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100% Glas und doch nachhaltig: Bürogebäude in Miramar

Arbeiten, wo andere Urlaub machen: Ihren hohen Freizeitwert sieht man der Stadt Miramar nordwestlich von Miami bereits aus dem All an. Das Satellitenfoto zeigt das für US-amerikanische Vorstädte typische weitläufige, rechtwinklige Straßenraster, in dessen Zwischenräumen sich Einfamilienhaussiedlungen um landschaftsgärtnerisch gestaltete Teiche gruppieren und entlang von Kanälen aufreihen. Der hohe Anteil an Wasserflächen ist der Nähe zu den Everglades-Sümpfen geschuldet. Doch auch die Atlantikküste ist gerade einmal zehn Kilometer vom Stadtzentrum entfernt.

Auch der „FBA Campus“ der Bundespolizei FBI liegt auf einem ehemaligen, lange trockengelegten Sumpfgebiet am Westrand von Miramar. Auf dem weitläufig abgezäunten Areal ist in den vergangenen 3 Jahren ein verglaster Neubau für 850 Angestellte nach den Plänen der Chicagoer Architekten Krueck + Sexton entstanden. Seine 35000 m2 Fläche verteilen sich auf sechs bis sieben Geschosse. Das ist deutlich mehr als bei den Nachbargebäuden und ein Zeichen dafür, dass Nachhaltigkeit – trotz des automobilabhängigen Standorts – bei diesem Neubau groß geschrieben wurde. Denn durch die hohe Bauweise war es möglich, große Teile des Areals nicht nur von Bebauung freizuhalten – sie wurden im Zuge der Baumaßnahmen auch renaturiert und wieder in Feuchtgebiete umgewandelt.

Eine besondere Herausforderung für die Planung bildete das tropische Klima im Süden Floridas – zumal zeitgenössischer Bürobau in den USA weitgehend immer noch mit Ganzglasfassaden assoziiert wird. So auch hier: Eine komplett verglaste und hermetisch geschlossene Curtain Wall ohne öffenbare Fenster zieht sich rings um die beiden parallel angeordneten Gebäudeflügel. Immerhin sind diese in West-Ost-Richtung orientiert, sodass die Bürofassaden im Wesentlichen nach Süden und Norden weisen. An den schmalen Gebäudeenden, auf die die deutlich schlechter zu kontrollierende flache Morgen- und Abendsonne auftrifft, liegen hingegen die Treppenhäuser.

Ein Querriegel mit Konferenzräumen ergänzt die Büroflügel zu einem insgesamt H-förmigen Grundriss. Hier steht auch eine 8 Meter hohe Zedernholzskulptur, welche die deutschstämmige Ursula van Rydingsward als „Kunst am Bau“ für den Bauherren gestaltet hat.

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Spagat zwischen Tageslichtversorgung und Kühlung

Die Büroflügel sind je 20 Meter breit und werden als Großraumbüros genutzt. Nach Berechnungen der Energieplaner von Atelier Ten sind 75% aller Arbeitsplätze so gut belichtet, dass sie während der Tageslichtstunden kein elektrisches Licht benötigen. Die Glasfassaden wurden so konstruiert, dass sie selbst Bombenattentaten und tropischen Wirbelstürmen standhalten. Auf den Südseiten setzten Architekten und Energieplaner – neben Low-E- und Infrarotbeschichtungen – auf ein wabenartiges, starres Verschattungssystem aus Lochblechen außen vor der Fassade. Seine Maschenweite und Neigung sind so konzipiert, dass es die hoch stehende Südsonne weitestgehend aus dem Gebäude fernhält.  Die Nordseiten kommen ohne die Verschattungselemente aus.

Photovoltaikmodule auf dem Dach und dem benachbarten Parkhaus decken fast 20 Prozent des Energiebedarfs im Gebäude. Dieser liegt – bei Berücksichtigung des Solarstroms – um 36% unter dem eines amerikanischen Standard-Bürogebäudes. Die US General Services Administration strebt mit dem Neubau eine Nachhaltigkeitszertifizierung nach dem Standard LEED Platinum an. Das dürfte zu schaffen sein, trotz der notorischen Automobilabhängigkeit des Standorts und der hier arbeitenden Polizisten. Gerade einmal sechs Prozent von ihnen reisen nach Schätzungen von Atelier Ten mit öffentlichen Verkehrsmitteln, dem Fahrrad oder zu Fuß an.

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