Architektur seit der Wende
Sanierung und Umbau des Hauptbahnhofs Dresden (2007)
Folge 18
Architekten: Foster + Partners, London

Lageplan
Das Gesamtkonzept für Instandsetzung und Umbau des
Bahnhofs folgte dem Grundsatz, den historischen Bestand zu respektieren, seine
Wirkung zu stärken und zugleich zukunftsweisende Elemente einzubringen, die die
moderne Entwicklung der Bahn repräsentieren. Durch das neue 30 000 m2
große, transluzente Membrandach aus PTFE-beschichtetem Glasfasergewebe strömt
Tageslicht in die Bahnhofshalle. Nachts reflektiert die Membran das Kunstlicht
im Inneren, zugleich beginnt das Hallendach nach außen hell zu schimmern. Für
ein Membrandach dieser Größe einmalig, wurde die Sanierung unter laufendem
Betrieb ausgeführt. Der nach Berlin und Leipzig drittgrößte Bahnhof im Osten
Deutschlands wurde 1898 nach Entwürfen von Ernst Giese und Paul Weidner erbaut.
An das historische Empfangsgebäude schließen eine 60 m breite Mittelhalle als
Kopfbahnhof und zwei seitliche, 32 m breite Hochgleis-Durchgangshallen an. In der
Nachkriegszeit
war das ursprünglich teils glasgedeckte Hallendach mit einer Holzverschalung
versehen worden, die kaum Tageslicht einließ. Die Architekten entfernten alle
An- und Umbauten, um den Ausdruck des ursprünglichen Entwurfs wieder spürbar zu
machen. Das eiserne Bestandstragwerk wurde saniert und durch zurückhaltende
zusätzliche Stahltragelemente verstärkt, sodass neben der neuen Membrandeckung
die feine Detaillierung des historischen Stahlbaus zur Geltung kommt. Das
lineare Bogentragwerk war ursprünglich nur zur Ableitung der vertikalen
Dachlasten konzipiert. Da jedoch infolge der räumlichen Membranvorspannkräfte,
vor allem bei asymmetrischen Lastfällen, erhebliche horizontale Beanspruchungen
auftreten, wurde eine geometrisch und statisch vermittelnde
Stahlunterkonstruktion für die Membran als »Adapter« eingefügt. Das
Bestandstragwerk wurde in Felder aus je zwei bis drei Bögen unterteilt, die
jeweils durch Horizontalausfachungen gekoppelt und ausgesteift sind. Die
Membran aus ca.10 x 5–14 m großen Feldern schließt oberhalb der Bögen an die
Stahlrundrohre der Unterkonstruktion an. Die paarweise geführten Rohre nehmen
die Membrankräfte auf und leiten sie über die räumliche Stahlunterkonstruktion
in die Obergurte der Bestandsbinder ein. Über den Bogenscheiteln weitet sich
der Abstand der Rundrohre zu linsenförmigen Öffnungen, die als Oberlichter mit
Glas eingedeckt sind. An jedem zweiten Bogen ist das Membrandach zwischen
Mittel- und Seitenhalle zu konischen Tiefpunkten nach unten gezogen. Dadurch
ergibt sich neben der Entwässerungsmöglichkeit eine statisch sinnvolle Krümmung
in Hallenlängsrichtung. An den übrigen Bögen ist die Membran dagegen entlang
frei hängender Stahlseile von den Enden der Oberlichter in der Mittelhalle zu
den Seitenhallen geführt. Die einzelnen Bogentragwerke sind an den Obergurten
mit Notseilen gekoppelt, damit das Bestandstragwerk bei Ausfall eines
Membranfeldes nicht überbeansprucht wird. Da einfache, kostengünstige
Membranklemmen ohne Nachspannmöglichkeit eingesetzt wurden, war ein exakter
Zuschnitt der Membran und ein präziser Montageablauf erforderlich. Dabei musste
die Differenz zwischen der spannungslosen und der im Endzustand gedehnten,
räumlich gekrümmten Membran kompensiert werden. --Im Zuge der umfassenden
Renovierung und Neu-strukturierung des historischen Empfangsgebäudes wurde auch
dessen 34 m hohe Kuppel als Glaskuppel instand gesetzt und mit einem beweglichen
ETFE-Folienkissen mit 15 m Durchmesser unterspannt.



Heide Wessely
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