Projekte

Erstes Bürogebäude Deutschlands mit LEED Gold ausgezeichnet

Das Hochhaus des Süddeutschen Verlages in München ist als erstes Bürogebäude in Deutschland mit einem LEED-Zertifikat in Gold ausgezeichnet worden. Die Zentrale des Süddeutschen Verlages überzeugte die Auditoren mit ihrem Klima- und Energiekonzept vor allem im Bereich Energie- und Wassereffizienz.

Süddeutscher Verlag, München, GKK+Architekten, WSP CBP Consulting Engineers, FOM Real Estate GmbH, LBBW Immobilien GmbH
Foto: Michael Volkmann

LEED (Leadership in Energy and Environmental Design), ein Zertifikat des US Green Building Council, gilt als eines der weltweit erfolgreichsten Klassifizierungssysteme für nachhaltige Gebäude und gewinnt auch in Deutschland zunehmend an Bedeutung. Für Investor und Mieter des SV-Hochhauses waren die ökonomischen Vorteile der nachhaltig errichteten Immobilie entscheidend. Der durch die LEED-Zertifizierung belegte schonende Umgang mit Ressourcen und ein deutlich reduzierter Primärenergiebedarf sorgen für eine verbesserte Wertsubstanz.

Verantwortlich für den Neubau im Osten Münchens zeichneten GKK+Architekten (Berlin), die Planer von WSP CBP Consulting Engineers (München) sowie die Generalübernehmer FOM Real Estate GmbH (Heidelberg) und LBBW Immobilien GmbH (Stuttgart).

Die vor 14 Monaten in Betrieb genommene Zentrale des Süddeutschen Verlages erreichte in der Zertifizierung insgesamt 42 Punkte in den sechs Hauptkategorien Nachhaltiger Standort, Wassereffizienz, Energie, Materialien und Ressourcen, Innenraumqualitäten sowie Innovation und Planungsprozesse. Zum Erreichen des Gold-Status sind 39 Punkte notwendig. Insbesondere bei den Themen Innovation, Energie- und Wassereffizienz erreichte das SV-Hochhaus Bestwerte: In allen drei Kategorien wurde nicht nur die maximale Punktzahl, sondern darüber hinaus Bonuspunkte für „Exemplary Performance“ erzielt.


Das Energiekonzept des Gebäudes

Das Energiekonzept des Süddeutschen Verlages ruht auf drei Säulen: einer Minimierung des zukünftigen Energieverbrauchs, der Nutzung überschüssiger Wärmeenergie innerhalb des Gebäudes sowie einer optimierten Energiebereitstellung aus möglichst erneuerbaren Quellen.

Alle außen liegenden Büros – in der Summe rund 85% der Gesamtgebäudefläche – erhielten eine Hybridlüftung: In der Übergangszeit (Frühjahr und Herbst) können die Nutzer ihre Vorstellung von einer angenehmen Raumtemperatur über individuelle Fensterlüftung realisieren. Möglich wird dies durch eine Doppelfassade, die den Schallschutz erhöht, Winddruck mindert und im Winter dank des Treibhauseffekts ein zusätzliches „Wärmepolster“ im Fassadenzwischenraum entstehen lässt.

In den stetigen Kühl- und Heizperioden (Sommer und Winter) werden die Büros dagegen mechanisch be- und entlüftet. Dabei trägt das System den im Verlagswesen üblichen, relativ variablen Arbeitszeiten Rechnung. Jedes Büro erhielt seine eigene Lüftungsanlage, die über Präsenzmelder automatisch an- und abschaltet, sobald jemand das Büro betritt oder verlässt.
Temperatur, Lüftung und Sonnenschutz werden von den Mitarbeitern direkt vom PC aus gesteuert, die Beleuchtung wird in Abhängigkeit vom Tageslicht automatisch gedimmt. Multifunktionale Deckensegel optimieren die Raumakustik und verteilen das Licht gleichmäßig im Raum.

Für die Beheizung und Kühlung der Büroebenen sorgt eine Betonkernaktivierung der Geschossdecken, die an ein Geothermiesystem gekoppelt sind. In die Gründungspfähle des Hochhauses sind wasserführende Schläuche integriert, die im Sommer die überschüssige Wärme aus den Büroräumen ans Erdreich angeben und diese im Winter wieder aufnehmen, um sie dem Gebäude zuzuführen.

Nach Berechnungen von WSP CBP Consulting Engineers ermöglicht dieses System, vergleicht man es mit dem derzeit üblichen Standard (Brennwertkessel zum Heizen/Kompressionskältemaschine zum Kühlen) im Idealfall eine Primärenergieeinsparung bis zu 80%. Einige Bereiche im Gebäude – etwa die Serverräume – benötigen jedoch ganzjährig eine Kühlung. Ihre Abwärme und die der Kältemaschinen unterstützt im Winter die Fußbodenheizung des zentralen Atriums und die Betonkernaktivierung. An anderer Stelle wird die aus den Büros zentral gesammelte Abluft genutzt, um kalte Außenluft über ein sogenanntes Kreislaufverbundsystem vorzuwärmen. Den darüber hinaus noch verbleibenden Wärmebedarf deckt das lokale Fernwärmenetz.


    Kommentar  drucken  weiterempfehlen
 
 

Sprache wählen

Deutsch English Italiano Espanol Français

DETAIL ABONNEMENT

Blog und Newsletter

NEU: INSPIRATIONSDATENBANK

Newsletter:

>> Archiv

User Login

RSS-Feeds / Bookmarks

Partner Links

Über Detail | AGB | Widerruf | FAQ | Impressum | Mediadaten | Downloads | Weiterempfehlen | Sitemap

Detail, 10.02.2012