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Istanbuler Hostel als beste Abschlussarbeit ausgezeichnet

Auch der Entwurf für eine JVA in Halle, der Umbau eines alten Luftschutzbunkers und der Plan für ein Wohnquartier in Schanghai fanden beim deutsch-polnischen BDA-SARP-Award 2012 Anerkennung.

Der Bund Deutscher Architekten BDA und der polnische Architektenverband SARP zeichnen jährlich die besten Abschlussarbeiten an deutschen und polnischen Hochschulen aus. In diesem Jahr kamen 19 von ihren jeweiligen Hochschulen nominierte Absolventen zu einem gemeinsamen dreitägigen Workshop im Deutschen Architektur Zentrum DAZ in Berlin zusammen. Abschließender Höhepunkt der Veranstaltung war die Preisverleihung mit den Präsidenten von BDA und SARP, Michael Frielinghaus und Jerzy Grochulski, sowie MDir. Günther Hoffmann, Abteilungsleiter im Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung.

BDA-SARP-Award 2012
Workshop mit anschließender Preisverleihung beim BDA-SARP-Award 2012 in Berlin

Dabei ging der mit 2.500 Euro dotierte BDA-SARP-Award an Feyyaz Berber, Absolvent der RWTH Aachen, für seine Abschlussarbeit »Eine Herberge für Karaköy«. Zudem gab es drei Anerkennungen: Steffen Kirchberger (msa I münster school of architecture) erhielt für sein Projekt »Zehneinhalb Quadratmeter. Ein Modellgefängnis in Halle (Saale)« eine mit 500 Euro dotierte »Besondere Anerkennung«. Zwei weitere Anerkennungen gingen an Paulina Witczak (Technische Universität Stettin) für ihre Transformation eines Luftschutzbunkers in eine Vinothek sowie an Weijie Wang und Liang Xu (Universität Stuttgart) für die Arbeit »Sehnsucht: Wohnquartier für Shanghai 2020«.

Preisträger BDA-SARP-Award
Eine Herberge für Karaköy
Feyyaz Berber, RWTH Aachen

Der systematisch typologisch hergeleitete Entwurf zeichnet sich durch die bemerkenswert konsequente Anwendung urbanistischer und architektonischer Strategien aus, so die Jury. Die Herleitung der Baugestalt des Hostels für den Istanbuler Stadtteil Karaköy aus dem tradierten Typus des türkischen Han bedient sich eines entwerferischen Mittels, das in der Mega-Metropole am Bosporus kaum mehr eingesetzt wird. So gelingt es Feyyaz Berber, durch eine räumlich wirksame Intervention einen atmosphärischen Brennpunkt in der Quartiersstruktur von Karaköy zu formulieren. In der rasterartigen Struktur des Wohnhofes inszeniert er ein interessantes Wechselspiel von Sichtbeton und Ziegelmauerwerk, das einerseits die Klarheit einer einfachen Konstruktion besitzt, andererseits durch seine Einfachheit jede Form von Überstilisierung in der üblicherweise einfach ausgestatteten urbanen Umgebung vermeidet.

Eine Herberge für Karaköy, Feyyaz Berber, RWTH Aachen
Rendering: Feyyaz Berber

Besondere Anerkennung
Zehneinhalb Quadratmeter. Ein Modellgefängnis in Halle (Saale)
Steffen Kirchberger, msa münster school of architecture

Steffen Kirchberger regt mit seiner Arbeit »Zehneinhalb Quadratmeter« die Neuinterpretation einer eher unbeliebten Bauaufgabe an. Sein Entwurf einer Justizvollzugsanstalt in der Stadtmitte von Halle greift über eine architektonische Betrachtung weit hinaus: Ausgangspunkt ist eine sorgfältige Analyse der Geschichte und der wechselnden Bedingungen des Gefängnisbaus. Kirchbergers wohlgesetzte, räumlich sehr differenzierte architektonische Lösung ist verknüpft mit dem Vorschlag eines veränderten Strafsystems und Lebensalltags der Insassen. Die schon unter dem Gesichtspunkt der Angemessenheit provokante These einer »guten«, ja: schönen Gefängnisarchitektur erhält durch die Positionierung der Anlage mitten in der Stadt eine städtebauliche Entsprechung. Dieser fundierten, provozierenden Interpretation des Gefängnisbaus spricht die Jury eine besondere Anerkennung zu.

Zehneinhalb Quadratmeter. Ein Modellgefängnis in Halle (Saale), Steffen Kirchberger, msa münster school of architecture
Rendering: Steffen Kirchberger

Anerkennung
Transforamtion eines Luftschutzbunkers in Stettin in eine Vinothek
Paulina Witczak, Technische Universität Stettin

Mit dem Um- und Weiterbau eines Luftschutzbunkers in Stettin gelingt Paulina Witczak eine konstruktive, funktionale und symbolische Neuinterpretation. Mit der neuen Nutzung als Vinothek greift sie die frühere Kultivierung des Geländes als Weinberg auf. Die klimatischen Eigenschaften des Bauwerks werden geschickt genutzt, die Aufstockung des Bunkers verbessert die Proportion des massiven Schutzbauwerks mit angemessenen architektonischen Mitteln, lässt ihm dabei aber seinen materiellen Eigenwert. Für diesen umfassenden Ansatz, der viele mögliche Facetten guter Architektur berührt und eine eindeutige Lösung für die komplexe Bauaufgabe erbracht hat, zeichnet die Jury die Arbeit mit einer Anerkennung aus.

Transforamtion eines Luftschutzbunkers in Stettin in eine Vinothek, Paulina Witczak, Technische Universität Stettin
Rendering: Paulina Witczak

Anerkennung
Sehnsucht: Wohnquartier für Shanghai 2020
Weijie Wang und Liang Xu, Universität Stuttgart

Der Entwurf kann ein mögliches Gegenmodell zu der restlosen Überformung der chinesischen Stadt durch westliche Geschmacksmuster sein: Aus den letzten historischen Überbleibseln, den Hüttensiedlungen aus der französischen Kolonialherrschaft und Arbeitersiedlungen der 1950er und 1960er Jahre, präparieren die Verfasser typologische und räumliche Merkmale heraus und verschmelzen sie zu einer neuen Siedlungs- und Hausstruktur. Neben dieser ungewöhnlich sensiblen Synthese-Leistung sieht die Jury in der Arbeit ein besonderes kulturpolitisches Signal, das hoffentlich Kennzeichen eines allmählichen Umdenkens technokratischer Planungspraxis bei der Gestaltung von Boomtowns in China und anderswo wird.

Sehnsucht: Wohnquartier für Shanghai 2020, Weijie Wang und Liang Xu, Universität Stuttgart
Renderings: Weijie Wang, Liang Xu

Die Jury für den BDA-SARP-Award 2012 besetzten:

  • Andreas Denk, Chefredakteur der Zeitschrift »der architekt«
  • SARP-Vizepräsident Krzysztof Bojanowski
  • Architekt Josef Hämmerl (Stuttgart)
  • Architekt Jacek Lenart (Stettin)
  • Architekt Matthias Schmidt (Weimar)


Der BDA-SARP-Award wurde früher unter dem Namen »Walter-Henn-Förderpreis« ausgelobt.

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