Folge 16
Architekten: meck architekten, München

Lageplan
Für einen im Zweiten
Weltkrieg teilweise zerstörten und später durch Fabrikgebäude ergänzten
Häuserblock mitten in der Altstadt von Weimar ergab sich nach der
Wiedervereinigung die Chance einer Neuordnung. Bereits in dem 1991 ausgelobten
städtebaulichen Ideenwettbewerb schlugen die Architekten vor, den Block
teilweise zu entkernen und durch Bebauung neu zu strukturieren. Obwohl die
Planung wegen unterschiedlicher Nutzungskonzepte mehrfach modifiziert werden
musste, blieb die grundlegende Idee erhaltenDas zweiflügelige Gebäude
beherbergt nun die Bibliothek und einen Hörsaal der Bauhaus-Universität. Es
fügt sich geschickt in den von vier Straßen eingefassten Häuserblock ein und
gliedert den Innenhof in verschiedene Bereiche. So ist eine Folge von kleinen
Plätzen entstanden, die über Fußwege und Treppen mit dem Stadtraum verknüpft
sind und das von Norden nach Süden ansteigende Gefälle überwinden. Der von drei
Seiten zugängliche Gebäude-komplex bildet dabei die Schnittstelle. Er gliedert
sich in das Hauptgebäude und einen einhüftigen Verwaltungstrakt; der
Zwischenbau verzahnt beide Bereiche und verbindet die Eingangsebenen über eine
Freitreppe.

Mit
seiner modernen Formensprache grenzt sich das Gebäude deutlich von der
historischen Blockrandbebauung ab. Gleichzeitig nimmt die Fassade Bezug auf die
lokale Bautradition: Analog zu den Putzflächen der alten Fachwerkhäuser, bei
denen die konstruktive Schichtung spürbar ist, erhielt der Beton eine bewusst
ungleichmäßige, von Hand nachbearbeitete Oberfläche. Die Lasur trägt außerdem
die für Weimar typische Farbe Dunkelgrau. Die Farbtöne im Inneren – Weiß, Beige, Grau und
Rotbraun – erinnern wiederum an die Bauhaus-Architektur. Sie werden vor allem
im Verwaltungstrakt und im Foyer verwendet. Die Bibliothek dagegen ist komplett
mit Eichenholz ausgekleidet. Sie ist das Herzstück des Gebäudes und erstreckt
sich über alle fünf Geschosse.

Foto: Christian Schittich

Foto: Christian Schittich

Foto: Christian Schittich
Heide Wessely
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