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Baukunst – mit Leichtigkeit: Frei Otto im Gespräch (2000)

Der Name Frei Otto war 2000 in aller Munde: Bei der Weltausstellung in Hannover zählte sein gemeinsam mit Shigeru Ban entwickelter, japanischer Pappröhren-Pavillon zu den meist beachteten Bauwerken. Seiner langjährigen Heimatstadt Stuttgart hatte er drei Jahre zuvor gemeinsam mit Christoph Ingenhovens Büro den Entwurf für einen neuen, unterirdischen Hauptbahnhof beschert. Und in München wurde darüber debattiert, Ottos Hauptwerk – das Olympiastadion von 1972 – zur reinen Fußball-Arena umzubauen.

Genug Gesprächsstoff also für das Interview, das Andreas Gabriel für die Juni-Ausgabe von Detail mit dem Architekten und späteren Pritzker-Preisträger führte. Im Mittelpunkt stand dabei naturgemäß der Membranbau, über den Frei Otto schon seine Dissertation „Das hängende Dach“ 1954 verfasste. Die Inspiration dazu stammte aus den USA, genauer: von der 1953 fertiggestellten Raleigh-Arena von Matthew Nowicki in North Carolina, deren Entwurf Frei Otto bei einer Studienreise kennengelernt hatte.

Membranbau ist nicht gleich Membranbau – bis die Konstruktionen auch ästhetisch überzeugen, braucht es viel Erfahrung mit dem Metier. So kritisiert Frei Otto im Interview: „Dass es heute sehr wenig Baukunst im Bereich des Zeltbaus gibt liegt einfach daran, dass zu wenig technische und gestalterische Arbeit aufgewendet und an vielen Stellen sehr oberflächlich vorgegan­gen wird. Man verlässt sich auf Vorhandenes und viele meinen, dass sie damit automatisch das Richtige tun.“ Vielleicht liegt das auch daran, dass die im Membranbau üblichen Formfindungsprozesse vielen Architekten wesensfremd sind. Frei Otto: „Als Architekt will man entwerfen. Wenn man aber die gleichzeitig ablaufenden Selbstbildungsprozesse nicht berücksichtigt, kommen keine guten Ergebnisse heraus

Für die Expo 2000 in Hannover hatten Frei Otto und sein Atelier nicht nur am Entwurf des japanischen, sondern auch des venezolanischen Pavillons mitgewirkt. Auf die Frage, ob Weltausstellungen denn noch der richtige Ort für Innovationen seien, antwortet er: „Sie sind einer der ganz wenigen Orte, wo Innovation sogar notwendig ist. Da soll ja auch gezeigt werden, wie eine Zukunft aussehen könnte und es müssten jene Leute zum Zuge kommen, die zukunftsweisend arbeiten – das ist eine alte Tradition. Ob die noch sehr lange in die Zukunft hineinreichen wird, ist eine andere Frage.“

Interessant auch die Frage, welches Material Frei Otto heute für die Eindeckung des Münchener Olympiadachs vorschlagen würde, wenn er es noch einmal bauen müsste: „Ich würde [...] eine Folie über das Seilnetz spannen, und zwar sehr sauber vorgespannt. Das ist genauso durchsichtig und haltbar wie das Acrylglas, aber es entfallen alle komplizierten Detail- und Fugenanschlüsse. Ich hätte das schon damals gerne vorgeschlagen, aber ich wollte das damals noch damit verbundene Risiko nicht eingehen.

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