dabei nicht nur das Lichtkonzept unterstützt, sondern es entstehen zusätzlich vollkommen neue gestalterische Möglichkeiten. Besonders Innenhöfe können dabei mit relativ geringem baulichen Aufwand zu tageslichtdurchfluteten Räumen gemacht werden. Durch den Einsatz von reflektorischen Materialtechnologien, die in den Fassadensystemen eingesetzt werden, wird das Tageslicht verstärkt und in hoher Qualität bis an den Grund des Innenhofs gelenkt. Dadurch entsteht auch in den Innenräumen der unteren Geschosse der Eindruck direkter Tageslichteinstrahlung und die Anforderungen der Norm DIN5034 für ausreichende Tagesbelichtung können erfüllt werden. Durch verschiedene Materialien, Formen, Architekturen oder Einbauten kann so individuell auf die jeweilige Innenhofsituation eingegangen werden und der Nutzwert der Immobilie durch eine gezielte Tageslichtlenkung enorm gesteigert werden.

Best Practice: Lichtlenkung durch spezielle Gebäudegeometrie und Lamellen
Der Erweiterungsbau des neuen Messezentrums Basel, Schweiz, von Herzog & de Meuron Architekten sah eine großflächige Überbauung des bestehenden, innerstädtischen Platzbereiches vor. Damit die multifunktionale Nutzung des Platzes, der sogenannten Citylounge, und die räumliche Aufenthaltsqualität weiterhin erhalten bleiben konnten, entwickelte die Architekten Herzog & de Meuron gemeinsam mit Bartenbach eine neue Gebäudegeometrie. Eine spezielle geometrische Aufkrümmung des Querschnittes im Gebäude ermöglicht ein Oberlicht mit einem Durchmesser von 38 Metern, welches in der gesamten Platzzone eine optimale Tageslichtmenge von 15 % bis 22 % erzielt. Materialtests und empirische Modellsimulationen haben dazu beigetragen, dass eine spezielle Aluminiumlamellen- und Streckmetallstruktur zu einer blendfreien, optimalen Tagesbelichtung des Stadtplatzes führen. Auch bei direktem Sonnenlicht wird ein harmonischer und brillanter Tageslichteindruck in der Citylounge erzeugt.

Das Genzyme Headquarters, Cambridge/Boston, USA, von Behnisch Architekten erfüllt die Anforderungen eines »Green Building« und erhielt mit der Platinauszeichnung des LEED-Green Building Rating System die höchste Auszeichnung dieser Art in den USA. Das Gebäude hat einen Energieverbrauch, der 42 % geringer ist als der eines vergleichbaren Standardgebäudes. An den Bürofassaden sorgen innenliegende Lichtlenklamellen für die Tagesbelichtung. Mehr als 90 % der Büroarbeitsplätze sind ausreichend tagesbelichtet und der Blickkontakt nach außen ist für alle Büroarbeitsplätze gegeben. Der Lamellenbehang ist zweigeteilt. Der obere Behang sorgt für die Lichteinlenkung, der untere dient dem Blendschutz. Bei direkter Sonnenbestrahlung dreht sich die verspiegelte Lamellenoberseite automatisch nach außen und sorgt durch die Reflexion der Sonnenstrahlen für optimalen Sonnenschutz. Das zentrale, 13-geschossige Atrium wird vom Tageslicht durchflutet. Die frei im Raum beweglichen Prismenpaneele werden vom Dach aus über Heliostaten mit Sonnenlicht bespielt und werfen belebende Sonnenfigurationen bis ins Erdgeschoss. Unter dem Glasdach sorgen Sonnenschutzprismen für minimalen Energieeintrag, lassen aber zugleich 70 % des diffusen Tageslichts in das Atrium.

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