Nachhaltige Wohnkonzepte

Passivhaus-Pionierleistung in Frankreich

Der deutsche Passivhausstandard beginnt sich auch in anderen Teilen Europas zu etablieren: Das britische Magazin „Building“ veröffentlichte jüngst eine Artikelserie zum Thema, in Spanien wurde vor wenigen Monaten ein Interessenverband für den Bau von Passivhäusern gegründet, und inzwischen wurden auch in Frankreich die ersten Passivhäuser zertifiziert. Eines davon steht in der Ortschaft Bessancourt bei Paris.


Building, Frankreich, Passivhaus, Bessancourt, Karawitz
Foto: Karawitz Architecture

Den Entwurf für das Einfamilienhaus in Bessancourt nordwestlich von Paris lieferte ein deutsch-bulgarisches Architektenduo: Milena Karanesheva und Mischa Witzmann betreiben unter dem Namen Karawitz Architecture ein gemeinsames Büro in Paris. Einer ihrer Arbeitsschwerpunkte ist die Planung energieeffizienter Wohnhäuser, darunter inzwischen auch mehrere Passivhausprojekte.

Das Haus in Bessancourt war nach Auskunft der Architekten zur Zeit seiner Fertigstellung im Spätsommer 2009 erst das zweite zertifizierte Passivhaus in Frankreich und das erste in der Region Paris. Der Entwurf vereint die klassischen Charakteristika eines Passivhauses – einen kompakten, hoch gedämmten Baukörper mit geschlossener Nord- und offener Südseite – mit der archetypischen Bauform des Satteldachhauses. In Konstruktion, Detaillierung und Materialwahl zeigt sich das Haus indes alles andere als traditionsverhaftet: Die Bodenplatte ist das einzige Element aus Beton; der eigentliche Baukörper wurde komplett aus großformatigen, im Werk vorgefertigten Massivholztafeln errichtet. Darüber legt sich eine transluzente „zweite Haut“ aus unbehandelten Lärchenholzlamellen, die über die Jahre hinweg in Ehren ergrauen und das Bauwerk so möglichst unauffällig in seine Umgebung einbinden sollen. Nahezu alle Öffnungen im Baukörper werden von dieser transluzenten Holzhülle verschattet, auch die großen Fenstertüren im Süden, wo sich die Fassade mittels Faltläden komplett öffnen und schließen lässt. Flächenbündig in die Lamellenhaut integriert sind die Photovoltaik-Module auf der Südseite des Daches, die übers Jahr hinweg 4485 Kilowattstunden Strom liefern sollen.

Die Grundrissgliederung im Inneren des Gebäudes greift eine derzeit häufig verwendete Typologie auf: Im Erdgeschoss nimmt der Wohnraum mit Essplatz und offener Küche die komplette Südseite des Gebäudes ein. Darüber liegen auf gleicher Breite drei Schlafzimmer sowie ein Gäste- oder weiterer Aufenthaltsraum. Entlang der Nordfassade verläuft eine einläufige Treppe, an deren Enden die Sanitärräume, ein Vorratsraum sowie der Eingangsbereich untergebracht sind. Die Farbpalette in den Innenräumen wird von den holzsichtig belassenen Deckenunterseiten sowie weißen Trennwänden und Einbauschränken bestimmt.

Der für Passivhäuser gültige, maximale jährliche Heizwärmebedarf von 15 kWh/m2a wird von dem Neubau in Bessancourt nochmals deutlich unterschritten: Die Berechnung ergab einen Energiebedarf für Heizung und Warmwasser von lediglich 11 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr.

Building, Frankreich, Passivhaus, Bessancourt, Karawitz
Zeichnung: Karawitz Architecture


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Übersicht der Dossiers zum Thema "Nachhaltige Wohnkonzepte" Teil 1: Der Energiegewinner: „Kraftwerk B“ in Bennau Teil 2: Energieeffizienz im großen Maßstab Teil 3: „Make It Right House“ in New Orleans Teil 4: Nachhaltiges Wohnen für jedermann Teil 5: Suburban, energieeffizient und von Bill Dunster Teil 6: Ein Leichtbau fürs Mittelmeerklima Teil 7: Grüne Oase in der Stadt Teil 8: Licht, Luft und Energieeffizienz Teil 9: Dicht, energieeffizient und aussichtsreich: Wohnsiedlung Marilunden in Stavanger Teil 10: Vorfertigung trifft Energieeffizienz: Konzepte aus den USA


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