
Nadin Heinich
Foto: privat
Für junge Architekten mit experimentellen Ansätzen bedeutet es oft die größte Herausforderung, Öffentlichkeit für Ihre Ideen herzustellen. Für solche Ideen eine Plattform zu bieten, ist Ziel von Nadin Heinich, die seit 2004 mit plan a eine eigene Agentur für Architekturkommunikation betreibt. Im Interview spricht sie mit Carsten Sauerbrei über ihre Erfahrungen mit dem Kommunizieren und Finanzieren von Ideen.
Carsten Sauerbrei: Frau Heinich, Sie haben zunächst Architektur studiert. Wie ist aus Ihnen die Architekturvermittlerin und Inhaberin der Agentur plan a geworden?
Nadin Heinich: Das ist in unserem 2007 erschienenen Buch „Überfunktion. Zur Konstruktion von Wirklichkeiten in der Architektur“ gut beschrieben. Mein Grundstudium an der TU Berlin war sehr interessant. In dieser Phase wurden jedoch massiv Stellen eingespart. Elan, Leidenschaft, neue Impulse fehlten mir in der weiteren Ausbildung sehr. Aus Unzufriedenheit darüber entstanden zwei Vortragsreihen. Wir, Philip Kring bzw. Nadine Jerchau und ich, haben einfach die Personen eingeladen, die wir interessant fanden. Das waren bei der ersten Veranstaltungsreihe zum Beispiel realities:united, der Kurator Hans-Ulrich Obrist oder die Künstlerin Birgit Brenner. Später der Künstler Carsten Nicolai, der Opernregisseur Sebastian Baumgarten bzw. Oliver Rihs, der Filme macht. Wichtig war uns dabei der interdisziplinäre Charakter. Um unsere Ideen in einem anderen Rahmen, außerhalb der Uni umzusetzen, mussten wir über Dinge wie PR, Marketing und Kommunikation nachdenken. Aufbauend auf den Vorträgen bekamen wir im Jahr 2007 die Chance, eine Ausstellung in der Architekturgalerie Aedes und eine begleitende Publikation zu realisieren. An diesem Punkt wurde dann erstmals eine Sponsorenakquise im größeren Umfang notwendig.
Sauerbrei: Mit Blick auf Ihr Studium formulieren Sie die Frage: „Was ist ein Architekt in unserer gegenwärtigen Gesellschaft, was sind seine Aufgaben?“ Ist es für Architekten notwendig, dies für sich zu klären?
Heinich: Ich weiß nicht, ob man das verallgemeinern kann. Ich kann es aber aus meiner persönlichen Erfahrung beantworten: Für das, was ich mit plan a mache, musste ich anfangs einen Businessplan schreiben. Das klingt erst einmal nach viel Betriebswirtschaft, war aber ein gutes Mittel, um mir klar zu werden, was ich will - und zwar von der Idee bis zur tatsächlichen Umsetzung.
Meiner Meinung nach ist die Arbeit von Architekten heute mehr, als nur Häuser zu bauen – sie repräsentiert die Gestaltung der Umwelt als Ganzes. Auf diesem Feld können Architekten neue Aufgaben und Märkte entdecken. Ein gutes Beispiel dafür ist das Büro von realities:united, wo dieses neue Verständnis gut zum Ausdruck kommt. Mit ihren Medienfassaden gestalten sie Raum mithilfe neuer digitaler Technologien. Sie sind als Architekten eher Problemlöser als Gebäudegestalter und haben ihre eigene Idee von Raumgestaltung entwickelt.








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