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Naturidylle auf Truppenübungsplatz: Das Outdoor Recreation Center in Grafenwöhr

Der Nationalpark Bayerischer Wald ist für viele Touristen ein begehrtes Urlaubsziel. Auch hundert Kilometer nördlich gibt es ein Gebiet im Oberpfälzer Wald, dessen Flora und Fauna sich Jahrzehnte lang selbst überlassen blieb: Der Truppenübungsplatz Grafenwöhr. Jetzt wurde dort ein Freizeitcamp eröffnet, das sich wie eine kleine Siedlung aus Holzhütten naturnah in die Umgebung einfügt. Die »Siedler auf Zeit« sind jedoch keine Touristen, sondern Soldatinnen und Soldaten der US-Army, die sich dort nach Auslandseinsätzen gemeinsam mit ihren Familien erholen.

Architekt: Karlheinz Beer Architekt BDA und Stadtplaner
Ort: Grafenwöhr, Oberpfälzer Wald

Outdoor Recreation Center, Grafenwöhr, Architekt Karlheins Beer, 2012, US Armee, Ansicht
Eingangshof zwischen Flachbau und Kletterhalle (links), Foto: Edwin Kunz, Leoni

»Wild Boar Outdoor Recreation Center«, was soviel heißt wie »Wildschwein Erhohlungszentrum« nennen die Amerikaner der US-Garnison Bavaria liebevoll die Anlage, die in dieser Form und Konzeption europaweit einzigartig ist. Zwischen Wildschweinrudeln und Panzerkonvois dient das »Dschungelcamp« im Oberpfälzer Wald als Ausgangsbasis für Rafting in den Bayerischen Alpen, Falschirmspringen vom benachbarten Militärflugplatz oder für Ausflüge nach Polen und Tschechien. Doch auch vor Ort steht den Familien ein breites Angebot zur Verfügung, etwa ein Hochseilgarten oder eine Kletterhalle. Das Herz der Anlage ist das flache Empfangsgebäude mit Restaurant und überdachter Terrasse. Architekt Karlheinz Beer und seine Mitarbeiter Gina Lankes, Katharina Lay und Alexander Würner lösten die Typologie des »Centers« in eine pavillonartige, der Topografie folgenden Anlage auf, gliederten die Kletterhalle aus dem Agglomerat des Raumprogramms und gestalteten sie als eigenständigen Baukörper. Als höchster Baustein des Ensembels wirkt sie als charakteristischer, identitätsstiftender Hochpunkt. Die Silhouette des traditionellen Satteldachs der Halle sorgt für ihre kontextuelle Einbindung trotz der Höhe. Mit ihrer Fassade aus Holzschindeln zeigt sie sich als eigenständiger Bau, der dennoch mit den brettverschalten Flachbauten ein Ensemble bildet.

Outdoor Recreation Center, Grafenwöhr, Architekt Karlheins Beer, 2012, US Armee, Ansicht
Foto: Edwin Kunz, Leoni
Outdoor Recreation Center, Grafenwöhr, Architekt Karlheins Beer, 2012, US Armee, Ansicht, Innenraum
Restaurant, Foto: Edwin Kunz, Leoni

Nicht nur an der Gebäudehülle, sondern auch an den Oberflächen im Inneren unterstreicht Holz die Idee vom Leben in der Natur und nimmt der Sichtbetonkonstruktion die sonst für Militärbauten typische atmosphärische Härte.

Outdoor Recreation Center, Grafenwöhr, Architekt Karlheins Beer, 2012, US Armee, Ansicht, Schindel
Foto: Edwin Kunz, Leoni

Die Schindelfassade der Kletterhalle und die Holzschalung des Flachbaus nehmen traditionelle Handwerkstechniken der Region auf und strahlen eine informelle Gelassenheit aus.

Outdoor Recreation Center, Grafenwöhr, Architekt Karlheins Beer, 2012, US Armee, Ansicht, Lager
Foto: Edwin Kunz, Leoni

Von außen fügt sich auch die Kletterhalle durch den Verzicht auf große Glasfassaden in das Landschaftsbild ein. Das Oberlichtband in der schrägen Dachfläche und das hohe Fenster sorgen für genügend Tageslicht.

Foto: Edwin Kunz, Leoni

Wie die Blockhäuser der frühen amerikanischen Siedler sind die Ferienhäuser mit Satteldach locker zwischen den Bäumen verteilt. Sanitärräume und Lagergebäude ergänzen den angeschlossenen Zeltplatz.

Das Outdoor Recreation Center in Grafenwöhr ist eine einzigartige Anlage, bei der die informellen naturbezogenen Bauten und Außenanlagen den Ansatz der Erlebnispädagogik für Soldatinnen und Soldaten mit einer zurückhaltenden Architektursprache unterstützen. Die aktuelle militärische Zuspitzung in den Krisenregionen der Welt lässt erwarten, dass dieses Konzept zahlreiche Nachfolger finden wird. Vielleicht wird das Militärcamp aber eines Tages auch zu einer ganz normalen Freizeiteinrichtung für Touristen – die Architektur wäre dazu ideal. Wie sang doch John Lennon bereits 1971? »Imagine ... all the people living life in peace...«.
Ein Jahr zuvor wurde der Bayerische Wald zum ersten Nationalpark Deutschlands.

Bauherr: Reg. der Oberpfalz, U.S. Army
Fertigstellung: 2013

weitere Informationen:
www.beerarchitekt.de

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