
Die polierte Edelstahl-Untersicht spiegelt die »Lichter der Großstadt« (Foto: Frank Kaltenbach)
»Wer man ist, das sagt man nicht – was man hat, das zeigt man nicht«. Mit dieser schwäbisch-protestantischen Tugend ist ab 31. Januar 2009 Schluss beim erfolgreichsten deutschen Automobilkonzern. Am 31. Januar wird in Stuttgart Zuffenhausen das Neue Porsche Museum eröffnet.
Auf 5600 Quadratmetern Ausstellungsfläche werden 80 von insgesamt 400 Renn- und Sportwagen der Porsche-Flotte gezeigt. Das ist in zweierlei Hinsicht bemerkenswert. Zum einen, weil sich der Sportwagen-Weltmarktführer bisher konsequent einer Öffentlichkeits wirksamen Corporate Architecture verweigert hat, zum anderen weil eine architektonische Landmarke entstanden ist, die durchaus ihres Gleichen sucht. Für eingefleischte Porschefahrer war Zuffenhausen schon immer das Mekka mit Produktionshallen, Hauptverwaltung und dem kleinen Museum mit gerade einmal 20 ausgestellten Fahrzeugen.

Blick vom Porscheplatz zum Haupteingang und dem schwebenden Gourmetrestaurant (Foto: Frank Kaltenbach)
Nach außen dargestellt hat sich das Headquarter des Weltmarktführers für Sportwagen jedoch nur durch eine Konzentration der porscheroten Schriftzüge an architektonisch austauschbaren Verkaufs- und Verwaltungsbauten und durch die Adresse: Porscheplatz. Während BMW als erste deutsche Automobilmarke zur Olympiade 1972 mit seiner Museumsschale und dem Vierzylinder-Hochhaus die Bühne der Weltarchitektur betrat, sitzt der Vorstandsvorsitzende der Porsche AG bis heute in einem bescheidenen Büro des zweigeschossigen Ziegelbaus von 1938 direkt über der lauten Werkseinfahrt.

Der Ausstellungsbereich schebt zwischen S-Bahnlinie und Ausfallstraße (Foto: Frank Kaltenbach)
Was hat also die für ihre schwäbische Bescheidenheit berühmte Weltmarke Porsche bewogen nun doch noch mit der VW-Autostadt, dem benachbarten Mercedes-Museum, der BMW-Welt und dem neuen BMW-Museum gleichzuziehen? Viel schwieriger gestaltete sich die Frage: Gibt es überhaupt noch eine Nische, um sich von so vielen unterschiedlichen qualitativ hochwertig umgesetzten Konzepten abzusetzen und durch ein eigenständiges Firmenmuseumskonzept das Alleinstellungsmerkmal der Marke zu unterstreichen?

Foyer mit Haupteingang und den Rolltreppen, die den Besucher in die Ausstellung saugen (Foto: Frank Kaltenbach)
Wahrhaft beeindruckend ist sie ausgefallen, die große Geste der Architekten Delugan Meissl Associated Architects. Die Architekten lösten den Ausstellungsbereich von der Infrastruktur der zerklüfteten Vorstadt mit all ihren Brüchen und Maßstabssprüngen: S-Bahnschienen, Ausfallstraßen, heimelige Walmdachhäuschen und monströße Fabrikfassaden prägen das direkte Umfeld. Über dieser von Zufälligkeit und heterogenem Wachstum bestimmten Dynamik gebärdet sich eine nicht weniger dynamische strahlend weiße Skulptur, die auf nur drei Stützen aufgelagert ist. »Das Gebäude ist keine Skulptur, sondern ein Organismus« betont dagegen Architekt Roman Delugan.

Foyer mit Cafeteria und dem Blick in die Schauwerkstatt und in das Archiv im Obergeschoss (Foto: Frank Kaltenbach)

Porsche 550 Spyder: Am Steuer eines solchen Modells verunglückte James Dean am 30. September 1955 (Foto: Frank Kaltenbach)
Der dynamisch schwebende Baukörper, der den Besucher über einen Rolltreppenrüssel nach oben saugt – hinein in eine weiße Kunstlandschaft aus Treppen, Rampen und Brücken – war 2001 der überzeugendste Wettbewerbsbeitrag zur Umsetzung des vorgegebenen Konzeptes »rollendes Museum«, das der Ausstellungsgestalter HG Merz erarbeitet hat. Was aber ist ein rollendes Museum? Im Gegensatz zum neuen BMW-Museum in München, wo Motorräder unnahbar in Glasvitrinen vorm Staub und vor den Besuchern geschützt werden und ein Teil der Fahrzeuge wie die Kronjuwelen in einer schwarz glänzenden »Schatzkammer« mystifiziert werden, ist die erste Abteilung des Neuen Porsche-Museums die Schau-Werkstatt: Hebebühnen, Karosserieteile und echte KFZ-Mechaniker bei der Arbeit. Bereits jetzt ist klar: Hier soll jede Musealisierung vermieden werden. Die Tatsache dass immer noch 70 -80 % aller je gebauten Porsche noch auf den Straßen im Einsatz sind, wird hiermit Rechnung getragen. Und auch die 80 »Museumsstücke« sind alle fahrbereit und werden hin und wieder auf Veteranenveranstaltungen ausgefahren. Ein Museum also, das ab und zu durch die Lande rollt. Die Autos bleiben auch im Ausstellungsraum Gebrauchsgegenstände zum anfassen, »Nicht berühren«-Schilder sucht man vergebens.

Ein durchgängig umlaufendes schwarzes Band begrenzt die Außenwand des Ausstellungshalle und bildet als Low-Key-Hintergrund wie in einem Fotostudio einen Kontrast zu der hellen Mittelzone (Foto: Frank Kaltenbach)

Blick von der Galerie zurück zum Austritt der Rolltreppe, die den Besucher vom Foyer in den schwebenden Ausstellungsbereich befördert (Foto: Frank Kaltenbach)

Die weite Halle ist wie eine Stadtlandschaft auf einen Blick erfassbar (Foto: Frank Kaltenbach)
Das neue Porsche Museum will also beides: Durch den großen Auftritt der schwebenden Großplastik kräftig die Werbetrommel rühren und andererseits die Werte des Gründers Ferdinand Porsche verkörpern: Purismus, technische Perfektion und alles was richtigen Männern Spaß macht. »Das ist ein Museum für Männer« sagt auch HG Merz über seine puristische Ausstellungsgestaltung, bei der die Vibrationen und der unverwechselbare Sound eines anspringenden 911-ers nicht zu kurz kommen.

Architekt Roman Delugan und Ausstellungsgestalter HG Merz bei der Pressekonferenz (Foto: Frank Kaltenbach)

Begehrt wie ein Starpilot: Architekt Roman Delugan beim mehrtägigen Interview-Marathon der Pressetage (Foto: Frank Kaltenbach)
Zweifelsohne hat das neue Porschemuseum den Standort Zuffenhausen auf die globale Landkarte der Weltarchitektur katapultiert. Ob es als wegweisend für die Zukunft in die Geschichte eingehen wird, oder als letzter Dinosaurier in der Reihe von heroischen Prestigebauten einer überholten deutschen Automobil-Philosophie liegt nicht in den Händen der Architekten. Am Steuer unserer Zivilisation sitzen die Ingenieure der Zukunft, denen es gelingen muss die Mobilitätsfrage neu zu denken. Porsche hat damit begonnen. Auch ohne Auto kommt man mit der S-Bahn direkt vors Museum, die neue Haltestelle wurde eigens eingerichtet.
Frank Kaltenbach








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