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bruno van besien, Tim van de Velde, TV House, Belgien, Affligem Essene, Patiohaus

Introvertierte Offenheit: Schräges Wohnen in Belgien


Das schlichte Äußere des Einfamilienhauses erinnert entfernt an die traditionellen chinesischen Tulou, welche ebenfalls ihre wahre Pracht erst im Inneren offenbaren. Die wenigen präzise gesetzten Fensteröffnungen des »TV House« generieren eine nahezu geschlossene Fassade. Sie ist mit aus der Region stammenden, thermobehandelten Holzpaneelen verkleidet, welche in ihrer Dicke variieren und dem Haus somit eine spannungsvolle Textur verleihen. Die differierenden Stärken sind vor allem dadurch gut ablesbar, dass die abschließende Traufe hinter der Fassade optisch versteckt ist. Das Farbspektrum reicht je nach Lichteinfall und Betrachtungsweise von einem dreckigen braun, über ein dunkles grau, bis hin zu einem matten schwarz. Die dunkle Holzlattung der äußeren Fassade wird im Inneren des Patios weitergeführt, allerdings haben die Paneele hier ein einheitliches, ebenes Maß, um im Gegensatz zur rauhen Außenhülle eine ruhige, behagliche Atmosphäre zu schaffen.
Betritt man das Haus, öffnet sich zunächst eine hölzerne Tür mit direktem Zugang in den privaten Innenhof. Ein schmaler Betonsteg leitet einen vorbei an dem idyllisch angelegten Teich, bevor man zu der eigentlichen Hauseingangstüre gelangt. Bruno Vanbesien spielt hier mit der städtebaulichen Einordnung von öffentlichem, halböffentlichem und privatem Raum. Gleichzeitig lässt er die Grenzen zwischen Innen und Außen verschmelzen, in dem er sowohl den Innenhof als auch den Wohnbereich mit dem gleichen Beton-Fußboden auslegt.
Der von außen verschlossene Eindruck löst sich im Inneren in fließende, lichtdurchflutete Räume auf. Der großzügige Wohn- Essbereich am Kopf des Patios, wird von zwei Seiten mit Tageslicht versorgt. Hinter einem weißen Wandschrank ist die dunkelgraue Küchenzeile versteckt, um die alltägliche Unordnung mit einem Schwung elegant zu verbergen. Das dunkle, geschliffene Lärchenholz findet sich außerdem in dem zugehörigen Badezimmer der beiden ebenerdig organisierten Schlafräume wieder.
Durch die ostseitig ansteigende Schräge des Daches entsteht ein doppelgeschossiger Raum unter dem eine zweite schmale Etage eingefügt ist. Auf der Galerie im Wohnzimmer ist ein Arbeitsbereich untergebracht mit direkten Sichtbezügen in den Garten und den Haupt-Aufenthaltsbereich der Familie. Des Weiteren befindet sich das Elternschlafzimmer in dem eingeschobenen Obergeschoss. Das hier angrenzende Bad kann mit raumhohen, hölzernen Faltelementen individuell geöffnet oder abgetrennt werden. In der oberen Etage ist alles mit Eichenholz verkleidet, um ein wohliges Ambiente zu erzeugen.
Der Architekt bedient sich für das Einfamilienhaus eines minimalen Katalogs an ausgewählten Materialien, die sich sowohl durch den Innenraum als auch den Außenbereich ziehen und somit ein harmonisches Ganzes bilden. Außerdem überrascht der introvertierte Entwurf im Inneren mit hellen Räumen und greifbarer Nähe zum Grün der freien Natur.

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Weitere Informationen:

Fertigstellung: 2014
Fotograf:
Tim van de Velde

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