Recycling

Altreifen-Design von Millegomme

„Wir beide sind Architekten, die im Thema Abfall mehr Inspiration und Perspektive finden konnten als in der trockenen, eher humorlosen und statischen Welt der Architekturbüros.“ So erklärt Jan Körbes von Millegomme, wie er und Denis Oudendijk dazu kamen, aus Altreifen Installationen, Möbel, Spielgeräte, Ladeneinrichtungen und Fassadenelemente zu bauen.

Decogomme, Millegomme, Altreifen
Fassadeninstallation Decogomme, Den Haag, Niederlande, Juni 2006
Foto: Millegomme

Viele Designer arbeiten heute mit Recyclingmaterialen. Doch nicht viele legen ihren Fokus so konsequent auf dieses Material wie Jan Körbes und Denis Oudendijk von Millegomme, die mit alten Autoreifen Fassaden gestalten, Geschäfte einrichten und in Südafrika das Warten auf den Bus angenehmer machen. Seit 2002 beschäftigen die beiden Architekten sich mit dem Material „Altreifen“. In ihren Workshops und Projekten finden sie immer wieder neue Lösungen, abseits der weltweit verbreiteten „Autoreifendesign Top Ten“ aus Reifenschaukeln und Traktorreifenfuttertrögen.

Die Wurzeln der Arbeit des Duos liegen in einem Projekt in Slumgebieten in Rom, wo Körbes und Oudendijk mit Abfallmaterialien vor Ort arbeiteten und „alte Reifen das einzige nichtorganische und brauchbare Material“ waren, wie sie berichten. Inzwischen haben Millegomme verschiedenste Objekte aus Reifen realisiert – von der poetisch anmutenden Installation „Decogomme“ an der Fassade des Niederländischen Finanzministeriums in Den Haag (2006) bis hin zur funktionalen Bushaltestelle „Lazy Stop“ in Durban in Südafrika (2008). Im Jahr 2008 nahmen Millegomme auch an der Architekturbiennale in Venedig teil.

In internationalen Workshops entwickeln sie mit Partnern vor Ort individuelle Objekte und zeigen, wie man mit viel Kreativität und nur wenig Material, Neues schafft. Auch bei architektonischen Projekten wie dem Gartenhaus „Maison Gomme“ (2005) bleiben Millegomme ihrer Philosophie treu und benutzen Baumaterialien, die sie vor Ort finden – natürlich auch Autoreifen.

Jan, Ihr seid beide Architekten, aber Denis Oudendijk kommt aus Amsterdam, du aus Düsseldorf. Wie habt Ihr euch gefunden?
Millegomme entstand 2002 während eines Projektes in Rom, wo Denis und ich eingeladen waren, um in verschiedenen Slumsiedlungen (Zigeunerlager?) mit lokalen Abfallmaterialien Spielzeuge für die dort lebenden Kinder zu entwickeln. Aus Autoreifen wurden Schaukelpferde, rollende Tintenfische und viele andere Spielzeuge. Zusammen fingen wir an, das Potential von alten Reifen als Bau- und Rohmaterial für verschiedene funktionelle Prototypen und Produkte zu erforschen. Und das nicht nur in der Dritten Welt, wo die Nachfrage größer war, sondern auch in westlichen Regionen.

Decogomme, Millegomme, Altreifen
Reifenelefant in Aktion – Kapstadt, Südafrika, 2006
Foto: Millegomme

Ihr bezeichnet „Millegomme“ als ein Netzwerk. Warum?
Meistens luden wir bei Projekten lokale Experten verschiedener Disziplinen ein, die zusammen mit uns experimentierten, um die Grenzen des Materials auszuloten und neue Wege seiner Bearbeitung und Gestaltung zu finden. So entstand ein internationales Netzwerk von erfahrenen „Tyre Crafters“, die sowohl räumlich-kreativ als auch technisch eigenständig Autoreifenprodukte entwickeln können. Bei Projekten in Regionen mit Millegomme-Partnern werden diese ins Team eingeladen oder führen Projekte selbstständig aus.

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Detail, 10.02.2012