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London 2012: Die Ökobilanz der Spiele

In London sind die Vorbereitungen auf die Olympischen Sommerspiele 2012 in vollem Gange. Um zu ermitteln, welche Umwelteinwirkungen die Spiele haben werden und wo sich Einsparpotenziale ergeben, hat das Organisationskomitee der Spiele nun den ersten von drei Nachhaltigkeitsberichten herausgegeben.

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Olympiastadion im Bau

Die Ausrichter von Großveranstaltungen müssen sich künftig immer häufiger kritische Fragen gefallen lassen: Ist das Ganze überhaupt notwendig? Welche Umweltauswirkungen, welche sozialen Nebenwirkungen hat es? Das gilt nicht nur in Deutschland, wo zuletzt im Vorfeld der (noch nicht einmal vergebenen) Winterspiele 2018 heftig über einige Wiesengrundstücke am Fuß der Zugspitze gestritten wurde, sondern vor allem im Vereinigten Königreich. Dort sollen 2012 die nächsten Sommerspiele stattfinden – und es sollen zugleich die ersten sein, bei denen buchstäblich jede Tonne CO2, jeder Hektoliter Abwasser und jede Tonne Abfall gezählt und bilanziert wird.

Das macht durchaus Sinn – denn wer früh genug mit dem Zählen und Bilanzieren anfängt, kann durchaus erhebliche Einsparpotenziale entdecken, die anderenfalls womöglich unberücksichtigt geblieben wären. In London sollen daher die Umweltauswirkungen der gesamten Vorbereitungs- und Veranstaltungszeit von Olympischen Spielen und Paralympics, von 2005, als London den Zuschlag erhielt, bis 2012, möglichst lückenlos aufgezeichnet werden.

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Olympischer Park (Detailaufnahme)

Schon 2010 legten das Organisationskomitee LOCOG sowie die Olympic Delivery Authority (ODA), die für die Erstellung der Wettkampfstätten verantwortlich ist, eine erste gemeinsame Schützung der CO2-Bilanz der Spiele vor. Demzufolge wird „London 2012“ im Laufe der sieben Jahre etwa 3,4 Millionen Tonnen CO2 ausstoßen. Rund die Hälfte hiervon entfällt auf den Bau der Wettkampfstätten, des Olympischen Dorfs und des Olympischen Parks, ist also „Graue Energie“. Dieser Prozentsatz ist deswegen so hoch, weil die bilanzierte Nutzungsdauer der Gebäude mit wenigen Wochen sehr gering ist. Die Nachnutzung der Wettkampfstätten bleibt in der Bilanz unberücksichtigt. Besonders stark fallen bei der „Grauen Energie“ der olympische Park sowie das olympische Dorf ins Gewicht, die allein etwa 1,2 Millionen Tonnen CO2 auf sich vereinen.

Die andere Hälfte dieses „Referenz-Fußabdrucks“ (also ebenfalls 1,7 Millionen Tonnen) würde demnach auf den Spielbetrieb, die Anreise von Zuschauern, Offiziellen und Athleten, die Transport-Infrastruktur, Catering und temporäre Einrichtungen (wie z.B. VIP-Zelte, Bestuhlungen, Absperrungen u.ä.) entfallen. Der Energieverbrauch der Wettkampfstätten würde hingegen mit umgerechnet nur rund 15.000 Tonnen kaum ins Gewicht fallen.

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Velodrom (Luftaufnahme)

Einsparpotenziale identifiziert
Die Nachhaltigkeitsstrategie der Spiele umfasst jedoch nicht nur die CO2-Bilanz, sondern insgesamt fünf Hauptthemen: Klimawandel, Biodiversität, Abfall, soziale Partizipation und „gesundes Leben“. Im April haben die Organisatioren der Spiele den ersten Nachhaltigkeitsbericht vorgelegt, der die Fortschritte in diesen Bereichen aufzeichnet.

Schon frühzeitig hatten die Olympia-Veranstalter sich ambitionierte Ziele gesetzt, was Energieeffizienz und Nachhaltigkeit der dauerhaften Olympiabauten angeht: Deren CO2-Ausstoß soll den 2006 in Großbritannien geltenden Referenzwert für Neubauten um durchschnittlich 15% unterschreiten. Beim ersten fertiggestellten Neubau, dem Velodrom, wurde sogar eine 31-prozentige Minderung erreicht. Ferner sollen die Neubauten sämtlich dem „Excellent“-Standard im britischen Zertifizierungssystem BREEAM genügen. Der Trinkwasserverbrauch in den Wettkampfstätten soll um 40 Prozent und im Olympischen Dorf um 35% unter den Durchschnittswert für London (derzeit rund 160 Liter pro Person und Tag) gesenkt werden. Ferner sollen 50 Prozent aller Baumaterialien per Bahn oder auf dem Wasserweg zu den Baustellen gelangen. Weitere Einzelmaßnahmen sind die Wiederverwendung von 90 Prozent aller auf dem Gelände anfallenden Abbruchmaterialien und die Substitution von rund 30 Prozent des Zementanteils aller Neubauten durch CO2-ärmere Alternativen.

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Olympisches Dorf aus der Luft

All diese Ziele werden voraussichtlich erreicht werden. Als nicht realisierbar stellte sich dagegen das Vorhaben heraus, 20 Prozent des Energiebedarfs der Spiele aus vor Ort gewonnenen, erneuerbaren Quellen zu decken. Eine ursprünglich geplante 120-Meter hohe Windkraftanlage auf dem Gelände, die davon den Löwenanteil hätte liefern sollen, musste „aus technischen Gründen“ gestrichen werden. Nun sollen Photovoltaikanlagen und ein eine 3-Megawatt-Biomasse-Heizwerk wenigstens 9 bis 10% des Gesamtenergieverbrauchs beisteuern.

Das Organisationskomitee ist unterdessen zuversichtlich, dass der tatsächliche CO2-Ausstoß letztlich deutlich unter den 2010 ermittelten Referenzwert von 3,4 Millionen Tonnen gesenkt werden kann. Wichtige Einsparpotenziale haben die Veranstalter bereits ermittelt: So wurde die Gesamtfläche aller Gebäude gegenüber den ersten Planungen bereits um 90.000 Quadratmeter reduziert. Und die Entscheidung, temporäre Einrichtungen wie Bestuhlungen, Absperrungen usw. nur zu leihen und nicht eigens für die Spiele anzufertigen, führte bereits zu einer 50%-igen CO2-Einsparung in diesem Bereich – mit weiterem Spielraum nach unten.

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