
Neues Museum in Berlin
Foto: Frank Kaltenbach
Direkt hinter dem Alten Museum hatte der Schinkel-Schüler August Stüler das Neue Museum errichtet. Im Zweiten Weltkrieg wurde der Westflügel der symmetrischen klassizistischen Südfassade weggebombt, musste also zunächst als Volumen wiederhergestellt werden. Die Planer um David Chipperfield entschieden sich die Lücke mit dem ursprünglichen Material zu schließen, Ziegel im Reichsformat 25 x 12 x 6,5 Zentimeter, und zwar nicht wie beim Altbau hinter einer Putzfassade nur als Rohbaumaterial, sondern als Sichtmauerwerk. Die Architekten übernehmen die Fensterordnung, die Fensterkreuze und Gesimse der Altbaufassade und übersetzten sie gleichzeitig in eine eigene Sprache. Die Spannung zwischen Alt und Neu schafft Chipperfield nicht nur mit seiner Detaillierung, sondern durch die feinfühlige Farbgebung des Materials. Er entschied sich für historische Abbruchziegel im Reichsformat, die in Berlin in großen Mengen verfügbar sind. Die ein Meter dicken Ziegelwände tragen nicht nur die Geschossdecken und das Dach, sie sind auch massiv genug, um das Gebäude ohne zusätzliche Wärmedämmung und ohne aktive Bauteiltemperierung im Sommer kühl und im Winter warm zu halten. Was für Museen noch wichtiger ist: die Luftfeuchtigkeit bleibt in den dicken Mauern stabil.

Foto: Frank Kaltenbach

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