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Eine außergewöhnliche Ära: Petr Hájek über die Architektur der 60er-Jahre – und die in 60 Jahren

Als sich die Tschechoslowakei noch hinter dem Eisernen Vorhang befand, war DETAIL für Petr Hájek ein Tor zur Welt – zu westlicher Architektur und Konstruktionsfragen. Die Zukunftsvision des tschechischen Architekten ist, dass neue Technologien und sogar neue Arten von Menschen die Architektur auf eine Weise verändern, die für uns heute noch unverständlich ist.

Detail wurde in den 1960er-Jahren gegründet. Was hat uns dieses Jahrzehnt an Architektur hinterlassen?
Die 60er-Jahre waren außergewöhnlich in ihrem Drang nach neuen Perspektiven und Experimenten. Wir nutzen diese Energie immer noch, nicht nur in der Architektur. Die Liste an Referenzen ist lang: die prächtigen Entwürfe von Frei Otto oder Buckminster Fuller, das TWA Flight Center von Eero Saarinen, die Tomba Brion von Carlo Scarpa, die kunststoffgeprägten Innenräume von Verner Panton, das Kunststoffhaus von Dieter Schmid, die Expo 67, aber auch Apollo 11, der A-7 Druckanzug, die Beatles, Andy Warhol, DNA, Mary Quant …

Wann sind Sie zum ersten Mal auf Detail gestoßen und was verbinden Sie mit der Zeitschrift?
Ich bin 1988 zum ersten Mal im Lesesaal der Nationalen Technischen Bibliothek in Prag auf die Zeitschrift aufmerksam geworden. Wenn ich mich recht erinnere, gab es in dieser Ausgabe einen Artikel zur Treppe in der Freiheitsstatue in New York. Für mich war es damals fast symbolisch, denn in der Tschechoslowakei durften wir nicht in Länder außerhalb des Ostblocks reisen. So konnten wir nichts von der Weltarchitektur vor Ort lernen, konnten die Konstruktionsarten nicht selbst in Augenschein nehmen und studieren. Doch Detail gab uns immer wieder neue Blicke in das Innenleben von Gebäuden. Danke.

Wo wird Architektur Ihrer Meinung nach in 60 Jahren stehen? Mit welchen Problemen müssen sich Architekten befassen, und welche Arten von Gebäuden werden sie entwerfen?
Ich persönlich glaube nicht, dass sich Architektur in 60 Jahren wesentlich verändern wird, unser Beruf wird sich mit ähnlichen Problemen befassen wie heute. Möglicherweise werden neue Technologien den Weg zu neuen Designlösungen, besseren ökologischen Maßstäben und neuen Konstruktionsmethoden ebnen. Ich kann mir vorstellen, dass Häuser aus dem 3D-Drucker zur Normalität werden, Robotergebäude, die Transformers aus Hollywood-Filmen ähneln oder sogar „digitale Städte“… Aber meiner Meinung nach wird der tiefgreifende Wandel mit der genetischen Veränderung der Menschen einhergehen. Die langlebigen und superintelligenten Menschen der Zukunft werden vielleicht andere Bedürfnisse und Anforderungen haben als wir, und dies könnte die Architektur auf eine Weise verändern, die für uns jetzt unverständlich ist. Möglicherweise werden gar nicht mehr so viele Architekten benötigt, da ihre Arbeit durch kreative Algorithmen und Datenbanken ersetzt wird. Solange künstliche Intelligenz, ein Meteorit oder ein Virus sich nicht in diese Visionen einmischen …

Petr Hájek (1970) ist tschechischer Architekt mit Bürositz in Prag. Nach seinem Architekturstudium an der Tschechischen Technischen Universität und der Akademie der bildenden Künste in Prag war er Mitbegründer des Architekturbüros HŠH architekti, das seine Tätigkeit 2016 einstellte. 2009 gründete er Petr Hájek Architekti. Seine Arbeit basiert auf Inspirationen aus interdisziplinären Bereichen. Häufig experimentiert Hájek auch mit neuen Materialien und Technologien, die den architektonischen Ausdruck seiner Gebäude zu unterstützen.

 Petr Hájek über die Architektur der 60er-Jahre, Foto: Lzbeta Jungrova
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