Folge 15

Irgendwo auf dem Werksgelände steht das mehr oder weniger repräsentative Verwaltungsgebäude, darin die Normbüros, daneben die Kantine, davor die Parkplätze. So war es immer gewesen. Von hier aus streifen die Herren im weißen Kittel durch die lärmerfüllten Werkshallen und beaufsichtigen die Blaumänner und die Produktion. Anders BMW in Leipzig. Längst produzieren Roboter in blitzsauberen Hallen wie unter Laborbedingungen, längst sind die in der Produktion Beschäftigten so hoch qualifiziert wie die Schreibtischbelegschaft und tragen ebenso weiße Kragen. Hierarchien sind nicht mehr gefragt oder werden nicht mehr zur Schau gestellt. Man ist eine große Familie. Der Produktionsprozess hat sich auch verändert. Die lineare Werksstruktur ist einem sternförmigen Prinzip gewichen. Davon verspricht man sich mehr Flexibilität und kürzere Wege. Ein Stern hat ein Herz. »Zentralgebäude« heißt das Herzstück zwischen den Werkshallen bei BMW prosaisch. Es ist tatsächlich Herz und Hirn in einem. Es vereint die organisatorische und technische Verwaltung, die Qualitätskontrolle und die Sozialräume, und pumpt die Karossen von einer Halle zur anderen wie das Blut durch die Adern. So kommt es, dass man sich im Kasino seiner Rindsroulade widmet, während über den Köpfen lautlos 3er-Reihe-Rohlinge auf Förderbändern von der Karosseriepresse zur Lackiererei schweben. Das Defilee der meist silbern lackierten Karossen erfreut die Büroarbeiter, die dem Förderband von terrassenförmig ansteigenden Büroflächen zusehen können.
Schon die Anordnung der Parkplätze vor dem Haus bereitet auf Zaha Hadids Formenwelt vor. 4000 Stellplätze sind auf langen, zum Zentralgebäude hinführenden, abgeknickten Bahnen organisiert. Dort endet der Weg unter einem schräg von einer Werkhalle zur anderen spannenden Brückenbau. Darunter finden sich drei Drehtüren ins Foyer. Das ist der Eingang. Im Inneren zuerst der BMW-Devotionalienshop. Zur Linken an zwei schrägen Empfangstresen vorbei und unter einem mächtigen Betonrahmen hindurch gelangt der Besucher zum »Marktplatz«, -einer verbreiterte Verkehrsfläche mit einem Dutzend Tischgarnituren als Bistro. Alles wirkt zufällig. Er betritt einen in mehrere Richtungen fliehenden Raum, der zunächst für ihn nicht geschaffen scheint. Irgendwie fühlt man sich nicht willkommen. Der Nutzung entsprechende räumliche Qualitäten sind im Eingangsbereich nicht anzutreffen und der Besucher erkennt rasch, sie sind auch nicht angestrebt. Stattdessen viel Dynamik im Raum, in Scharen hinwegeilende Deckenspuren, Rampen mit entlang schießenden Geländern, Transportbrücken. Alles scheint in Bewegung. Die Farbpalette eher freudlos: Estrichgrau, Betongrau, Stahlgrau und Eternitgrau werden hier und da von Weißlack, rotbrauner Möblierung oder einer gelben Kranbahn akzentuiert. Und dann sind da noch die Karosserien, die auf ihren Prozessionen durch den Raum effektvoll blau angeleuchtet werden. In der Tat handelt es sich um einen bislang unbekannten Bautypus, ein multifunktionales Verbindungsgebäude. Abgeschlossen und durch Fenster einsichtig, sind Labors, der Gesundheitsdienst, die Küche und das Auditorium.

Foto: Christian Schittich



Lageplan

Grundrisse
Falk Jaeger








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