Die örtlichen Gepflogenheiten kennen, mit den Gesetzen und Vorschriften des Landes vertraut sein und die Sprache beherrschen – das sind die Grundvoraussetzungen für den Schritt in fremde Märkte. Bauen im Ausland hängt jedoch nicht nur von den eigenen Kompetenzen ab: Der Bedarf an Planungsleistungen, die Baugesetze und berufsständischen Vorschriften, die politischen Entwicklungen und andere Faktoren spielen auch im Zeitalter der Globalisierung eine wichtige Rolle.
Trotz fortschreitender Liberalisierung der Märkte gibt es behördliche Auflagen und staatliche Restriktionen. Genehmigungen, Zulassungsverfahren, Sicherheits- und Umweltauflagen erschweren den Marktzutritt für ausländische Unternehmen. Dies bestätigt auch eine Umfrage des Netzwerks Architekturexport (NAX) aus dem Jahr 2008. Die befragten Büros nannten als größte Hindernisse bei der Umsetzung von Auslandsprojekten Probleme mit Behörden vor Ort (44%), rechtliche Hindernisse (43%) sowie fehlende Kooperationspartner (36%).

Gabriele Seitz
Foto: NAX
Gabriele Seitz vom NAX weist auf die Europäische Dienstleistungsrichtlinie hin, die die problemlose Berufsanerkennung innerhalb der EU-Staaten regelt. „Mit Griechenland gibt es gerade Probleme. Die fehlende Ausbildung im erdbebensicheren Bauen soll den Marktzutritt ausländischer Kollegen verhindern“ schildert Gabriele Seitz den aktuellen Verstoß des Landes gegen die Richtlinie „Die Polen verlangten kürzlich von ausländischen Architekten einen polnischen Sprachtest. Dies konnten sie Dank Richtlinie nicht durchsetzen.“
Immer wieder sehen sich auch die NAX-Verantwortlichen mit der Frage konfrontiert, ob sich die Beteiligung an ausländischen Vergabeverfahren überhaupt lohnt – dienen deren komplizierte Anforderungskataloge nicht häufig dazu, fremde Bewerber fernzuhalten?
Obwohl heimische Bewerber nicht bevorzugt werden dürfen, machen dennoch häufig lokale Unternehmen das Rennen. Bei Verhandlungsverfahren in EU-Ländern haben Ausländer ohne einen inländischen Kooperationspartner meist wenig Chancen. Daher ist es gerade für kleinere und mittlere Büros sinnvoll, sich einen im Vergabeland ansässigen, gut vernetzten Partner zu suchen.
Partnersuche in China
In vielen Ländern ist die Zusammenarbeit mit einem Partner unumgänglich. Für die Planvorlageberechtigung in China beispielsweise benötigt man eine Zulassung. „Die Lizensierung ist kompliziert und aufwändig“, so Corinne Abele von Germany Trade and Invest, der Wirtschaftsförderungsgesellschaft der Bundesrepublik Deutschland „Die Anforderungen sind hoch und für deutsche Architekturbüros kaum zu stemmen.“ Für die Designlizenz gibt es Klassifizierungen nach Projektgröße und Unterklassifizierungen nach Gebäudeart. In der Regel verfügen die ehemaligen staatlichen Designinstitute über diese Lizenzen, für die u. a. Nachweise der Beschäftigtenzahl von entsprechend qualifizierten Architekten gefordert sowie Auflagen an das Kapital gestellt werden. Die China-Expertin rät dringend zur Zusammenarbeit mit einem lokalen Partner, in der Regel ein Designinstitut, auch wegen der Haftungsfrage.
Germany Trade and Invest erstellt aktuell eine Studie über den Markt für Architekturdienstleistungen in China, Ende des Jahres wird sie erhältlich sein. Bereits erschienen sind fachspezifische Studien u. a. zu den Märkten Russland, Niederlande und USA. Die Gesellschaft bieten in ihren Datenbanken immer wieder aktuelle Informationen zum Thema, auch für andere Länder.
Auch in Südafrika suchen sich ausländische Firmen einen lokalen Partner mit Kenntnissen über die administrativen Anforderungen im Land. Nach Aussage von Branchenkennern ist Korruption in Südafrika zwar kein Problem, jedoch können sich Geschäfte durch die zum Teil sehr unklare Gesetzgebung bei der Auftragsvergabe verkomplizieren.
Bei öffentlichen Aufträgen spielt das sogenannte "Black Economic Empowerment" (BEE) eine Rolle. Um bei Ausschreibungen berücksichtigt zu werden, ist die Aufnahme eines schwarzen Anteilseigners nötig. Eine Alternative ist ein lokaler Partner mit einem BEE-Anteilseigner. Oft müssen dadurch Partner in ein Projekt aufgenommen werden, die nur wenig Know-how beisteuern und wegen ihrer geringen finanziellen Rücklagen nicht an möglichen Verlusten beteiligt werden können.








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