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Rolex Learning Center in Lausanne

Die diesjährigen Pritzker-Preisträger SANAA Kazuyo Sejima und Ryue Nishizawa sind für ihre transparenten Glasfassaden berühmt. Beim Rolex Learning Center der EPFL in Lausanne waren sie vor besondere Herausforderungen gestellt: Die Bodenplatten bestehen aus doppelt gekrümmtenSpannbetonschalen, die ebenfalls zweifach gekrümmte Dachkonstruktion ist dagegen als Leichtbau ausgeführt. Dennoch gelang es, die daraus resultierenden außerordentlich großen Horizontalbewegungen mit schlanken Fassadenprofilen aufzunehmen.


Blick über das Rolex Learning Center
alle Fotos: Frank Kaltenbach

Die Lage der École Polytechnique Fédérale de Lausanne (EPFL) am Nordufer des Genfer Sees ist einzigartig. Segelboote ziehen elegant ihre Linien durch das stahlblaue Wasser vor der Kulisse mit Gletschern bedeckter, über 4000 Meter hoher Gebirgsmassive. Einzigartig ist auch das neue Herz des Campus: ein durchlässiges Rechteck von 166 ≈ 121 m Seitenlänge, gewellt wie die Hügel der umgebenden Moränenlandschaft, aus dem 14 runde Patios mit Durchmessern von 7 bis 50 m wie ausgestanzt scheinen. Das Programm des Learning Centers vereint auf 17 000 m2 auf einem Geschoss unterschiedlichste Funktionen, um den interdisziplinären Austausch der Wissenschaftler zu fördern und mit einem attraktiven Ambiente internationale Spitzen­forscher anzuziehen. Mit ihrem unkonventionellen Konzept und der organischen Formensprache verkörpert die Raumskulptur in idealer Weise die Werte der Hochschule und wird zu deren Logo für Transparenz, Vernetzung und Innovation innerhalb eines geregelten Rahmens.


Rolex Learning Center


Den Entwurf in die Realität umzusetzen und die angestrebte Leichtigkeit und Transparenz zu erhalten erforderte höchste Anstrengungen.

Bodenplatte aus Beton

Die elegant kühnen Betonschalen überspannen bei nur 30–60 cm Dicke bis zu 50 m. Die glatt poliert scheinende Untersicht wird zur sechsten Fassade, reflektiert jedes Licht und schafft bei Gegenlicht Effekte, die an japanische Räume oder aber die Gletscherhöhlen der nahen Bergwelt erinnern.
Generell können zweifach gekrümmte Stahlbetonschalen  sehr schlank ausgebildet werden. Wegen der vielen großen Öffnungen der Patios können die zwei zweifach gekrümmten Beton-Bodenplatten, statisch gesehen jedoch nicht als effizientes Flächentragwerk ausgebildet werden, sondern mussten durch in die Betonschalen eingelegte Bögen aus Bewehrungsstahl zwischen den Patios verstärkt werden. In die kleinere Schale sind 4 Bögen mit Bewehrungsrundstählen von bis zu 50 mm integriert, um Platz für den Beton zu lassen, in die größere Schale 7 solcher Bögen. Bewehrungsstahl mit so dicken Durchmessern wurde bisher nich nicht in der Schweiz eingesetzt. Die dicken Rundstähle waren erforderlich, um in der dichten Bewehrung überhaupt noch Platz für den Beton zu lassen, der sich so trotz der engen Bewehrung besser verteilen kann als bei mehreren dünneren Querschnitten.

Der Auflagerdruck dieser Bögen wird von Vorspannkabeln aufgenommen, die als Zugbänder in die Tiefgaragendecke eingelegt sind. Die Tiefgarage selbst steht als Wanne auf 618 Bohrpfählen, die bis zu  20 mTiefe im Boden verankert sind.

Der Betonbau von der Gründung bis zur Demontage der Schalung dauerte ein Jahr, der Betoniervorgang der großen Schale wurde innerhalb 48 Stunden ohne Unterbrechung abgewickelt. Ein Monat nach dem Betonieren wurden die Vorspannkabel in der Decke über der Tiefgarage angezogen, die die Betonschalen wie einen Bogen um 10 cm Stichhöhe anheben. 50 Hydraulikunterstützungen ersetzten die Schaltafeln, um innerhalb eines Monats, bis in kleinen Schritten simultan absenken bis die Schale frei spannt. Erst nachdem die Betonplatten abgetrocknet waren wurde mit den Aufbauten begonnen um nachträgliche Verformungen so weit wie möglich zu vermeiden.

Dachkonstruktion in Leichtbauweise: Stahl und Holz
Die Deckenkonstruktion besteht in Nord Süd-Richtung aus IPE 400 als Hauptträger mit einem Achsabstand von 9 Metern und in Ost West Richtung aus IPE 300 als Nebenträger mit einem Abstand von 3 Metern. In den gekrümmten Bereichen sind die IPE 400 polxgonal in Segmenten geknickt, als Nebenträger wurde hier Brettschichtholz eingesetzt, das sich weit weniger als Stahl bei Temperaturänderungen bewegt. Mit Holz können die Biegungen mit der Verleimungstechnik in Längsrichtung kontinuierlich ausgeführt werden, Ober-und Unterseiten lassen sich entsprechend der Querneigung dreidimensional fräsen. Das nur 26 mm hohe Trapezblech lässt aufgrund seiner geringen Steifigkeit an diese Krümmungen anschmiegen, die Spannweite musste aus dem selben Grund jedoch auf 1,50 halbiert werden.




Sanaa, Rolex Learning Center, Lausanne

Sanaa, Rolex Learning Center, Lausanne

Rolex Learning Center

Perimeterfassade Typ A
West-,Süd- und Ostseite mit außenliegendem Sonnenschutz (Abb. oben), Nordseite ohne zusätzlichen Sonnenschutz.



Sanaa, Rolex Learning Center, Lausanne
Durchmesser ca. 50m


Patiofassade Typ B


Sanaa, Rolex Learning Center, Lausanne
Schnitt Maßstab 1: 200

Perimeterfassade Typ A mit Silikonfuge und verdecktem Glashalter im Falzraum.
Patiofassade Typ B mit linearer Anpressleiste.






 
 

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Detail, 10.02.2012