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Weg für biobasierte Dämmstoffe bereiten

Der Einsatz von nachwachsenden Rohstoffen – besonders in Verwendung als Dämmstoff – muss noch immer mit vielen Vorurteilen und mit diversen baurechtlichen Hürden kämpfen. Materialien wie Stroh, Hanf, Flachs, Kork, Schafwolle, Schilf oder Seegras, um nur einige der zahlreichen möglichen Werkstoffe aufzuzählen, erscheinen sowohl vielen Bauherrn als auch Planern ironischerweise zu natürlich, als dass sie die hohen Anforderungen an ein Baumaterial erfüllen könnten.

Dabei haben nachwachsende Rohstoffe viele Vorteile: Sie sind regional erwerbbar, leicht zu verarbeiten und zu entsorgen, sie sind kostengünstig und haben ideale Werte in der Ökobilanz. Trotzdem müssen Verfechter der natürlichen Dämmstoffe noch mit vielen strukturellen Hindernissen kämpfen, denn vor allem Baurecht und Normen erschweren die Anwendung. Mittlerweile haben zwar bereits viele Wärmedämmprodukte aus nachwachsenden Rohstoffen ihren Platz in Regelwerken gefunden und den Status der »allgemein anerkannten Stand der Technik« erhalten. Auch lang angelegte Dauertest im Rahmen des Förderprogramms »Nachwachsende Rohstoffe« haben die dauerhafte Gebrauchstauglichkeit von Flachs, Haft, Zellulose, Holzspänen und Holzfaserdämmplatten über einen Zeitraum von mehr als 10 Jahren belegt. Wärmeschutz- und Feuchtmessungen zeigten, dass »die Vorbehalte gegenüber diesen Materialien nach heutigem Kenntnisstand unbegründet sind. Mit der Langzeitstudie wurden sowohl die hochwertige Qualität als auch deren Funktionalität belegt«, wird in der 9. Auflage der FNR-Marktübersicht Dämmstoffe erläutert. Darin wird eine sehr detaillierte Übersicht der Vielfalt der natürlichen Dämmmaterialien, deren Herstellung und Zusammensetzung, Anwendungsgebiete und Verarbeitung sowie alle relevanten bauphysikalischen Fakten zu beispielsweise Wärmeleitfähigkeit, Diffusionswiderstand, Übertragung von Schall, Baustoffklasse oder Brandverhalten gegeben. »Bei richtigem Einbau und Kenntnis der Materialeigenschaften stehen Naturdämmstoffe in Langlebigkeit und Dauerhaftigkeit anderen Dämmstoffen in nichts nach und ihre besonderen Vorzüge in umwelt- und gesundheitsrelevanter sowie auch in bauphysikalischer Hinsicht, z. B. beim sommerlichen Wärmeschutz, kommen voll zum Tragen“, heißt es in der Publikation.

StaR-Dämm
Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) und das Thünen-Institut für Holzforschung (TI) setzen im Projekt »Stärkung nachwachsender Rohstoffe im Dämmstoffmarkt (StaR-Daemm)« auf Fachdialoge und Öffentlichkeitsarbeit, um Informationsdefizite abzubauen und einen gesellschaftlichen Dialog anzuregen. Dazu sind Expertendialoge mit Vertretern aus Wissenschaft, Praxis, Politik und Verbänden geplant. Ziel ist es, strukturelle Hemmnisse gegenüber den nachwachsenden Produkten zu identifizieren und Lösungsvorschläge zu entwickeln. Die Ergebnisse sollen in das Forschungsprojekt »NawaRo-Dämmstoffe« einfließen.

NawaRo-Dämmstoffe
Im groß angelegten Forschungsverbund »Mehr als nur Dämmung - Zusatznutzen von Dämmstoffen aus nachwachsenden Rohstoffen (NawaRo-Dämmstoffe)« ermitteln insgesamt zwölf Forschungseinrichtungen, dreizehn Industriepartner und drei Verbände unter Koordination des Fraunhofer-Instituts für Holzforschung (WKI) Materialkennwerte und entwickeln Messverfahren. Diese Kennwerte sollen die Basis schaffen, damit pflanzliche Materialien künftige Baugenehmigungsverfahren einfacher durchlaufen. Dazu wollen die Forscher im Arbeitsbereich Brandschutz Daten ermitteln, um die Feuerwiderstandsdauer von Konstruktionen mit biobasierten Dämmstoffen einfacher berechnen zu können. Momentan müssen Planer für den Feuerwiderstandsnachweis noch aufwändige Bauteilprüfungen durchführen. Durch die Möglichkeit der Berechnung würde sich das Genehmigungsverfahren vereinfachen. Zudem plant das Forscherteam die Entwicklung eines Konzepts für ein schwer entflammbares biobasiertes Wärmedämmverbundsystem, das der Baustoffklasse B1 entspricht. Im Arbeitsbereich Wärmeschutz steht die Untersuchung der Wärmeleitfähigkeit in Abhängigkeit unterschiedlicher Feuchtigkeitsgehalte auf der Agenda. Mit den Ergebnissen könnten die zum jetzigen Zeitpunkt pauschal gewählten Feuchtezuschläge für nachwachsende Dämmstoffe korrigiert werden. Für den Wärme- und Schallschutz ist außerdem die Neu- bzw. Weiterentwicklung von Messverfahren geplant, um die entsprechenden Materialeigenschaften einfacher nachweisen zu können. Einen weiteren Schub könnten NawaRo-Dämmstoffe erhalten, wäre ihr Zusatznutzen in puncto Nachhaltigkeit quantifizier- und damit noch eindeutiger kommunizierbar. Ein Ziel des Forschungsverbundes ist es deshalb auch, Daten für die Nachhaltigkeitsbewertung bereit zu stellen. Die Forscher wollen dabei auch die Fähigkeit der organischen Materialien untersuchen, Schadstoffkonzentrationen in der Raumluft zu minimieren.

Informationen zu beiden Projekten sowie zu einer Vielzahl von Teilvorhaben können auf der Internetseite der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V. eingesehen werden.

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