E3 - dieses Kürzel steht für „Edificio Energeticamente Efficiente“. Der Neubau des Mailänder Architekturbüros Atelier2 unterschreitet nicht nur die strengsten derzeit in Italien gültigen Energiestandards um den Faktor 10, sondern ist mit seiner – trotz Leichtbaukonstruktion – hohen thermischen Speichermasse auch auf die hohen Temperaturschwankungen des norditalienischen Klimas abgestimmt.

Das Doppelhaus E3 steht im historischen Kern des zu Bergamo gehörenden Ortes Colognola, in der Einflugschneise zum Flughafen Orio al Serio. Neben hoher Energieeffizienz war daher auch ein exzellenter Schallschutz der Gebäudehülle vonnöten. Dennoch entschieden sich die Architekten für eine auf den ersten Blick eigenartig anmutende Leichtbau-Hybridkonstruktion: Im Inneren des Gebäudes ist unter Gipskarton- verkleidungen ein Stahltragwerk verborgen; im Süden dagegen, wo sich das Gebäude über Loggien, Terrassen und Wintergärten ins Freie öffnet, wurde diesem eine sichtbare Holzkonstruktion vorgestellt. E3 erreicht mit seinem Heizenergieverbrauch von 6 kWh/m²a als erstes Gebäude in der Lombardei den Gold-Standard im Gebäudezertifizierungssystem der Bozener Agentur KlimaHaus. Maßgeblich hierzu trägt eine hoch gedämmte Gebäudehülle mit durchschnittlichem U-Wert von 0,21 W/m²K bei. Während das Dach einen eher traditionellen Aufbau mit Ziegeldeckung erhielt, wurden in den Außenwänden nicht weniger als fünf Schichten unterschiedlicher Dämmstoffe kombiniert: von innen nach außen je 80 Millimeter Polyester und Mineralwolle, 60 Millimeter Holzfaser- dämmplatte, weitere 60 Millimeter Mineralwolle und schließlich 40 Millimeter expandiertes Polystyrol. Die Architekten begründen diese Vielschichtigkeit mit dem Wunsch nach einem akustisch optimierten Wandaufbau. Die Fassaden bestehen aus einer Innen- und einer Außenschale, die sich weitgehend frei voneinander bewegen können, um thermisch bedingte Zwängungen zu vermeiden. Dies ist auch notwendig: Die Fassaden sind dahingehend optimiert, dass die Phasen- verschiebung im Temperaturverlauf zwischen Außenluft und innerer Wandoberfläche mehr als zehn Stunden beträgt. Mit anderen Worten: Spät abends, wenn die Sonne längst untergegangen ist, strahlt die Wandoberfläche die meiste Wärme in den Innenraum ab; tagsüber bleibt sie dagegen angenehm kühl.
Zur Erhöhung der thermischen Masse im Gebäude tragen einerseits die massiven Geschossdecken bei – eine Verbundkonstruktion aus Stahltrapezblechen und Stahlbeton. Zweitens wurden bei diesem Gebäude erstmals in Italien Gipskartonplatten mit integriertem PCM-Latentwärmespeicher („SmartBoard“ von Knauf mit PCM von BASF) verbaut. Sie fanden in den Trennwänden zwischen den beiden südseitigen, zweigeschossigen Wintergärten und den dahinter liegenden Wohnräumen Verwendung. Mit einer Stärke von nur 15 Millimetern erreichen sie die thermische Masse von 9 Zentimetern Beton oder einer 12 Zentimeter starken Ziegelwand.
Beheizt wird das Gebäude mit einem Gas-Brennwertkessel, der von
dachintegrierten Solarkollektoren unterstützt wird und sein Warmwasser
in eine Fußbodenheizung (Vorlauftemperatur zwischen 28 und 40 °C)
einspeist.
Um die Energieeffizienz des Neubaus von Atelier2 bewerten zu können, lohnt ein Blick auf die italienische Gesetzgebung, die weitgehend von den einzelnen Regionen bestimmt wird. Die strengsten Standards setzt diesbezüglich Südtirol, wo neu errichtete Wohnbauten – ähnlich wie in Deutschland – maximal 70 kWh/m2a Heizenergie verbrauchen dürfen.
Diesen Wert unterschreitet E³ um mehr als das Zehnfache.
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Übersicht der Dossiers zum Thema "Nachhaltige Wohnkonzepte"
Teil 1: Der Energiegewinner: „Kraftwerk B“ in Bennau
Teil 2: Energieeffizienz im großen Maßstab
Teil 3: „Make It Right House“ in New Orleans
Teil 4: Nachhaltiges Wohnen für jedermann
Teil 5: Suburban, energieeffizient und von Bill Dunster
Teil 7: Grüne Oase in der Stadt
Teil 8: Licht, Luft und Energieeffizienz
Teil 9: Dicht, energieeffizient und aussichtsreich: Wohnsiedlung Marilunden in Stavanger
Teil 10:
Vorfertigung trifft Energieeffizienz: Konzepte aus den USA
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