Zukunftstrends im Bad

„Evidenz“ - Interview mit den Palombas

Viele Designer beschäftigen sich mit dem Thema Bad. Doch die Intensität und das Herzblut, mit dem sich das Mailänder Designerpaar Ludovica und Roberto Palomba des ehemals „vergessenen Raums des Hauses“ annimmt, ist einzigartig. In einem Interview mit Detail.de erklären sie, was sie antreibt.
 
Detail.de: Hatten das Baden und die Hygienrituale in Ihrem Leben schon immer mehr Raum als bei Anderen? Wie sahen beispielsweise die Bäder ihrer Studentenzeit in Rom aus?

Roberto: Unsere beiden Bäder waren höchst unterschiedlich. Ludovica lebte im Palazzo ihrer Familie, einem prächtigen Gebäude im Zentrum, denn ihre Mutter ist Architektin. Ihr Bad war alles andere als langweilig oder alltäglich. Ich dagegen habe ein kleines Haus in der Nähe des Kolosseums, das auch mein erstes Projekt im Bereich Interior Design war. Meine Bäder waren ausschließlich mit “Linda” von Achille Castiglioni eingerichtet.
– Ich muss zugeben, zu dieser Zeit hätte ich nie gedacht, jemals Badkeramik zu entwerfen.
 
Detail.de: Sie beschäftigen sich schon seit langem mit dem Thema Bad – und beeinflussten die Entwicklung, dass die einstige Nasszelle zu einem der wichtigsten Räume der Wohnung wurde. Woran haben sie erkannt, dass die Zeit dafür reif ist?

Ludovica+Roberto: Weil uns das, was es gab und wie es war, nicht gefiel.


Detail.de: Roberto hat in einem Interview über ihre wegweisenden Entwürfe für Ceramica Flaminia gesagt: „Wir waren uns unseres Projektes absolut sicher. Wir hatten die Gesellschaft erforscht und verstanden, dass es das war, was die Menschen wollten und was sie brauchten.” Woher konnten Sie wissen, was die Menschen brauchten? Und woher nahmen Sie Ihre Sicherheit?

Ludovica: Ein bisschen Verrücktheit, ein wenig Überheblichkeit – die Grundvoraussetzungen für  jeden wegweisenden Planer. Und dann: jede Menge Recherche und Forschung.
 
Detail.de: Wie wurden die ersten Entwürfe aus der Zusammenarbeit mit Ceramica Flaminia aufgenommen?

Roberto: Unsere Entwürfe für Ceramica Flaminia umfassten genau die Produkte, die auf dem Markt noch fehlten. In der Tat, es war wie eine Explosion! Die einzigen kritischen Stimmen gab es von den Händlern, die dann – was für ein Zufall – am Ende die zufriedensten waren.
 
Detail.de: Das Thema Ökologie nimmt auch im Bad immer mehr Platz ein. Steht diese Entwicklung Ihrer Meinung nach dem Wellnesstrend im Weg?

Ludovica+Roberto: Absolut nicht. Es gibt kein Wohlbefinden ohne Ökologie, genauso wie es kein ökologisches Bewusstsein ohne Erziehung gibt.
 
Detail.de: Was macht für Sie ein perfektes Bad aus?

Ludovica: Licht!

Detail.de: Jetzt, da das Thema Wohlfühlbad allgegenwärtig ist – was ist das Besondere an Ihren Projekten?

Ludovica+Roberto: Die Evidenz. Offensichtlichkeit: Wir glauben, über die Jahre, den unausgesprochenen Bedürfnissen der Menschen mit unserer Arbeit auf eine verständliche Weise Form und Wert gegeben zu haben.
 
Detail.de: Wie sehen Sie die Zukunft des Bades? Welche Tendenzen zeichnen sich ab?

Roberto: Sicherlich viel Technologie. Wir werden damit weitermachen, das Verhalten der zeitgenössischen Gesellschaft zu analysieren. Und unsere nächsten Kollektionen auf der Basis dieser Analysen entwerfen.
 
Detail.de: Unsere User sind Architekten und Planer? Was können sie ihnen zum Thema Badplanung mit auf den Weg geben?

Roberto: Schaut euch zuallererst Kataloge an! Sie sind voller interessanter Anstöße.
 
Detail.de: Der Mailänder Salone del Mobile findet gerade diese Woche statt. Was bedeutet er für Sie?

Ludovica+Roberto: Ein großer Moment der Inspiration, sowohl in Bezug auf Produkte als auch auf Strategien.
 
Detail.de: Herzlichen Dank für das Gespräch!
zukunftstrends, bad, sanitär
Foto: Ludovica+Roberto Palomba

Zur Website von ps+a Palomba Serafini Associati
Übersicht der Themenserie "Zukunftstrends im Bad" Teil 1: Andere Zeiten, andere Länder, andere Bäder Teil 2: Bäder für alle - barrierefrei, seniorengerecht Teil 3: Wasserverbrauch im Bad reduzieren Teil 4: Messevorschau SHK Essen 2010 Teil 5: Heizen und Lüften im Bad Teil 6: Neues Bad in alten Mauern Teil 7: Enorme Bandbreite an Stilen Teil 8: Materialien im Bad: Hightech trifft Tradition Teil 10: Von Home-Spa bis Easy Bathroom Teil 11: Das unsichtbare Bad Teil 12: Back to the roots
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Marion Dondelinger

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Detail, 03.09.2010