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Löst die Utopien ein: Marcos Franchini und Nattalia Bom Conselho über 60 Jahre Architektur

Marcos Franchini und Nattalia Bom Conselho aus Belo Horizonte gratulieren Detail zum 60-jährigen Geburtstag. Sie hoffen, dass die Architektur im Sinne der Nachhaltigkeit künftig mehr auf lokale Traditionen und Materialien setzt.

Was haben uns die 1960er Jahre in Sachen Architektur hinterlassen?
In Europa waren die 1960er Jahre geprägt von der Einweihung von Le Corbusiers Kloster Sainte-Marie de la Tourette, einem emblematischen Bau für den Brutalismus. Sie waren auch der Moment, in dem Pier Luigi Nervi und Buckminster Fuller ihre erfindungsreichen Arbeiten vollendeten. Wie diese zeigten, ist es möglich, die tektonische Matrix in Gebäuden in ästhetischer Anlehnung an die Natur zu entwickeln. 
Ein gewisser Geist der Veränderung führte zu Projekt-Manifesten von Gruppen auf der ganzen Welt, die insbesondere durch die Gründung der Metabolisten in Japan, durch Archigram und die Aufsätze von Cedric Price in England sowie „Vivre à l’oblique“ [Mit der Schräge leben] von Claude Parent und Paul Virilio gekennzeichnet waren.

In Brasilien war das Jahr 1960 geprägt von der Einweihung der Hauptstadt Brasília (ein Traum von der modernen Stadt mitten im Cerrado – in der Savanne – mit all seinen Widersprüchen, Utopien und Schönheiten), ebenso wie der Architekturfakultät der Universität von Sao Paulo FAU-USP, entworfen von Vilanova Artigas, ein Gebäude, das uns noch immer etwas über Zartheit und Gewicht, Leere und Materie lehrt ... Paradoxien, die nebeneinander bestehen und äußerst instruktiv sind. Außerdem das Werk von Lina Bo Bardi in Salvador, das uns wegen seines Erfindungsreichtums und vor allem wegen der Aufwertung der lokalen Kultur und der Ursprünge des Landes sehr anspricht. Diese Vielfalt aus verschiedenen Ecken der Welt lenkt unsere Aufmerksamkeit auf diesen besonderen Moment, der die 1960er-Jahre waren.

Wann sind Sie zum ersten Mal auf DETAIL gestoßen?
Ausländische Zeitschriften lernten wir beim Schlendern durch die Gänge der Universitätsbibliothek und beim Herumstöbern in Magazinen und Büchern in den Büros kennen, in denen wir Praktika machten. Detail möchten wir dabei besonders hervorheben. Oft lasen wir diese Zeitschrift stundenlang, um mehr über die Konstruktion und die Zusammenhänge zwischen den verschiedenen Komponenten eines Bauwerks zu verstehen. Für uns war diese Lektüre eine ergänzende Ausbildung zum formalen Unterricht und eine wesentliche Grundlage.

Wo wird die Architektur Ihrer Meinung nach in 60 Jahren stehen?
Wir glauben an eine freundliche Beziehung zu unserem Planeten und suchen nach ihr. Auf diese Weise müssen wir über die Zukunft unserer Städte und damit auch über die Architektur nachdenken.

Im Moment leben wir in einem Szenario, in dem es viel Verschwendung gibt, Ausbeutung natürlicher Ressourcen, Abriss von Gebäuden, die keinen Sinn mehr machen, verlassene Räume und Städte, und auf der anderen Seite Wohnungsmangel, Armut, soziale Segregation. Wir müssen dringend die Utopien der 60er Jahre einlösen! Eine Neuausrichtung und Aktualisierung unserer Bauweise muss das Mantra sein. Wir glauben, dass Nachhaltigkeit sich von einer anthropozentrischen Sicht distanzieren, lokale Materialien sowie Bautraditionen retten und nach erneuerbaren Quellen und Materialien suchen sollte, die mit ihrem späteren Kontext in Einklang stehen und keinem bestimmten Trend folgen.

Der brasilianische Architekt Marcos Franchini lebt und arbeitet nach Aufenthalten in Recife, Brasília und Paris in Belo Horizonte im Bundesstaat Minas Gerais. Seinen Abschluss in Architektur und Stadtplanung machte er 2010 an der Päpstlichen Katholischen Universität von Minas Gerais in Belo Horizonte. Er hat einen Master-Abschluss in Metallbauwissenschaften von der UFOP (2017) und ist seit 2018 als Hochschullehrer tätig. 2012 gründete er sein eigenes Büro. Parallel dazu unterrichtet er seit 2006 den Skizzen-Workshop „Oficina de Croquis“. 

Die brasilianische Architektin Nattalia Bom Conselho lebt und arbeitet nach einem Aufenthalt in Turin in Belo Horizonte im Bundesstaat Minas Gerais. 2014 schloss sie ihr Studium der Architektur und Stadtplanung an der Päpstlichen Katholischen Universität von Minas Gerais in Belo Horizonte ab. Sie ist Spezialistin für Kulturerbe (CECI/UFPE 2016) und gründete 2014 ihr eigenes Büro, das sich mit Architektur und Kulturerbe in allen Facetten und Bereichen beschäftigt.

Marcos Franchini und Nattalia Bom Conselho, Foto: Paula Dante
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