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Lernen von Masdar City?

Den einen gilt sie als Feigenblatt in einer Region, die noch immer vom Öl lebt, den anderen aus Aufbruch in eine energieneutrale Zukunft. Die Rede ist von Masdar City, jener Stadt, die ein interdisziplinäres Team um Foster + Partners gegenwärtig in Abu Dhabi plant. DETAIL Green hat mit Matthias Schuler gesprochen, dessen Unternehmen Transsolar für das Energiekonzept von Masdar City verantwortlich zeichnete.

Masdar City, Foster, +, Partners, Abu Dhabi, Transsolar
Foto: Masdar City: Straßenszene
Rendering: Foster + Partners

Herr Schuler, das Emirat Abu Dhabi plant gerade mit Ihrer Mithilfe die CO2-neutrale Stadt Masdar City. Wie plant man eigentlich eine CO2-neutrale Stadt – organisatorisch und konzeptionell?

Lesen Sie mehr hierüber in DETAIL Green 2-2009.


Wie funktioniert die Energieversorgung in Masdar City?

Lesen Sie mehr hierüber in DETAIL Green 2-2009.

Masdar City, Foster, +, Partners, Abu Dhabi, Transsolar
Foto: Masdar City aus der Luft
Rendering: Foster + Partners

Wie werden die Freiflächen genutzt, die Sie rund um die Stadt freihalten?

Die Nutzungsmöglichkeiten sind eher begrenzt: Dort etwa Nahrungsmittel anzubauen, ist unmöglich, weil nicht ausreichend Wasser zur Bewässerung vorhanden ist. Also bleibt die Fläche hauptsächlich das, was sie ist: Wüste. Für die Menschen in Abu Dhabi war dieser Gedanke gewöhnungsbedürftig. Sie tun sich schwer damit die Qualitäten eines Freiraums „Wüste“ wertzuschätzen; sie sehen Wüste eher als eine Flächenreserve, die am besten gewinnbringend bebaut wird.

Auch im Moment steht unser Bauherr wieder unter Druck, mehr Rendite aus dem Grundstück zu generieren. Masdar City liegt direkt neben dem Flughafen von Abu Dhabi, daher ist die Bebauungshöhe auf 40 Meter begrenzt. Trotzdem wäre eine deutlich höhere Dichte realisierbar. Dagegen argumentieren wir jedes Mal: Mehr Raumprogramm bedeutet mehr Energieverbrauch, und wie sollen wir den auf den vorhandenen Flächen decken?

Um das Problem zu lösen, sind auf dem Gebiet von Masdar City derzeit geothermische Tiefenbohrungen im Gange. Sie sind bis in eine Tiefe von 2,5 Kilometern und einen Temperaturbereich von 100 °C vorgedrungen, was ausreicht, um eine Sorptionsentfeuchtung zu betrieben, aber nicht, um Strom zu erzeugen. Außerdem stellt sich am Arabischen Golf ein Problem: Je tiefer man bohrt, desto größer wird die Gefahr, auf Öl zu stoßen, und dann ist keine Geothermienutzung mehr möglich …


Masdar City entsteht in einer extremen Klimazone. Wie reagieren Sie darauf bei der Kühlung und Lüftung der Stadt?

Lesen Sie mehr hierüber in DETAIL Green 2-2009.


Wie gewährleisten Sie, dass die energetischen Ziele in der Umsetzung auch erreicht werden?

Lesen Sie mehr hierüber in DETAIL Green 2-2009.


Auch Wasser ist ein rares Gut am Golf. Welche Rolle spielt es in Ihrem Konzept?

Alle Energie, die zum Beispiel zur Entsalzung von Meerwasser und zur Abwasseraufbereitung aufgewendet wird, taucht in unserer CO2-Bilanz auf. Daher muss auch hier zunächst der Verbrauch gesenkt werden: Jedem Bewohner von Masdar City sollen 100 Liter Trinkwasser und 100 Liter Grauwasser täglich zur Verfügung stellen. Das ist deutlich weniger als der derzeit noch ortsübliche Verbrauch von 500 Litern am Tag, aber immer noch mehr als in Deutschland, wo wir derzeit, Wohnen und Arbeiten zusammengenommen, bei rund 160 Litern pro Person liegen.


Masdar City soll eine nahezu autofreie Stadt werden; lediglich Elektromobile sind zugelassen. Wie funktioniert das System?

Private Autos mit Verbrennungsmotor sind in der Stadt verboten; die Bewohner müssen sie in großen Parkhäusern am Stadtrand stehen lassen. Dies schon aus Gründen des Mikroklimas: Aufgrund der Hitze wollten wir den notwendigen Luftaustausch in der Stadt so gering wie möglich halten. Abgase in den Straßen wären hierbei nur kontraproduktiv gewesen.
Die Straßen bleiben Fußgängern, Fahrrädern und zweirädrigen Elektro-Rollern vorbehalten.

Ein weiteres Verkehrsmittel sind Elektro-Autos, die auf einer Ebene unterhalb des Straßenniveaus verkehren. Diese Autos sind viersitzig, fahrerlos und fahren innerhalb eines engmaschigen Netzes von Haltepunkten. Dabei kann sich der Fahrgast von jedem Haltepunkt direkt zu jedem anderen bewegen – auch zur Metro-Haltestelle im Stadtzentrum, von wo eine schnelle Anbindung nach Downtown Abu Dhabi besteht. Darüber hinaus wird es Elektro-Autos mit Pickup-Aufsatz geben, die einen innerstädtischen Lieferservice, etwa für Mobiliar oder größere Verbrauchsgüter, bereitstellen. Ein Zentralcomputer ermittelt abhängig vom Verkehrsaufkommen jeweils die schnellste Route und achtet außerdem darauf, dass Kollisionen vermieden werden. Das gesamte Konzept – entwickelt von Federico Parolotto von MIC in Mailand - ist technisch äußerst ambitioniert und stellt höchste Anforderungen an die Steuerungssysteme und deren Software.


Gibt es ein Monitoring-Konzept, mit dem nach dem Bau der Stadt das tatsächliche Funktionieren des Konzepts überwacht wird?

Ein Monitoring ist vorgesehen und aus zweierlei Gründen wichtig: zum einen, um zu sehen, wie sich die Energieverbräuche abhängig vom Nutzerverhalten entwickeln, und zweitens, um den CO2-neutralen Betrieb der Stadt gegenüber der Öffentlichkeit auch beweisen zu können.


Wie ist der Planungsstand derzeit?

Wir haben unseren Masterplan im Januar 2008 abgegeben. Der Bauherr hat danach zunächst ein anderes Planungsbüro mit der zweiten Planungsphase beauftragt. Es stellte sich jedoch heraus, dass ein solch komplexes Projekt nicht einfach an einen anderen Planer „übergeben“ werden kann. Deshalb sind inzwischen sowohl Foster + Partners als auch Transsolar wieder mit im Boot.

Derzeit laufen die Planungen und Ausschreibungen für den ersten Bauabschnitt, der rund ein Viertel der Stadtfläche umfasst. Einzelne Gebäudekomplexe wie etwa die Universität von Foster + Partners sind auch bereits im Bau. Smith + Gill Architecture planen inmitten der Stadt das „Masdar Headquarter“, den Hauptsitz der Masdar-Initiative sowie der internationalen Energieagentur für regenerative Energien (IRENA), und im Frühjahr wurde der Wettbewerb um das Masdar Convention Center entschieden, den Tobias Walliser von LAVA Architects aus Stuttgart im Team mit Transsolar gewannen.

Parallel dazu gehen die Infrastrukturplanungen voran, wo ein Planungsbüro unser Konzept weiterentwickelt. Dabei stellt sich heraus, dass es alles andere als einfach ist, die von uns vorgegebenen Einsparziele auch tatsächlich zu erreichen.


Unter welchen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen muss sich Masdar City „rechnen“?

Lesen Sie mehr hierüber in DETAIL Green 2-2009.



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Detail, 10.02.2012