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10 Punkte-Programm für den Wohnungsbau

Architekturqualität im kostengünstigen Wohnungsbau
In Workshops erörterten die Teilnehmer das Potenzial zur Kostenreduktion durch Grundrisse, Konstruktionen, Wettbewerbsverfahren sowie Planungs- und Bauprozesse. Es wurde deutlich, dass sich Architekten in einer nicht immer konfliktfreien Rolle als Verfechter der Baukultur auf der einen Seite und als Treuhänder des Bauherrn auf der anderen Seite befinden. Besonders im kostengünstigen Wohnungsbau müssen die Planer in einem engen Korsett aus Budget, Anforderungen, Normen und Regelwerken agieren. Dadurch sahen sich viele in ihren Möglichkeiten der aktiven Steuerung zur Kostenreduzierung beschnitten. Architekten haben bei der Grundrissgestaltung die Option, diese durch Form, Infrastruktur und Bauweise zu optimieren und altersgerecht, flexibel und flächeneffizient zu gestalten. Durch Vereinfachung des Bauens, durch Elementierung, Standardisierung und Wiederverwertbarkeit von Materialien und Systemen lassen sich Konstruktions- und Lebenszykluskosten reduzieren. Sind die Nutzerbedürfnisse im Vorfeld klar definiert, liegt auch in der Optimierung von Flächen und Funktionen steuerbares Potenzial zur Kostenreduzierung. Von Seiten der Politik, Länder und Kommunen müsse über die Möglichkeiten im Umgang mit dem Stellplatznachweis und den daraus resultierenden Potenzialen wie beispielsweise dem Entfall von Tiefgaragen diskutiert werden. Auch die Förderung und Stärkung der Wettbewerbsverfahren liegt in offizieller Hand. Denn erst in der Vielfalt sei die Qualität zu finden. Um zu sinnvollen neuen Ansätzen zu gelangen und die Aufgabe der Kostenreduktion gerecht auf alle Schultern der am Wohnungsbau Beteiligten zu verteilen, müssen nicht nur Planer und Bauherren, sondern auch die Politik bereit sein, die vermeintlich alternativlosen Aspekte wie Normen und Regelwerke zu diskutieren, so das Fazit der Veranstaltung »Architekturqualität im kostengünstigen Wohnungsbau« im letzten Jahr. Diese nächsten Schritte hat das BMUB nun in die Wege geleitet.

 

Strategie zu mehr bezahlbarem Wohnraum 
Ein 10-Punkte-Programm soll die Voraussetzung schaffen, um den Bedarf an bezahlbarem Wohnraum rasch zu decken, erläuterte Bundesbauministerin Barbara Hendricks. Das Programm sieht unter anderem die Bereitstellung von Bauland, steuerliche Anreize, eine Vereinfachung von Bauvorschriften sowie Mittel für den sozialen Wohnungsbau vor. Die jüngsten Beschlüsse der Bundesregierung zur Bereitstellung von Liegenschaften, zum Wohngeld, zur Verdoppelung der Mittel für den sozialen Wohnungsbau und zur neuen Sonderabschreibung gehen auf Empfehlungen des Bündnisses für bezahlbares Wohnen und Bauen zurück. Aus den Empfehlungen des Bündnisses sind auch die »10 Punkte der Wohnungsbau-Offensive« abgeleitet, die jetzt Schritt für Schritt umgesetzt werden sollen. Ziel ist eine deutliche Steigerung des Wohnungsbaus von heute 270.000 auf künftig mindestens 350.000 Wohnungen jährlich. Vereinfachte Vorschriften, Baulückenschließungen, eine maßvolle Verdichtung und der Umbau von Bestandsgebäuden sind vordringlich. Es geht um gemischte, lebendige Quartiere, nicht um abgeschottete, monofunktionale und monotone Neubausiedlungen. Folgende Aspekte sollen dazu beitragen, den Wohnungsbau aktiv zu fördern: 
1. Bauland bereitstellen und Grundstücke der öffentlichen Hand verbilligt und nach Konzeptqualität vergeben 
2. Wohnsiedlungen nachverdichten, Brachflächen und Baulücken schließen 
3. Soziale Wohnraumförderung und genossenschaftliches Wohnen stärken 
4. Zielgenaue steuerliche Anreize für mehr bezahlbaren Wohnraum schaffen 
5. Bauordnungen harmonisieren – Aufwand reduzieren 
6. Normen, Standards und gesetzliche Anforderungen im Bauwesen auf den Prüfstand stellen 
7. Serielles Bauen für ansprechenden und günstigen Wohnraum forcieren 
8. Stellplatzverordnungen flexibler ausgestalten 
9. Energieeinsparungsgesetz, Energieeinsparverordnung und Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz strukturell neu konzipieren 
10. Gemeinsam für mehr Akzeptanz von Neubauvorhaben werben

Besonders die Punkte zur Überprüfung und Vereinfachung der Normen, der flexiblen Auslegung der Stellplatzverordnung sowie der Neukonzeption der EnEV dürfte die Teilnehmern die Veranstaltung »Architekturqualität im kostengünstigen Wohnungsbau« freuen. So wird beispielsweise ein Sonder-Präsidialausschuss beim Deutschen Institut für Normung e.V. (DIN) eingerichtet, um Kosten- und Praxis-Aspekte stärker als bisher in die Struktur der Normungserarbeitung einzubeziehen. Eine Arbeitsgruppe »Standards im Bauwesen« im BMUB soll das Gebiet der bautechnischen Regelsetzung in den Blick nehmen und technischen Spezifikationen wie Normen, Standards und Zulassungen sowie ihre Übernahme in das öffentliche bautechnische Regelwerk unter Einbeziehung einer Kosten-Nutzen-Betrachtung überprüfen. Auch bei der Stellplatzsatzung könnte es demnächst Erleichterungen geben. Im Bericht heißt es: »Um die Verteuerung des Wohnungsneubaus zu vermeiden, können Stellplatzauflagen und -satzungen flexibler gehandhabt werden. Im Zuge einer umsichtigen Stadtentwicklungsplanung sollten Stellplatzanforderungen durch neue Mobilitätskonzepte ergänzt werden, die alle Verkehrsmittel angemessen berücksichtigen.« 

Auch, wenn das 10-Punkte Programm in vielen Aspekten sicherlich noch keine direkte Lösung anbietet, so ist es doch ein klares Zeichen, dass sich die Politik dieser Themen weiterhin ernsthaft annimmt und dabei auch die Stimmen aus der Planerschaft berücksichtigt.

Kurze Werbepause

Bei der Veranstaltung Nationaler Kongress zum Bündnis für bezahlbaren Wohnraum wurden die Impulse zum Thema "Wohnungsneubau – Offensiv. Gemeinsam. Bezahlbar" visualisiert, BMUB/Michael Gottschalk

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