
Die Dorothea-Schlözer-Schule in Lübeck ist eine Berufsschule für Ernährung, Gesundheit und Sozialwesen. In der Vergangenheit war sie auf mehrere Standorte innerhalb der Stadt verteilt. Im Zuge der Erweiterung und Weiterführung des Schulentwicklungsplans der Stadt Lübeck konnten die einzelnen Bereiche 2008 an einem zentralen Standort nördlich der historischen Altstadt zu einem neuen Berufsschulzentrum zusammengeführt werden. Die ausgeführte Erweiterung ging aus einem Realisierungswettbewerb hervor, den das Düsseldorfer Büro Schuster Architekten für sich entscheiden konnte.
Prägend für den Entwurf von Schuster Architekten war die Topografie der Umgebung sowie die Einbindung des neuen Baukörpers in die kleinteilige Nachbarbebauung. Das Grundstück grenzt im Süden an eine bestehende Jugendherberge, im Norden an den Eschenburgpark mit seinem historischen Baumbestand und einer Wasserfläche. Zwei Straßenzüge fassen die Situation in östlicher und westlicher Richtung. Der Geländeversprung zwischen den beiden Erschließungsstraßen beträgt bis zu 6 m. Die Wasserfläche des Parks liegt noch einmal 2 bis 3 m tiefer. Ein auf dem Grundstück bestehender Schulbau sollte in den Entwurf für die Erweiterung integriert und im Anschluss saniert werden, weitere Nebengebäude konnten hingegen abgerissen werden.

Auf der konstruktiven Grundlage eines Stahlbetonskeletts entwickelten die Architekten eine klare Grundrissgeometrie, die eine einfache und selbstverständliche Orientierung innerhalb der Schule ermöglicht. Die einzelnen Fachbereiche stehen in einem sinnvollen räumlichen Zusammenhang und werden durch zentrale Gemeinschaftsflächen ergänzt. Der Geländeversatz und die Einschnitte durch die Pausenhöfe sorgen für eine gute Belichtung und Belüftung der Räume. Die Haupterschließung der einzelnen Etagen des Schulhauses erfolgt in der zentralen dreigeschosssigen Eingangshalle über eine offene, skulpturartige Treppenanlage. Nach Norden hin öffnet sich diese Halle mit einer großzügigen Glasfassade zum Eschenburgpark. Ein Verbindungsbau mit einer Fassade aus satinierten Glasbausteinen verknüpft den Altbau mit dem um ein halbes Geschoss versetzten Neubau.

Das gestalterische Konzept ergänzt ein energetisches Konzept, welches neben den Zielvorgaben für die Haustechnik und einem guten Wärmedämmstandard auch ein System zur Nachtauskühlung, in Verbindung mit der Nutzung der Speichermassen des Gebäudes (Betondecken, Estrich, doppelt beplankte Gipskartonwände), beinhaltet. Die Ausführung der Gebäudehülle wurde optimiert, wodurch die Vorgabe der EnEV im Rahmen des Wärmeschutznachweises um 10 % unterschritten wird. Bis auf die Küche und einige innenliegende Räume im Sockelgeschoss ist das Gebäude natürlich belüftet. Der thermische Komfort wurde anhand einer dynamischen Gebäudesimulation untersucht. Die Nachtkühlung reduziert die Raumlufttemperaturen in den Morgenstunden eines Sommertags um bis zu 6 K. Im Tagesverlauf braucht sich die in der thermischen Masse gespeicherte Kälte langsam auf, wobei die maximalen sommerlichen Raumlufttemperaturen am Nachmittag noch 2 K unter der Außenlufttemperatur liegen.
Die klare Struktur des Gebäudes haben die Architekten durch ein prägnantes und unmissverständliches Farbkonzept unterstrichen. Die meisten Nutzflächen sind in überwiegend neutralen Farbtönen, Weiß, Grau und Anthrazit gehalten, wohingegen die
Gemeinschaftsbereiche, die Eingangshalle, der Mehrzweckraum und die angrenzenden Außenräume in leuchtenden Gelb- und Grüntönen gestrichen wurden. Wie eine kräftige Farbspur ziehen sich die geometrischen Farbflächen durch das Gebäude und setzen leuchtende und lebendige Akzente innerhalb des sonst eher zurückhaltenden und sich harmonisch mit der Umgebung verflechtenden Ensembles.

Projektdaten
Bauherr: Hansestadt Lübeck, vertreten durch Fachbereich GMHL, Lübeck
Architekt: Schuster Architekten, Düsseldorf
Projektleitung: Dirk Lange
Mitarbeit: Katrin Kahlert, Ines Kramer,
Guido Schwark, Thomas Schönherr
Bauleitung: Stefan Knabe, Lübeck
Tragwerksplaner: Fischer + Friedrich, Stuttgart
Haustechnik: Ingenieurbüro Hans-Peter Bayer, Kaarst/Büttgen
Energieberatung: Stahl + Weiss, Freiburg
Außenanlagen: Stötzer + Neher, Berlin
Produkte und Hersteller
Fassade: Aluminium-Elementfassaden mit integrierter Warmwasserheizung, scharfkantige Stahlfassaden, EI 90 Brandschutzelemente, Oberlichtbänder, Lichtkuppeln, Metalltüren im Sockelgeschoss außen, Schindler GmbH & Co, Roding, www.schindler-roding.de
Betonsteine Sockelbau: GBL Gödde-Beton GmbH, Wadersloh, www.goedde-beton.de
Böden: Kunstharzbeschichtung:
Bolidt, Geseke, www.bolidt.de; Fließmörtelbeschichtung:
Chemotechnik Abstatt GmbH,
www.chemotechnik-abstatt.de
Aufzug: Osma-Aufzüge, Albert Schenk GmbH & Co. KG, Osnabrück,
www.osma-aufzuege.de
Türen, Zargen: Stahlblockzargen mit Holztürblättern, Oberflächen kunststoff-beschichtet, Westag & Getalit AG,
Rheda-Wiedenbrück,
www.westag-getalit.de;
Beschläge: Vieler International GmbH +
Co. KG, Iserlohn, www.vieler.com
Mobilwände Mehrzweckraum:
Franz Nüsing GmbH & Co. KG, Münster,
www.nuesing.com
WC-Trennwännde: Schäfer Trennwandsysteme GmbH, Horhausen,
www.schaefer-tws.de
Katja Reich








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