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Farbenfroher Fremdkörper: Centre Le Corbusier in Zürich

Fremdartig und doch vertraut mutet Le Corbusiers letztes noch zu Lebzeiten begonnenes, aber erst posthum vollendetes Bauwerk am Ufer des Zürichsees an. Fremd wirkt es sowohl inmitten der Gründerzeitvillen entlang der Bellerivestraße als auch in Le Corbusiers Werk: Lackierter Stahl statt béton brut, Blechpaneele statt Putzfassaden machen ihn in beiderlei Hinsicht zum Unikat. Und doch mutet vieles auch bekannt an: Das schattenspendende, von seinem Unterbau gelöste Dach kennen wir bereits von Corbusiers Bauten in Indien aus den 1950er-Jahren; die farbenfrohen Fassadenpaneele zeigen Anklänge an die Unité d’habitation in Berlin und das Gemeindezentrum in Firminy.
Angeblich vollzog der Architekt seine späte Hinwendung zur Stahl-Glasarchitektur auf Betreiben seiner Bauherrin, der Innenarchitektin und Galeristin Heidi Weber. Deutlich sichtbar ist an dem Pavillon auch die Handschrift von Jean Prouvé, mit dem Le Corbusier 1949 erstmals ein modulares Bausystem für Ferienhäuser entwickelte. Es fand auch in Zürich in weiterentwickelter Form Anwendung. 
Zweimal hat Detail über den Ausstellungspavillon berichtet: einmal 1968 anlässlich der Fertigstellung und dann wieder 2019 nach vollendeter Sanierung zum 50-jährigen Jubiläum. In der ersten Veröffentlichung beschreibt Jürg Gasser das Gebäude wie folgt: „Dieser auf einem Beton-Untergeschoß errichtete Raumkomplex besteht aus 226 x 226 x 226 cm (Modulormaß) großen Kuben von zusammengeschraubten, abgekanteten Stahlrahmen. Die Wände und Böden sind in diese Stahlrahmen eingesetzt und ebenfalls mit Schrauben befestigt. Ähnlich wie bei einem Auto sind die Fenstergläser in speziell hergestellte Gummiprofile eingeklemmt. ... Das Dach besteht aus zwei miteinander verbundenen quadratischen Teilen. ...  Das Gewicht der vorwiegend aus 5 mm starken Blechen geschweißten Stahlkonstruktion beträgt ca. 40 Tonnen und ruht auf drei Stützen mit Rohrquerschnitt und sechs stärker dimensionierten Stützen mit rechteckigem Querschnitt.“
Die Sanierung durch die Architekten Arthur Rüegg und Silvio Schmied war ein Lehrstück in moderner Archäologie. Nicht nur die Fassadenpaneele und Verglasungen, auch viele originale Fensterdichtungen aus Neopren und ein großer Teil der Verkabelung blieben dabei erhalten. Nur die einbetonierte Fußbodenheizung, die schon 1982 ihren Geist aufgegeben hatte, musste definitiv erneuert werden. Gleiches galt für die detailgetreu nachgebaute Inneneinrichtung. Denn die mittlerweile über 90-jährige Heidi Weber hatte vor der Sanierung alles Mobiliar und sogar die Einbauleuchten entfernen lassen, nachdem sie sich mit der Stadt Zürich nicht über die Nachnutzung des Pavillons hatte einigen können.

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