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DETAIL Stipendium, Stefan Prattes

Manufaktur Schloss Welsberg - Entwurf einer hybriden Produktionsstätte im historischen Kontext

Die Idee zur »Wanderbox Olot« entstand in den Weihnachtsferien 2014 während eines Urlaubs in meiner Heimat Südweststeiermark. Ich wohnte zu diesem Zeitpunkt in Olot, einer kleinen Stadt in Nordspanien. Dort absolvierte ich ein Praktikum in einem Architekturbüro und bewohnte eine unmöblierte Galeriewohnung im mittelalterlichen Stadtzentrum. In dieser Lebenssituation begann ich, über temporäres Wohnen und niedrig-preisige Einwegmöbel nachzudenken.

Der »moderne Nomade«
Im Zuge meiner Überlegungen kam mir die Idee für die sogenannte »Wanderbox Olot«, einen kompakten Wohnraum mit einem Kubikmeter Rauminhalt. Der schlank proportionierte Quader beinhaltet sämtliches essentielles Inventar und bietet zusätzlichen Raum für persönliche Gegenstände.

Positive Resonanzen von Fachleuten und Endkunden gaben den Impuls für die Weiterentwicklung und Optimierung der Wanderbox – bis hin zum fertigen Serienprodukt. Ein Vorhaben, das sich noch in den Startlöchern befindet.

Parallel dazu plane ich eine fiktive hybride Produktionsstätte. Der Bau bildet den primären Teil meiner Diplomarbeit und der Vision »Manufaktur Schloss Welsberg«.

Informationen zum Produkt »Wanderbox« unter: www.juustdesign.com

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Standort | Historischer Kontext
Das im barocken Baustil errichtete Schloss Welsberg in der Südweststeiermark befindet sich seit geraumer Zeit im Leerstand. Die bauliche Substanz weist erhebliche mechanische sowie witterungsbedingte Schäden auf, fehlende Installationen machen ein Bewohnen unmöglich.
Auf einer Anhöhe außerhalb des Dorfzentrums von Dietmannsdorf in unmittelbarer Nähe zur Bahnhaltestelle Welsberg der GKB liegend ist das Schloss aus der Ferne gut erkennbar. Das doppel-u-förmige Gebäude steht an der Kante eines abfallenden Nordhangs und öffnet sich zur Parkanlage nach Süden. 36 unterschiedliche Baumsorten formieren sich ringförmig um eine Wiese mit Sichtbezug zum Südportal.

Rund 2000 m2 Nettonutzfläche im Schlossgebäude und weitere 1000 m2 in den Wirtschaftsgebäuden westlich der Parkanlage bilden das räumliche Gesamtensemble. Aktuell sind 75 Prozent dieser Flächen ungenutzt und stellen eine zusätzliche finanzielle Belastung für die Eigentümer dar.

Problematik | Leerstand
Die geografische Lage des Anwesens, 45 Kilometer südwestlich von Graz, ist einer der Hauptgründe für das geringe wirtschaftliche Interesse der Investoren. Das wiederum hat einen voranschreitenden Verfall der Bausubstanz zur Folge. Die auf land- und forstwirtschaftliche Nutzung ausgelegten Strukturen des Schlossareals sind zu wenig lukrativ, um eine Wiederinbetriebnahme in Betracht zu ziehen.
Die Thematik der aktuellen Landflucht spiegelt sich nicht nur in diesem konkreten Beispiel wider, sondern hinterlässt in der gesamten Region ihre Spuren: Sechzig Prozent der Gebäude in Dietmannsdorf sind vom Leerstand betroffen, eine Wende ist noch nicht in Sicht.

Entwurf | Hybride Produktionsstätte
Renommierte Architekturbüros zeigen eindrucksvoll, dass es nicht immer der urbane Standort sein muss. Häufig wird ein intensiver Naturbezug zur Inspiration herangezogen, durch den sich die Gebäude von der breiten Masse absetzen. Eine hybride Produktionsstätte weitab von urbanen Agglomerationen zu definieren ist eine Herausforderung.

Was zeichnet eine »hybride Produktionsstätte« aus, worin liegen die Merkmale einer solchen Einrichtung und wodurch unterscheidet sie sich von einer herkömmlichen Produktionsstätte? Ein wesentliches Merkmal einer solchen Produktionsstätte ist womöglich, dass hier unterschiedliche Professionen mit spezifischen, zueinander passenden Kompetenzen in einer engen räumlichen Konfiguration aufeinander treffen – ein gezielt geplanter Austausch zwischen geistigen und körperlichen Arbeitsstrukturen. Die daraus resultierenden Synergien bringen kohärente Teilleistungen hervor, die je nach Bedarf kombiniert oder als fertige Endprodukte vermarktet werden.

Der archaische Begriff »Manufaktur« entspricht der Beschreibung der »hybriden Produktionsstätte« sehr gut. Die rein handwerklichen, also körperlichen Tätigkeiten einer Manufaktur werden durch den Faktor der geistigen Arbeit erweitert. Die Gesamtkonzipierung „Manufaktur Schloss Welsberg“ orientiert sich an der ursprünglichen Idee einer Manufaktur. Objektiv betrachtet handelt es sich jedoch um einen Hybrid.
Das Leistungsangebot der »Manufaktur Schloss Welsberg« ist mit jetzigem Stand nicht endgültigt determiniert und soll es auch in Zukunft nicht sein. Der hybride Gedanke beinhaltet auch das Wandelbare, das auf die Bedürfnisse der Zeit Reagierende.

Mit der Produktion und Vermarktung der »Wanderbox Olot« könnte beispielsweise ein erster Schritt in Richtung »Manufaktur Schloss Welsberg« getan werden. Die hierzu benötigten Professionen konzentrieren sich vor allem auf Metall- und Holzverarbeitung. Durch den Anbau von Nahrungsmitteln auf den Nutzflächen des Anwesens könnte ein eigener Restaurantbetrieb versorgt werden. Der Vertrieb von hochwertigen Lebensmitteln könnte zudem ein weiteres Standbein schaffen. Mit dieser Ideologie der eigenen Ressourcenverwertung besteht die Chance, dass angestrebte Ziel einer Reaktivierung des historischen Bestandes zu realisieren.

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