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Pritzker-Preis, 2017, Hisao Suzuki

Pritzker-Preis für RCR Arquitectes: Ein Kommentar

Sind Architekturpreise mit Schönheitswettbewerben oder mit dem Eurovision Song Contest vergleichbar? Es ist für Niemanden ein Geheimnis, dass bei der Wahl der nächsten Miss World oder des besten Songs die »äußeren« Qualitäten nicht unbedingt die entscheidende Rolle spielen: oft richten sich die Entscheidungen nach der politischen Wetterlage.

Die Architektengemeinschaft scheint sich angesichts der Pritzker-Preisverleihung dieses Jahr in zwei Lager gespalten zu haben: während die Einen die Entscheidung unterstützen, den Preis an das Architektentrio zu vergeben, das seit drei Jahrzehnten ein kleines Büro in der katalanischen Kleinstadt Olot unterhält, zeigen sich zahlreiche Gegner empört durch den »Kompromiss« bei der Bestimmung von diesjährigen Gewinnern. 

Die Gegenargumente sind: ein zu kleines Architekturportfolio, das außerdem aus unbedeutenden Bauten besteht; aber auch die bekanntesten Häuser des Büros würden den Preis immer noch nicht rechtfertigen – im Unterschied zur Arbeit von solchen Pritzker-Preisträgern wie Zaha Hadid oder Toyo Ito. Viele sind enttäuscht, weil ihre Erwartung –, eine Frau bekäme den Pritzker-Preis, nicht erfüllt wurde. Die Dritten hinterfragen wiederum die Funktion des Preises: Man generiere zwar »politisch erklärbare Entscheidungen«, so Alexander Gutzmer (Baumeister), diese wären aber ebenso banal wie politisch korrekt; vielmehr sollten diejenigen prämiert werden, die Bauten in die Welt setzten, die einen »realen Einfluss« auf den Architekturdiskurs haben. Patrick Schumacher ist unzufrieden, dass die Grössen der älteren Generation wie Eisenman, Prix, Calatrava, Holl oder Chipperfield immer noch nicht geehrt wurden. Und die Frankfurter Allgemeine betitelt gar provokativ ihren Kommentar zur Preisvergabe: »Und das, findet ihr, ist gute Architektur?« – Niklaas Maak ist ebenfalls der Meinung, der Preis wäre sinnvoller bei den schon bekannten Architekten untergebracht: »Der Pritzker-Preis verstärkte den Ruhm der Baumeister, ihr Ruf das Renommee des Preises.«

Was lässt sich anhand der Kritik über die Lage des Berufstandes heute sagen? Der Pritzker-Preis wurde 1979 eingerichtet, in der Zeit, als Stararchitektur gerade aufkam. Diese Zeit ist offensichtlich vorbei. Der Preis ist geblieben. Möglicherweise liegt ein strukturelles Problem all der Unzufriedenheit zugrunde: Die Frage ist nur, welche Form der Auszeichnung der aktuellen Wende zu einer sozialen, regionalen und nachhaltigen Architektur entsprechen könnte.

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