Hintergrund

Farbgestaltung mit System

Bis zu 10 Millionen Farbtöne kann das menschliche Auge unterscheiden. Will man diese Farbtöne nicht nur wahrnehmen, sondern mit ihnen auch gestalten, ist eine intuitive und effektive Systematik unumgänglich. Das von Brillux dazu entwickelte Farbplanungssystem »Scala« ist seit 2001 am Markt und wurde bereits mit mehreren Designpreisen ausgezeichnet. Mit einigen interessanten Ergänzungen und neuen Arbeitsmitteln präsentiert sich Scala seit Frühsommer dieses Jahres noch praxisorientierter.
 
 
DETAIL: Welche Kriterien liegen Scala zugrunde?
 
Dusny: Farben wirken niemals absolut, sondern immer in Bezug zum Umfeld und in Abhängigkeit von ihrer Flächenausdehnung. Bis zu zehn Millionen Farbtöne kann unser Auge wahrnehmen und unterscheiden. Wie sollen wir vor diesem Hintergrund die jeweils richtige Auswahl für ein Bauwerk treffen und gezielt mit Farbe Architektur gestalten? Genau mit dieser Fragestellung setzt sich bei uns im Haus seit vielen Jahren ein Team von Farbexperten und Praktikern auseinander. Architekten, Farbdesigner, Wissenschaftler, Chemiker, Farbtechniker und Verarbeiter waren und sind am Entwicklungsprozess beteiligt. Mit dem Ziel, ein Farbplanungssystem zu entwickeln, das auf der einen Seite vielseitig und pragmatisch ist, und auf der anderen Seite detailgenau und universal auf alle Aufgaben in der Architektur anwendbar. Die Planungswerkzeuge müssen dabei möglichst intuitiv sein.
 
 
DETAIL: Wie ist das System aufgebaut?
 
Dusny: Wie andere Farbplanungssysteme auch definiert Brillux Scala die einzelnen Nuancen nach den drei Grundeigenschaften Farbton, Sättigung und Helligkeit. Um gleichzeitig einen größtmöglichen Praxisnutzen zu erzielen, modifiziert Brillux Scala dieses streng messtechnische System unter wahrnehmungsbezogenen Aspekten.
 
Ausgangspunkt für Brillux Scala ist der 32-teilige Scala Farbkreis, dessen reine Bunttöne das gesamte Farbspektrum umfassen. Er ist in übersichtliche und leicht nachvollziehbare Farbfamilien eingeteilt, die in einem sechsstelligen Zahlencode nach Farbton, Sättigung und Helligkeit abgebildet sind. Und dies mit genügend „Luft“ für Erweiterungen.
 
 
DETAIL: Unterscheidet sich Scala hierin von Systemen anderer Hersteller und wenn ja, warum?
 
Dusny: Ja, denn die Definition des Farbraums und die Verdichtung zu den Farbfamilien ist die Besonderheit von Scala. So enthält das System ausschließlich Farbtöne, die sich für die Farbgestaltung von Räumen und Fassaden eignen. Bestimmte Farbtöne, z. B. aus dem Grün- und Violettspektrum, die in der architektonischen Farbgestaltung nur sehr eingeschränkte Anwendungsmöglichkeiten finden, verdichtet Scala zu praxisgerechten Farbtonfamilien. Gestalterisch wichtige Farbtonbereiche hingegen, z. B. Braun-, Grau- und bestimmte Rotbereiche, wurden um entscheidende Farbtöne erweitert.
 
 
DETAIL: Wie sehen die aktuellen Erweiterungen von Scala aus? Welche Vorteile ergeben sich hieraus für den Planer
 
Dusny: Nichts ist beständiger als der Wandel – das gilt auch für Farbräume, die in der Architektur nachgefragt werden. Mit der Erweiterung von Scala in diesem Jahr nehmen wir diese Entwicklungen auf und nutzen dabei auch die neuen technischen Möglichkeiten für einen noch größeren Farbspielraum, die sich uns durch Fortschritte in der Pasten- und Basentechnologie bieten. 210 neue Farbtöne ergänzen die Palette in den bestehenden 32 Scala Farbfamilien, sodass jetzt insgesamt 1.514 Farbtöne und zusätzliche Holzlasurtöne zur Verfügung stehen.
 
Der Anwender hat nun die Wahl aus weiteren Graureihen, mit denen sich z. B. Sockelbereiche noch differenzierter gestalten lassen. Außerdem hat unser Entwicklungsteam das System um sehr helle Farbtöne speziell im Gelbbereich, um neue Brauntöne sowie WDVS-geeignete Rottöne erweitert. Hier war es unseren Fachleuten wichtig, die Gestaltungsmöglichkeiten an der Fassade wie im Innenraum zu ergänzen. Außerdem bereichern ganz neue Trendnuancen und spezielle Farbtöne für den europaweiten Einsatz das Farbplanungssystem. Somit ist der Anwender jetzt auch für die Gestaltung über Ländergrenzen hinweg bestens gerüstet.
 
 


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Detail, 10.02.2012