Im Juni 2010 wird in Madrid beim
ersten Solar Decathlon Europas das beste ausschließlich mit solarer
Energie betriebene Wohnhaus gekürt. Schon seit Oktober 2008 arbeitet
das Team der Hochschule für Technik (HTF) Stuttgart an seinen
Wettbewerbsbeitrag.

Grafik: HTF Stuttgart
Die Stuttgarter haben ihren Schwerpunkt auf der Integration von solaren
Energietechnologien gelegt. Momentan arbeiten mehr als 25 Studenten
unter Projektleitung von Professor Dr. Jan Cremers in
interdisziplinären Forschungsgruppen an dem Solarhaus. Unter Begleitung
des Zentrums für angewandte Forschung – Nachhaltige Energietechnik
(zafh.net) entwickeln sie innovative Energiekonzepte, Komponenten für
solare Heizung und Kühlung sowie eine betriebsbegleitende Simulation
der energietechnischen Anlagen und Gebäude. Die ersten Prototypen
einzelner Komponenten liegen schon vor. Auch tüftelt das Team bereits
an einer Strategie für den Wettbewerbsablauf des Solar Decathlons in
Madrid. Da die Bauphase näher rückt, steht als nächstes an, die
einzelnen Bauteile zu fertigen und der Bauplatz an der HFT Stuttgart
vorzubereiten.

Zeichnung: HTF Stuttgart

Zeichnung: HTF Stuttgart
Das Gebäude, um das sich an der HFT Stuttgart momentan alles dreht,
besteht aus einem quaderförmigen Baukörper aus modularen Scheiben, die
mit „Zwischenfugen“ aufgereiht werden. Die Fugen dienen – neben
Belichtung und Belüftung – der Vorwärmung im Winter sowie der passiven
Kühlung im Sommer. Im Verhältnis zum umschlossenen Raum weist das
kompakte Volumen eine geringe Hüllfläche auf, zudem ist es gut gedämmt,
so dass die Transmissionswärmeverluste – und damit auch der
Energiebedarf – minimal sind. Eines der Kernelemente des für einen Ein-
bis Zweipersonenhaushalt ausgelegten Gebäudes ist der „Energieturm“,
eine Anleihe an die Windtürme im arabischen Raum. In einer Fuge
zwischen geschlossenen Modulen liegend, unterteilt er den Innenraum in
zwei Bereiche: den großen Wohnbereich, der sich über zwei Module
erstreckt und den privaten Schlafbereich, der im nördlichen Gebäudeteil
angeordnet ist. In einem Zusammenspiel aus Wind und Verdunstungskühlung
ermöglicht der „Energieturm“ ein angenehmes Innenraumklima, auch in
heißen und trockenen Regionen.

Zeichnung: HTF Stuttgart
Im Innenraum baut das Team der HFT auf eine Kombination aus
traditionellen Grundprinzipien und modernen Materialien und
Technologien: Phasenwechselmaterialien (PCM) erhöhen die thermisch
wirksame Masse der Module aus Holz. Zudem sorgt ein Lüftungsgerät mit
Wärmerückgewinnung für eine Minimierung der Lüftungswärmeverluste.
Dabei ist es den Studenten aber wichtig, die passiven Möglichkeiten im
Entwurf so weit wie möglich auszuschöpfen und die vorgesehenen aktiven
Systeme lediglich bei Temperaturspitzen im Winter und im Sommer
einzusetzen.

Grafik: HTF Stuttgart
Um den anfallenden Energiebedarf zu decken, sind das Dach sowie die
Ost- und Westfassaden mit Solarmodulen umhüllt. An den Fassaden sind
dabei Photovoltaikpaneele vorgesehen, die eine gewisse Transparenz
zulassen und somit den modularen und mehrschichtigen Charakter des
Gebäudes unterstreichen. Von den Studenten durchgeführte Simulationen
haben gezeigt, dass das Stuttgarter Solarhaus ein Plusenergiehaus ist:
Die Erträge der Photovoltaik-Flächen übersteigen den Strombedarf des
Wohnhauses Die überschüssige Energie kann in das öffentliche Stromnetz
eingespeist werden.
Der modulare Aufbau des Gebäudes ist nicht nur für den Transport
nach Madrid praktisch, auch ermöglicht er die Entwicklung eines
Bausystems: Durch eine Addition von geschlossenen Modulen und
transparenten „Fugen“ können die Wohngebäude den Bedürfnissen von
Singles, Paare, Familien und Wohngemeinschaften angepasst werden.
Verschiedene Varianten der Reihung ermöglichen Bauformen, die von
freistehende Einzelhäusern und Doppelhaushälften bis hin zu
Wohnappartements reichen. Darüber hinaus lässt sich das Gebäude an die
klimatischen Gegebenheiten des jeweiligen Standortes funktional
anpassen.

Foto: HTF Stuttgart
Das Kernteam, das den Wettbewerbsbeitrag der HFT Stuttgart bis zum
Sommer 2010 kontinuierlich bearbeitet, stammt aus dem
Master-Studiengang Architektur. Zahlreiche Professoren der Fakultät
Architektur und Gestaltung unterstützen und betreuen es. Weitere
beteiligte Studiengänge sind Sustainable Energy Competence (SENCE),
Bauphysik, Innenarchitektur und Konstruktiver Ingenieurbau.
Projektleiter Professor Dr. Jan Cremers sieht in dem Wettbewerb „eine
hervorragende Gelegenheit, den Studierenden einen wichtigen
interdisziplinären, zukunftsrelevanten und praxisnahen Baustein in
ihrer Ausbildung anzubieten.“ Nicht nur steigere die Teilnahme am
Wettbewerb das Wissen um die Möglichkeiten des energieeffizienten
Bauens und der Nutzung regenerativer Energien, auch werde der Beweis
erbracht, dass energieeffizientes Bauen mit einem hohen
architektonischen Anspruch einhergehen könne.
Insgesamt nehmen 20 Hochschulen an dem Solar Decathlon Europe 2010 in
Madrid teil. Im Juni 2010 werden sie ihre Beiträge in einem „Solar
Village“ präsentieren. Wertungskriterien der internationalen Jury sind
neben Konzept, Energiebilanz und Innovationsgehalt auch Komfort,
Gestaltung, Kommunikation und Marktfähigkeit.
Noch drei weitere deutsche Hochschulen haben sich für die Teilnahme am Solar Decathlon Europe 2010 qualifiziert:
• Bergische Universität Wuppertal
• Living Equia –Team Berlin (FHTW Berlin, TFH Berlin, UdK Berlin, FH Potsdam)
• Hochschule Rosenheim
zur Website des Solar Decathlon Europe Teams der HTF Stuttgartzur Website des Zentrums für angewandte Forschung an Fachhochschulen – Nachhaltige Energietechnik
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