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Scheues Fortschrittsdenken, ordentlich gekleidet: Grußbotschaft von Kinzo

Während des Architekturstudiums an der TU Berlin in den 90er-Jahren sind sich die Gründer von Kinzo erstmals begegnet. Die Architektur der 60er-Jahre gibt ihnen Rückenwind für neue Projekte und ist für das Architektenteam aus Berlin ein Lichtblick im Vergleich zum Mainstream der 1990er.

Wann seid Ihr Detail zum ersten Mal begegnet?
Es muss im Jahr 1996 gewesen sein. Gerade noch „Fettes Brot“ gehört, Tag 2 des Architekturstudiums an der TU-Berlin. Chris mit langen Haaren, Karim blond und Martin immer von einer Schar Frauen umgeben. Jeder eine Zigarette im Mundwinkel und die Detail unterm Arm. Da wussten wir, dass wir ähnlich ticken und sich unsere Ideen und unser Humor ergänzen. Schon verrückt, wie sehr sich dieser erste Eindruck gefestigt hat und wir seither gemeinsame Sache machen. Und Detail lesen wir immer noch gerne.

Welche Bedeutung hat die Zeitschrift für Euch?
Bauen ist mehr als Gestaltung und soziologischer Kontext. Die Bedeutung von Bautechnik und Details, die sich meist erst auf den zweiten, genaueren Blick zeigt oder über die Jahre über Schrott oder Denkmal entscheidet wird in der Detail wie nirgendwo sonst vermittelt.

Welche Bedeutung haben die 60er- und die 90er-Jahre für euch?
Die 60er vermitteln ein Gefühl von scheuem Fortschrittsdenken, ordentlich gekleidet in einem hölzernen, spießigen aber irgendwie auch zeitlosen Korsett. Der perfekte Nährboden für eine radikale Architektur-Avantgarde, die uns heute noch Rückenwind gibt und deren Fantasien wir langsam näherkommen. Nie war ein Jahrzehnt geschmackloser als die 90er-Jahre, obwohl einiges gerade recycelt wird. Finde jemand die Perlen im Misthaufen! Auch für die Architektur keine gute Zeit. Leider wurde gerade da viel gebaut. Berlin-Mitte wiederum, unser Ort der Zuflucht, abseits des Mainstreams ohne Dr. Alban, Buffalos und den United-Colors-of-Benetton-VW-Polo, mit viel Raum für Improvisation und Experiment. Es scheint als bräuchte es stets eine besonders langweilige oder hässliche Umgebung, um die Entwicklung zu beschleunigen.

Wo glaubt Ihr steht die Architektur in 60 (30) Jahren?
Die Architektur in Europa als ganzheitliche Baukunst ist bereits am Ende. Aufgerieben zwischen Immobilienverwertung, Planungspolitischer Mutlosigkeit, Nachhaltigkeitsbestrebungen, Weltfremde und Haustechnik. Reduziert auf die Mega-Konzerthäuser und Wahnsinns-Museen als Ersatz-Monumente für Freizeitpilger, umgeben von gesichtslosen Alltagskisten, sind unsere Städte der Gleichgültigkeit überlassen. Dieser Trend ist ein sich selbst befeuerndes Antriebsmodell ohne Bremsen.
Die Zukunft der Architektur ist das UX-Design, User Interface Design, oder die Oberfläche für den Nutzer und seine Erwartungen, die – wie Software – sich in Iterationen ständig bedarfsorientiert weiterentwickelt, physisch wie virtuell.

Kinzo wurde 2005 in Berlin von Karim El-Ishmawi, Martin Jacobs und Chris Middleton gegründet. Das Architekturbüro arbeitet heute weltweit für internationale Unternehmen an der Schnittstelle von Innenarchitektur und Design. Das Fundament des Architektenteams sind die optimale Beratung von Kunden, die genaue Analyse jedes Projekts und die gemeinsame Entwicklung von Strategien. Der ganzheitliche Gestaltungsansatz sowie die Begleitung durch alle Phasen komplettieren die Firmenphilosophie, die stets nach individuellen nachhaltigen Lösungen strebt.

Grußbotschaft von Kinzo, Berlin, Karim El-Ishmawi, Martin Jacobs, Chris Middleton, Foto: Sebastian Dörken
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